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Malteser schaffen Ruheort im Hochwasserchaos

Auf dem Betreuungsplatz der Vechtaer Malteser in Ahrweiler können sich Überschwemmungsopfer ausruhen, bevor sie an ihren Häusern arbeiten. Die Ausmaße der Katastrophe sind schlimmer als erwartet.

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Sie wollen helfen: Binnen weniger Tage war die Mannschaft abfahrbereit. Foto: Peters

Sie wollen helfen: Binnen weniger Tage war die Mannschaft abfahrbereit. Foto: Peters

Tausende von Helfern sind mittlerweile in den Katastrophengebieten vor Ort. Sie helfen da, wo die Überschwemmungen Existenzen zerstörten. Unter ihnen sind auch die Vechtaer Malteser. Ihr Zug bildet in Ahrweiler den Betreuungsplatz 500. Dort kümmern sich die 3 Diözesen Hildesheim, Osnabrück und Oldenburg gemeinsam mit Verpflegung, Transport zu Ärzten, Sanitär und Schlafunterkünften um bis zu 500 Menschen.

Das Angebot sei nötig, wie der Bereichsleiter Notfallvorsorge im Oldenburger Münsterland, Oliver Peters, erklärt: Die Heimat verlassen, um woanders betreut zu werden, würden viele nicht wollen. "Die Leute wollen schlafen, aber sie wollen in der Nähe ihres Hauses bleiben, weil sie morgens um 6 Uhr, wenn das Licht angeht, wieder weitermachen. Die wollen ihre Existenz sichern." Die Chance des Betreuungsplatzes sei, dass die Betroffenen kurz zur Ruhe kommen können, um dann weiterzuarbeiten. 

Dafür sei nun die gesamte mobile Küche der Landkreis-Malteser mit Wassertanks und Notstromaggregat dabei. Hinzu kommen Mannschaftstransport-, Geräte-, Sanitäts- und Rettungswagen. So ist es möglich, dass der gesamte Betreuungsplatz autark läuft. Insgesamt sind 120 bis 140 Helfer vor Ort. "Das schafft ein Landkreis allein nicht", erklärt Peters. Der Landkreis Vechta stellt im Team über 40 Helfer.

"Die Leute haben nichts mehr - und 400.000 Euro minus."Oliver Peters, Bereichsleiter Notfallvorsorge der Malteser im Oldenburger Münsterland

Auch sei nicht zu unterschätzen, wie psychisch belastend der Einsatz sei. Peters hörte von den Rückkehrern: „Ich hab mir das Schlimmste vorgestellt, aber das trifft nicht das, was man da sieht.“ Sie meinen: „So muss es nach dem Krieg ausgesehen haben.“ Aufgefallen sei, dass die Betroffenen vielfach psychologische Hilfe benötigten. „Die Leute haben nichts mehr – und 400.000 Euro minus“, beschreibt Peters das „Horrorszenario“.

„Ein Einsatz dauert da unten jetzt lange“, berichtet Peters. Die Straßen und Brücken seien zerstört. Die Helfer würden selbst hilflos, „wenn man da steht und man weiß, was die Person für ein Problem hat, aber man kommt da nicht hin“, beschreibt Peters.

Hinzu komme, dass viele Menschen schlichtweg Redebedarf hätten. Die Vechtaer Malteser waren schon einmal auf einem Hilfseinsatz im Überschwemmungsgebiet. Sie waren als Führungseinheit in Dernau. Ein Kollege berichtete von der Situation: „Der Ort ist nicht lang; das sind 4 Kilometer. Dafür brauchst du aber 2,5 Stunden. Denn: Jeder, den du da triffst, der will was loswerden. Da kannst du nicht einfach weggehen.“

Peters: Einsatzkräfte sind hochmotiviert

Die Helfer seien überwiegend ehrenamtliche Kollegen aus dem Katastrophenschutz. Dazu seien viele von ihnen in den Schnelleinsatzgruppen tätig, erklärt Peters. Auch bei diesem Einsatz wurde schnell reagiert. Am Donnerstagabend ging die Benachrichtigung ein; am Sonntagmorgen brachen die Malteser auf. "Unsere Helfer sind hochmotiviert gestartet, weil sie helfen können", erklärt Peters. Auch lobt er die Arbeitgeber. Alle haben kurzfristig freibekommen.

Generell spricht Peters positiv über die Solidarität der Deutschen. Schwierigkeiten, motivierte Menschen zu finden, gäbe es nicht. Allein in Vechta bekomme er immer wieder mit, dass Freiwillige helfen wollten - sei es durch eigenen Einsatz oder Spenden. Nachdem über den ersten Hilfseinsatz der Malteser berichtet worden war, sei eine Spende über 10.000 Euro eingegangen. Die Person wolle anonym bleiben. Kein Einzelfall: "Die Spendenbereitschaft ist unheimlich hoch."

Peters betont aber: Es sei koordiniertes Fachpersonal vonnöten. Ungeführte Spontanhelfer würden meist eher Schaden anrichten. Unwissende verletzten sich oder hinderten durch unorganisiertes Arbeiten die koordinierten Hilfskräfte. Das belaste die Kräfte nur noch stärker.

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