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"Macht" und "macht"

Kolumne: Auf ein Wort – Die einen haben "Macht", die anderen "machen" einfach. So auch Jesus. Was Christen heute von ihm lernen können.

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Groß- und Kleinschreibung ist hin und wieder eine Fallgrube für mich. Bei "Macht" und "macht" tappe ich allerdings nicht im Dunkeln. Das eine ist ein Substantiv, das andere ein schwaches Verb. Das eine großgeschrieben, das andere klein.

Man kommt ins Nachdenken. Wortspielerei. Die vielen, die "machen", sind die Kleingeschriebenen und die wenigen, die "Macht" haben, sind die Großgeschriebenen. Macht haben, die starke Frau, der starke Mann sein. Macht haben, die Grenzen erweitern.

Die Machthabenden, die ihre Muskeln spielen lassen, dass einem angst und bange wird. Egal ob sie aus China, Russland oder den USA kommen. Die Machthabenden, die der Welt ihren Stempel aufdrücken, die die Richtung anzeigen, in die es gehen soll. Und wehe, ihr "macht" nicht mit.

Einem Säugling trachtete die Macht kurz nach der Geburt nach dem Leben

Das war schon immer so und es wird sich auch nicht ändern, sagen die einen. Die anderen aber sagen: Kontra! Es ist zwar schon lange her, etwa 2000 Jahre, da wurde ein Knabe in Bethlehem geboren, in einem Stall oder einer Höhle soll er das Licht der Welt erblickt haben, sagt man.

Ein Säugling, machtlos. Ein Säugling, wehrlos. Ein Säugling, von seinen Eltern geliebt, von Hirten verehrt. Ein Säugling, kaum auf der Welt, trachtet die Macht (König Herodes) ihm schon nach dem Leben.

Die Eltern mit ihrem Säugling auf der Flucht. Dieser Säugling wächst heran, wird ein Mann. Ein Mann, der kein Interesse an Macht hat, der aber "macht": Blinde werden sehend; Lahme können gehen; Gedemütigte lernen den aufrechten Gang; in denen es finster ist, entzündet er den Willen zum Leben; den Unglücklichen zeigt er den Weg ins Glück.

"Kein Wunder, dass die Machthabenden in seiner Gegenwart Angst um ihre Position bekamen. Da muss gehandelt werden!"Jörg Schlüter

Kein Wunder, dass ihn die Menschen liebten. Kein Wunder, dass die Machthabenden in seiner Gegenwart Angst um ihre Position bekamen. Da muss gehandelt werden! Und sie handelten, Tod am Kreuz.

Wer eine Gefahr für die Macht ist, muss aus dem Weg geräumt werden. Der, der im Grunde die personifizierte Machtlosigkeit war, hatte aber längst Platz gefunden in den Herzen der Menschen.

Keine Folter, kein Tod konnte das verhindern. Seit 2000 Jahren lassen sich Menschen von der Ohnmacht dieses Mannes berühren. Menschen, die nicht mehr die Machtfrage für sich stellen, sondern "machen" wollen, so wie er damals.

Jesus ist der Macher der Nächstenliebe und Barmherzigkeit

Macher der Nächstenliebe; Macher der Barmherzigkeit; Macher gegen Not und Elend; Macher gegen Gewalt und Ausgrenzung; Macher gegen Krieg und Hass; Macher für die Bewahrung der Schöpfung.

Sie nennen sich Christen nach ihm, dem Christus. Die Machthabenden sind gekommen, sind gegangen, sind größtenteils vergessen. Das "Machen" aber dieses einen, dieses Säuglings aus Bethlehem, ist geblieben, in jeder Generation, in Milliarden von Herzen, bis heute.


Zur Person:

  • Jörg Schlüter ist evangelischer Geistlicher. Er war von 1998 bis 2011 Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Vechta.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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