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Maik Kossebau-Viebig fühlt sich wie neu geboren

Der Dinklager hat seine Stammzellen-Therapie in Mexiko gut überstanden. Er blickt auf die vergangenen harten Monate zurück – und optimistisch in die Zukunft.

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Glücklich und erleichtert: Die Stammzellen-Transplantation überstand Maik Kossebau-Viebig gut. Foto: Kossebau-Viebig

Glücklich und erleichtert: Die Stammzellen-Transplantation überstand Maik Kossebau-Viebig gut. Foto: Kossebau-Viebig

Er fühlt sich noch immer etwas schlapp. Die Müdigkeit übermannt ihn häufiger. Er spürt jeden Schritt, jede Bewegung. Doch wenn Maik Kossebau-Viebig über das vergangene Jahr spricht, dann sind die Glücksgefühle beim Dinklager auch über den Telefonhörer nicht nur zu hören. Nein, sie sind zu spüren.

Maik Kossbau-Viebig ist einfach nur happy. Glücklich und erleichtert zugleich. Seine Hormone schütten zurzeit alle möglichen Varianten von Glücksgefühlen aus. "Ich fühle mich wie neu geboren", sagt der 39-Jährige – und man glaubt es dem Dinklager, ohne ihn zu sehen, sondern nur zu hören.

Maik Kossebau-Viebig hat sich im vergangenen Dezember einer Stammzellen-Transplantation erfolgreich unterzogen. In Mexiko. Genau gesagt: in der Ruiz-Klinik in Monterry im Nordosten des Landes. Die Therapie in der 1,2-Millionen-Einwohner-Stadt war nötig gewesen, weil der gelernte Tischler 2003 an Multiple Sklerose erkrankte. Die Nervenkrankheit hat bei Maik Kossebau-Viebig "so viel Chaos im Körper verursacht", wie er es formuliert, dass er sich zuletzt fast nur noch mit Gehhilfen fortbewegen konnte. 

Wie ein Geburtstag: Maik Kossebau-Viebig erhielt von den Klinik-Mitarbeitern eine kleine Geschenkbox mit Kerze. Das freute auch Mutter Beatrix Wilmhoff. Foto: Kossebau-ViebigWie ein Geburtstag: Maik Kossebau-Viebig erhielt von den Klinik-Mitarbeitern eine kleine Geschenkbox mit Kerze. Das freute auch Mutter Beatrix Wilmhoff. Foto: Kossebau-Viebig

Die Sorge seiner Freunde war groß, dass er künftig im Rollstuhl sitzen muss. Das tägliche Unwohlsein und die Schlappheit, die ihm zu schaffen macht, waren noch das geringere Übel. Maik Kossebau-Viebig sagt, was er vorher noch gar nicht über seine MS-Krankheit ausgesprochen hatte: "Ich hätte auch sterben können." 

Gedanken an den Tod wegen seiner MS-Krankheit hat der Dinklager nun nicht mehr. "Ich habe es überlebt." Weil er sich für Stammzellen-Transplantation entschied. Weil sein Freundeskreis die Aktion "Helft Maik!" ins Leben rief. Weil die Spenden- und Hilfsbereitschaft in der Region innerhalb von wenigen Wochen riesig war. 

Unter dem Dach der Stiftung "St. Catharina hilft" der katholischen Kirchengemeinde kam Anfang 2020 innerhalb kurzer Zeit ein Spendenbetrag von mehr als 72.000 Euro zusammen, um die zehntausende Euro teure Transplantation und plus "Nebenkosten" zu decken. "Ein Wahnsinn", ist Maik Kossebau-Viebig darüber immer noch baff.

Dass sich der 39-Jährige – statt wie zunächst geplant in Moskau – schließlich in Mexiko behandeln ließ, bezeichnet er als "Glücksfall". Das Wetter, die Mentalität, die Mitarbeiter – Maik Kossebau-Viebig fühlte sich zu Beginn seines 4-wöchigen Aufenthaltes, bei dem er von seiner Mutter Beatrix Wilmhoff begleitet wurde, direkt wohl. Und über die Ruiz-Klinik sagt er: "Es war alles super professionell."

Daumendrücken sorgt für "positive Vibes"

Angekommen am 23. November, bereitete sich Maik Kossebau-Viebig voller Elan auf seine Transplantation am 7. Dezember vor. Es gab Gespräche, Kontrolluntersuchungen (wie Blut, Herz, Lunge) und Dehnübungen im Treppengebäude. Die Chemotherapien begannen. Die Stammzellen-Gewinnung lief erfolgreich. Für Maik Kossebau-Viebig wären 63 Millionen Stammzellen ausreichend gewesen, es wurden am Ende 945 Millionen. Kleinere Knochenschmerzen steckte er schnell wieder weg. Das Daumendrücken aus Deutschland sorgte bei ihm für "positive Vibes".

