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Lutter Schützen statten Container im "Helferdorf" aus

Die Spendenaktion des Schützenvereins Lutten ist ein großer Erfolg. Am Wochenende sind einige Lutter ins Ahrtal gefahren, um die Spenden zu übergeben. Zurück kamen sie mit einer Flasche Wein.

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Würdigung des Engagements: Der Schützenverein Lutten hat ein Schild anfertigen lassen, das die Wertschätzung für die Helfer in Walporzheim zum Ausdruck bringen soll. Klaus Bohmann (2. von rechts) hat es am Wochenende an den Ortsvorsteher Gregor Sebastian (rechts) übergeben.   Foto: privat

Würdigung des Engagements: Der Schützenverein Lutten hat ein Schild anfertigen lassen, das die Wertschätzung für die Helfer in Walporzheim zum Ausdruck bringen soll. Klaus Bohmann (2. von rechts) hat es am Wochenende an den Ortsvorsteher Gregor Sebastian (rechts) übergeben.   Foto: privat

Hellbraune, getrocknete Schlammreste an der dunklen Flasche verraten, dass der Rotwein zuletzt nicht auf herkömmliche Weise gelagert worden ist. "Schützenwein" steht auf dem Etikett, auch ist noch zu lesen, dass der Erzeuger aus Ahrweiler stammt. Vieles hat die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal in unvorstellbarem Maße zerstört, doch zahlreiche Weinflaschen haben die Flut in der Winzer-Region überstanden. Als "Flutweine" werden sie derzeit für den guten Zweck verkauft. Dieser "Schützenwein" ist ein Geschenk an den Schützenverein Lutten. Gregor Sebastian, der Ortsvorsteher von Walporzheim (ein Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler), wollte damit seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Am vergangenen Wochenende haben sich 6 Lutter Schützen mit 2 voll gepackten Kleintransportern auf den Weg ins Ahrtal gemacht, um die vielen Spenden, die bei der Sammelaktion zusammengekommen sind, zu übergeben.

"Wir hatten 2 Möglichkeiten", sagt Klaus Bohmann vom Schützenverein Lutten, der die Spendenaktion gemeinsam mit dem Vorsitzenden Thomas Ellert ins Leben gerufen hat, über das Geschenk: Eine Möglichkeit sei, den Wein gemeinsam zu trinken. Doch diese Überlegung wurde schnell verworfen. Die beiden waren sich einig, dass der "Schützenwein" für den guten Zweck versteigert werden soll. Das Geld soll "eins zu eins" wieder in das Ahrtal zurückgehen, sagt Bohmann. Das Startgebot liegt bei 100 Euro. Wer für den Wein mitbieten möchte, kann sein Höchstgebot per E-Mail an ellert@vodafone.de oder klausbohmann1234@gmail.com schicken. Die Versteigerung läuft bis zum Ende des Monats. Das aktuelle Höchstgebot der Woche wird auf der Homepage des Schützenvereins (www.sv-lutten.de) – selbstverständlich anonymisiert – veröffentlicht.

Wird versteigert: Diesen Rotwein haben die Lutter Schützen als Geschenk in Walporzheim erhalten. Foto: C. MeyerWird versteigert: Diesen Rotwein haben die Lutter Schützen als Geschenk in Walporzheim erhalten. Foto: C. Meyer

Klaus Bohmann, der am Wochenende selbst mit nach Walporzheim gefahren ist, ist noch überwältigt von den Eindrücken, die er dort gewonnen hat. "In jedem Haus brummt der Stemmhammer", sagt er. Die Schäden seien noch immer "unvorstellbar". Doch in dem kleinen Ortsteil ist das ehrenamtliche Engagement gut organisiert, wie Bohmann berichtet. Ein Unternehmer aus Fulda, Wilhelm Hartmann, hat dort, auf dem ehemaligen Sportplatz, mit mehr als 40 Containern ein regelrechtes Containerdorf eingerichtet. Bis zu 200 Menschen können dort unterkommen, finden in einem warmen Zimmer ein Bett vor und haben Zugang zu sanitären Anlagen.

Container für Kinderbetreuung eingerichtet

Einer dieser Container ist für Kinderbetreuung vorgesehen. Hier kommt der Schützenverein Lutten ins Spiel. Die Einrichtung dieses Gruppenraums übernehmen vollständig die Schützen aus dem entfernten Kreis Vechta. Von Spielgeräten über Möbel bis hin zu Dekoration und einer ersten Ration an Saft und Keksen hatten die 6 Lutter Schützen alles am Wochenende dabei. Auch im Außenbereich dieses Containerdorfs haben sie auf einer Kunstrasenmatte eine Rutsche, eine Schaukel sowie eine Sitzgarnitur aufgebaut. Das alles sei aufgrund der "bombastischen" Spendenbereitschaft möglich gewesen, sagt Thomas Ellert.

Doch einen Abnehmer für die Spenden zu finden, sei zuerst gar nicht so einfach gewesen, erzählt Klaus Bohmann. Über offizielle Stellen sei dies "fast unmöglich" gewesen, ärgert sich Bohmann über das mangelhafte Krisenmanagement im Katastrophengebiet. Er habe viel herumtelefoniert, bis er schließlich an Wilhelm Hartmann geraten sei. Man brauche einen Ansprechpartner vor Ort, damit die Hilfe auch da ankomme, wo sie gebraucht werde, sagt Bohmann. Die Unternehmer Wilhelm Hartmann, Marcus Zintel und Markus Wipperfürth stehen stellvertretend für die vielen Helfer vor Ort, die das Krisenmanagement schließlich selbst in die Hand genommen haben. Um das Engagement dieser 3 Männer zu würdigen, hatten die Schützen aus Lutten über die Spenden hinaus eine Plane im Gepäck: "Helferdorf Hartzintelfürth" ist darauf zu lesen. Eine Wortneuschöpfung aus den 3 Nachnamen der Helfer. Diese Plane soll nun einen prominenten Platz im Containerdorf erhalten.

Für Thomas Ellert und Klaus Bohmann steht fest, dass sie auf jeden Fall weiter helfen wollen. Spätestens zu Weihnachten soll es wieder einen Spendentransport ins Ahrtal geben. Darüber habe Bohmann mit dem Ortsvorsteher Gregor Sebastian bereits gesprochen. So seien Geschenke für die Kinder vorgesehen. Der Schützenverein Lutten nimmt deshalb weiterhin Spenden an. Thomas Ellert und Klaus Bohmann sind sich einig: "Es ist wichtig, dass die Leute wissen, dass sie nicht vergessen werden."

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