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#Luca-App – umsonst gescannt?

Kolumne: Irgendwas mit # – Millionenfach ist die Luca-App auf deutschen Smartphones installiert. Im Kampf gegen das Coronavirus hat sie aber so gut wie nichts gebracht.

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„Haben Sie die Luca-App?“ Gefühlt wurde mir diese Frage in den vergangenen 12 Monaten hinter jeder Tür gestellt. Und nicht nur mir: Millionenfach haben die Deutschen fleißig die QR-Codes mit eben jener App gescannt, für die Rapper und Investor Smudo noch immer wirbt. Nur gebracht hat es so gut wie nichts.

Der eine oder andere Gastronom mag sich nun fragen, warum. Immerhin ersparte die App die nervige Zettelwirtschaft. Wegen der Pandemie mussten Besucher den Restaurants ihre Kontaktdaten für den Fall der Kontaktnachverfolgung hinterlassen. Mit der Luca-App ging das natürlich viel einfacher als mit Stift und Zettel: QR-Code scannen, das war’s.

Nur, warum brauchte es dafür überhaupt eine 2. App? Die von Bund und Ländern finanzierte Corona-Warn-App war bereits millionenfach auf den Handys installiert. Ein Update für eine vergleichbare Funktion war bereits geplant. 13 Bundesländer ignorierten das einfach und investierten 20 Millionen Euro in die privatwirtschaftliche Alternative – ohne Vergabeverfahren. Konkurrenten hatten also von vornherein keine Chance.

Schnell wurden Mängel nach dem Start der App bekannt. Der Chaos-Computer-Club (CCC) fasste sie im April letzten Jahres zusammen. So waren sich die Entwickler zu schade, den Code für die Luca-App komplett selbst zu programmieren. Einen Teil haben sie einfach kopiert und dabei das Urheberrecht eines Wiener Entwicklers verletzt.

"In einem Fall griff die Polizei in Mainz auf die Nutzerdaten aus der Luca-App zu."Friedrich Niemeyer

Und nicht nur das: Die Luca-App speichert die persönlichen Daten ihrer Nutzer zentral auf den Servern der Betreiber. Darunter Name, Adresse, Telefonnummer, Bewegungsdaten. Daraus können die Betreiber zum Beispiel Bewegungsprofile erstellen. Zudem haben sie aktiv in die Check-in-Vorgänge eingegriffen: In einem Twitterpost gab Luca-Chef Patrick Hennig zu, dass „Treffen systemseitig beendet“ wurden. In einem Fall griff die Polizei in Mainz auf die Nutzerdaten aus der Luca-App zu. Die (von Anfang an) viel bessere Alternative, die Corona-Warn-App, nutzt hingegen einen dezentralen Ansatz, sodass eine solche unerlaubte Datenabfrage oder auch die Erstellung von Bewegungsprofilen bei ihr nicht möglich ist.

Nun könnte man natürlich sagen: Schwamm drüber, wenigstens half die Luca-App im Kampf gegen das Virus. Nur auch da versagte die App auf ganzer Linie. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte 380 Gesundheitsämtern Fragen zur Luca-App gestellt, 121 antworteten ausführlich: Nur 280 mal half ihnen die Luca-App, Infektionsketten nachzuverfolgen – bei 380.000 Neuinfektionen zwischen Mai und Oktober in den entsprechenden Kommunen. Zwei Drittel der Ämter hätten nicht eine einzige Infektionskette mithilfe der Luca-App nachvollziehen können.

Luca-Chef Patrick-Hennig beschwichtigt: 550.000 mal habe seine App von Mai bis Ende Dezember Warnhinweise verschickt. Nur schneidet die Corona-Warn-App weitaus besser ab. Allein in den ersten 3 Januarwochen dieses Jahres warnte sie 6,6 Millionen mal. Die Luca-App war also nicht nur unsicher, sie leistete im Kampf gegen Corona auch keinen nennenswerten Beitrag. Es wird Zeit, sie wieder von unseren Smartphones zu entfernen. Mittlerweile verzichten die meisten Bundesländer sowieso schon auf die Hilfe der App und haben die Lizenz auslaufen lassen.


Zur Person:

  • Friedrich Niemeyer ist Reporter der OM-Medien.
  • Den Autor erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de

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