Und dann kam der 7. Dezember. Die Stammzellen-Transplantation. Der "Tag der Entscheidung", wie Kossebau-Viebig es ausdrückt. Der Tag, um seine durcheinander geratenen Stammzellen neu ordnen. Um das Chaos in seinem Körper, um seine Hände und Beine neu zu sortieren. 4 Stunden dauerte die Abnahme. Sie kostete viel Kraft, es war anstrengend.  Bis auf Rückenschmerzen spürte Maik Kossebau-Viebig aber keine Nebenwirkungen. 

Und wirkte sich die Transplantation nun auf den Körper aus? Vereinfacht formuliert: Die MS-Progression im Körper des Dinklagers ist vorerst gestoppt. Die zerstörten B- und C-Stammzellen sind nun gereinigt und wurden neu programmiert. Laut den neuesten Erkenntnissen hofft Maik Kossebau-Viebig mindestens für die nächsten sechs, sieben Jahre keine neuen MS-Schübe zu bekommen. Eine Garantie für die Zeit danach gibt es nicht. 

Maik Kossebau-Viebig fühlt sich wie ein Säugling

Der 39-Jährige merkte schon direkt nach der Behandlung: Der 7. Dezember 2020 ist jetzt für ihn wie eine zweite Geburt – neben der regulären am 17. Juni 1981. Er habe ein körperliches Verhalten wie ein Säugling, sagt Maik Kossebau-Viebig und lacht. Das heißt: Er möchte viel schlafen und viel essen. Das merkte er nicht nur in Mexiko, sondern auch weiterhin in Dinklage. "Ich wache nachts auf und räume erst einmal den Kühlschrank leer." 6 Kilo habe er bereits zugenommen.

Doch das ist für Maik Kossebau-Viebig, der ohnehin ein eher schmächtiger Typ ist, sowieso nebensächlich.  Er möchte zu dem Weg, den der 39-Jährige gegangen ist, auch andere Erkrankte ermutigen. "Man sollte auch über den Tellerrand gucken, was für Behandlungen möglich sind." Es sei gar kein Vorwurf, aber: Eine Stammzellen-Transplantation habe ihm zunächst kein Mediziner empfohlen. Er sei austherapiert, solle Ergotherapie machen. Die Krankenkasse wollte die Stammzellen-Transplantation ohnehin nicht bezahlen.

Maik Kosebau-Viebig strotz vor Energie und Ideen

Die Entscheidung, sich im Ausland behandeln zu lassen, sei deshalb am Ende goldrichtig gewesen, findet Maik Kossebau-Viebig. Auch wenn es nervenzerreißende, harte Monate waren, als der für den vergangenen Sommer geplante Aufenthalt in Moskau wegen Covid-19 abgesagt wurde - und eine Alternative gefunden werden musste. 

Maik Kossebau-Viebig trotzt wieder vor Lebensfreude, vor Energie, vor Ideen. Die wegen der Chemotherapie ausgefallenen Haare wachsen langsam nach. Er ernährt sich gesund. Er macht viel Sport und Dehnübungen, um wieder Muskeln aufzubauen. Zurzeit sei das Aufstehen noch immer etwas wackelig. Auch dank der vielfältigen Unterstützung der Dinklager "Praxis am Rathausplatz" um Arzt Ludger Baumann fühlt sich Maik Kossebau-Viebig aber auf einem guten Weg. Nachbehandlungen sind keine nötig. Sechs Monate lang muss er noch Antibiotika nehmen, damit sich seine Blutwerte wieder normalisieren. 

Viel trinken ist wichtig: Maik Kossebau-Viebig nahm in Mexiko auch Elektrolyte-Shots zu sich. Foto: Kossebau-ViebigViel trinken ist wichtig: Maik Kossebau-Viebig nahm in Mexiko auch Elektrolyte-Shots zu sich. Foto: Kossebau-Viebig

Und der kreative Geist hat auch deswegen schon wieder Ziele formuliert. In Mexiko träumte Maik Kossebau-Viebig sogar auf Spanisch, jetzt lernt er die Sprache online. Er hat sich neue Boards gekauft, um wieder zu skaten. Er möchte mit dem Basketball bald wieder zum Korb dribbeln. Er möchte als House-DJ Emka II wieder vor Publikum auflegen.

Das alles  scheint wieder möglich. Dank dem 7. Dezember 2020. Dem Tag, als Maik Kossebau-Viebig ein zweites Mal geboren wurde. 

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