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Loslassen und mit Lust neue Wege gehen

Kolumne: Auf ein Wort – Im Urlaub reicht das Nötigste, um glücklich zu sein. Auf Altes verzichten und Neues ausprobieren, kann aber auch im Alltag die Devise sein.

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3 Wochen lang waren wir mit dem Fahrrad in Schweden unterwegs. Alles, was wir zum Leben brauchten, hatten wir dabei in unseren Packtaschen und auf dem Gepäckträger: Zelt, Isomatten, Gaskocher, Kleidung… Als wir nach dem Urlaub wieder nach Hause kamen, staunten wir über die vielen Räume, die wir auf einmal wieder nutzen konnten. Wie viel brauchen wir wirklich zum Leben? Worauf könnte man verzichten? Was könnte man loslassen? – Immer wieder bin ich beeindruckt, wenn ich höre und lese, wie Menschen ihr Leben vom Einfamilienhaus mit Garten in den Wohnwagen oder in ein "Tiny House" verlegen. Einfach leben, mit wenig auskommen und gerade so glücklich sein, das ist die Devise.

Bei jedem Umzug ist es eine Herausforderung: Die Aktenordner mit handgeschriebenen Unterlagen aus der Studienzeit; die Spielsachen der Kinder, die längst Jugendliche sind; die Vasen und Bilder, die zur Zeit unserer Hochzeit als Geschenk gerade topmodern waren … Es tut weh, vieles davon in den Müll zu werfen oder, wenn es wirklich noch jemand gebrauchen kann, zu verschenken. Noch schwerer ist es, Abschied zu nehmen von den Menschen, mit denen ich lange zusammengearbeitet und – gelebt habe. Loslassen, das ist immer wieder eine Aufgabe: Dinge loslassen. Menschen loslassen. Gewohnheiten loslassen. Doch nur indem ich Vergangenes loslasse, werde ich frei, um die Gegenwart zu gestalten und in die Zukunft zu denken und zu leben.

"Einfach leben, mit wenig auskommen und gerade so glücklich sein, das ist die Devise."Martina Wittkowski

Das gilt genauso, wenn wir das Leben in der Kirche gestalten. Die Menschen, für die wir als Kirche da sein wollen, haben sich verändert und ihr Leben auch. Die gute Nachricht, dass Gott mit seiner Liebe vorbehaltlos für alle Menschen da ist, sie ruft immer wieder nach neuen Ausdrucksformen.

Es begeistert mich, wenn ich von der "Churchnight" höre, in der Konfirmandinnen und Konfirmanden tolle Aktionen erleben und einen Gottesdienst mit ihren Liedern und in ihrer Sprache feiern. Und das ist nur ein Beispiel von vielen, wie Kirche sich auf den Weg macht. Doch neue Wege zu gehen, das kostet Energie. Das kann niemand schaffen, indem er die alten Wege gleichzeitig weitergeht. Wir müssen das Loslassen einüben. Das braucht viele Gespräche. Und das tut weh. Doch manchmal ist weniger mehr und setzt neue Lust und neue Kräfte frei.

Trauen wir uns, als Menschen, die von der guten Nachricht leben, Altes loszulassen und Neues auszuprobieren. Im Blick auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, im Blick auf die Gestaltung, den Ort und die Zeit von Gottesdiensten und Veranstaltungen. Trauen wir uns, alte Formen loszulassen. Erst vor Kurzem wurde mir deutlich, dass ein lange vertrauter Satz Jesu genau dazu ermutigt: "Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden." (Matthäus 16,15)


Zur Person:

  • Martina Wittkowski ist Kreispfarrerin im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland.
  • Sie erreichen die Autorin unter redaktion@om-medien.de.

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