Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Löninger Tafel stößt an ihre Grenzen

Mit den Ukraine-Flüchtlingen versorgt die Einrichtung deutlich mehr Menschen als vor 2 Monaten. Die Ehrenamtlichen sehen jetzt vor allem den Staat in der Pflicht.

Artikel teilen:
Erste Hilfe: Oksana Eilers (links) hilft den ukrainischen Geflüchteten auch bei der Anmeldung zur Tafel.    Foto: G. Meyer

Erste Hilfe: Oksana Eilers (links) hilft den ukrainischen Geflüchteten auch bei der Anmeldung zur Tafel.    Foto: G. Meyer

In der Löninger Tafel ist am Freitagmorgen ordentlich Betrieb. Zu kaufen gibt es aber nichts. Die Regale sind wie leergefegt. Gerhard Einhaus und sein Team arbeiten stattdessen die Neuanmeldungen ab.

Zehn Familien nehmen sie heute in ihre Liste auf. Es sind ausnahmslos Geflüchtete aus der Ukraine, meist Frauen, die mit ihren Kindern das vom Krieg geschundene Land verlassen haben, während ihre Männer zurückbleiben mussten. In Löningen und Lindern haben sie ein Obdach gefunden. Bei der Tafel lassen sie sich für die Lebensmittelausgabe registrieren.

Mit den Neuzugängen versorgt die ehrenamtliche Einrichtung mittlerweile knapp 60 ukrainische Familien mit Grundnahrungsmitteln. "Es handelt sich um rund 220 Personen", berichtet Einhaus. Hinzu kommen die "Stammkunden". Summa summarum dürften etwa 500 Menschen auf die Unterstützung angewiesen sein.

Situation komplizierter als 2015

Für die Löninger stellen die Geflüchteten eine große Herausforderung dar. Die Situation sei deutlich komplizierter als 2015, betont Einhaus. "Damals kamen die Menschen nach und nach, worauf wir uns besser einstellen konnten." Die Ukrainer dagegen hätten mehr oder weniger plötzlich vor der Tür gestanden. Für die Tafel sei das kaum noch zu stemmen. "Wir stoßen jetzt an unsere Grenzen", gibt Einhaus zu. Eigentlich sei es die Aufgabe des Staates, den Geflüchteten zu helfen. Das geschehe aber nicht ausreichend. Was die Leute, die er gerade aufgenommen hat, ohne die Tafel tun würden? Der Vorsitzende zuckt mit den Schultern.

Leere Regale: Die Einrichtung ist auf Spenden angewiesen. Foto: G. MeyerLeere Regale: Die Einrichtung ist auf Spenden angewiesen. Foto: G. Meyer

Um die Übersicht zu behalten, wurden die Öffnungszeiten geändert. Statt jede Woche, darf an der Haselünner Straße nur noch alle 14 Tage eingekauft werden. Die Geflüchteten bleiben dabei unter sich. Als Dolmetscherin steht ihnen Oksana Eilers zur Verfügung. Sie stammt selbst aus der Ukarine, lebt aber seit 1999 in Löningen. Ihr Schwager kämpft an der Front, seine beiden Kinder wohnen inzwischen bei ihr. Den Frauen, von denen einige aus dem hart umkämpften Donezker Gebiet kommen, hilft Eilers auch bei Problemen mit der deutschen Bürokratie. Dabei hat sie nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Insgesamt gehe vieles zu langsam, sagt sie.

Die Löninger Situation deckt sich mit den bundesweiten Entwicklungen bei den Tafeln. Immer mehr Menschen bitten sie um Hilfe, darunter sind sowohl Geflüchtete als auch sozial Schwächere, die wegen der steigenden Preise nicht mehr über die Runden kommen. Gleichzeitig würden die meisten Einrichtungen deutlich weniger Lebensmittelspenden erhalten, teilt der Tafel-Dachverband mit. Die Energie- und Spritkosten belasten sie zusätzlich. Sie seien aber nur ein gemeinnütziges Zusatzangebot. Daher könne man nicht nachvollziehen, warum Behörden in vielen Städten Geflüchtete zu den Tafeln schicken, statt die Zeit bis zur Auszahlung der ersten Sozialleistungen mit Gutscheinen oder Wertschecks zu überbrücken. "Wir erhalten keine staatliche Unterstützung und können daher nicht die Grundversorgung der Menschen übernehmen. Lebensmittel der Tafeln sind immer nur ein Ergänzung und ersetzen keine kompletten Einkäufe", heißt es.

Bilden den Tafel-Vorstand (von links): Bernarda Berssen, Ernst Hamberg, Elisabeth Pohlmann, Gerd Einhaus und Annette Fortmann. Foto: Jutta LandwehrBilden den Tafel-Vorstand (von links): Bernarda Berssen, Ernst Hamberg, Elisabeth Pohlmann, Gerd Einhaus und Annette Fortmann. Foto: Jutta Landwehr

Annette Fortmann ist neue Schatzmeisterin

Immerhin gibt es auch gute Nachrichten: Nach einem Aufruf haben sich inzwischen mehr als ein halbes Dutzend neue Mitarbeiter für die Löninger Tafel gefunden. Sie sind hochwillkommen, denn während der Pandemie zogen sich einige Ehrenamtliche von der aktiven Tätigkeit zurück. Gespendet wurde ebenfalls ganz ordentlich. Das Geld sei inzwischen aber größtenteils für Lebensmittel ausgegeben worden, sagt Gerhard Einhaus. Er bedankt sich bei allen Spendern. Kürzlich konnte der Vorsitzende wieder zu einer Mitarbeiterversammlung einladen. Einen Wechsel gab es im Vorstand: Nach 13 Jahren legte Jutta Landwehr das Schatzmeisteramt nieder. Die Finanzen verwaltet jetzt Annette Fortmann. Unter ihren wachsamen Augen hatte die Tafel zuletzt ein kleines Plus erwirtschaftet.

Wechsel im Vorstand (von links): Annette Fortmann löst Jutta Landwehr als Schatzmeisterin ab.   Foto: G. MeyerWechsel im Vorstand (von links): Annette Fortmann löst Jutta Landwehr als Schatzmeisterin ab.   Foto: G. Meyer

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Löninger Tafel stößt an ihre Grenzen - OM online