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Löninger Initiative: Schwimmnudeln halten Autos auf Abstand

Zum Baden fahren wollten die Löninger Lokalpolitiker nicht. Sie machten auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam. Der Behindertenbeauftragte der Stadt sieht ein grundsätzliches Problem.

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Machen den Praxistest: Angeführt von Ralf Lampe fuhr die Gruppe durch  Löningen. Foto: Siemer

Machen den Praxistest: Angeführt von Ralf Lampe fuhr die Gruppe durch  Löningen. Foto: Siemer

Den richtigen Abstand zu wahren, sollte in Pandemiezeiten eigentlich kein Problem mehr sein. Im Straßenverkehr ist es das allerdings häufig doch noch. Vor allem Radfahrer kommen schnell ins Schlingern, wenn ihnen Autos zu nah auf die Pelle rücken. Darauf wollten Löninger Lokalpolitiker und Behindertenbeauftragter Ralf Lampe mit einer ungewöhnlichen Aktion hinweisen. Sie klemmten sich Schwimmnudeln auf die Lenker und hielten den Verkehr damit auf Distanz.

Beim Überholen müssen Autofahrer innerorts mindestens 1,5 Meter Seitenabstand zum Radler einhalten. Nicht alle halten sich jedoch daran. „Im Alltag nehmen wir das häufig nicht einmal richtig wahr“, sagt Grünen-Ratsherr Egbert Schäpker. „Aber Abstandhalten ist keine Goodwill-Aktion, sondern gesetzlich vorgeschrieben.“  Auch Rollstuhlfahrer Ralf Lampe hat schon unangenehme Situationen erlebt, wenn er mit seinem Handbike unterwegs ist. Er bemängelt vor allem die radfahrerunfreundliche Infrastruktur. "Sie ist nur für den motorisierten Verkehr ausgelegt." Handbikes, Scooter und Dreiräder, die entweder von Menschen mit Handicap oder Senioren benutzt würden, seien zudem etwas breiter als normale Fahrräder. "Wir müssen aber lernen, ganz anders zu denken", fordert Lampe.

Autofahrer: Wenn es zu eng ist, Geduld zeigen

Bevor es losging, zeichnete SPD-Ortsverbandsvorsitzender Nico Neubert mit Sprühkreide eine Linie auf die Fahrbahn. Die Markierung zeigte an, wie viel Platz ein Pkw einem in der Mitte des Schutzstreifens fahrenden Radler eigentlich lassen müsste. Sie reichte weit in die rechte Fahrspur hinein. „Das bedeutet, dass es beim Überholen nicht genügt, innerhalb der Fahrbahnmarkierungen zu bleiben und sich vom Schutzstreifen fernzuhalten. Autofahrer müssen stattdessen einen deutlichen Schlenker nach links machen“, erklärt Tom Dobrowolski (Die Linke). Wenn es  dafür zu eng sei, müssten sich die Fahrer eben einreihen und solange gedulden, bis ein sicheres Überholen möglich ist.

Und wie sieht es in der Praxis aus? „Durch die wabbeligen Schaumstoff-Stäbe waren wir verhältnismäßig raumgreifend“, sagt Egbert Schäpker. „Trotzdem war der Abstand noch sehr knapp bemessen. Die Nudeln ragten nämlich nur einen guten Meter in die Fahrbahn hinein.“ Ein wenig geholfen haben dürften  sie dennoch. Zumindest während des Experiments  wechselten die meisten Autos sogleich die Spur, sobald sie die bunte Truppe sichteten.


Daran müssen sich Auto- und Radfahrer halten

  • Der ADAC erklärt: Beim Überholen müssen Autos innerorts mindestens 1,5 Meter Seitenabstand zum Radfahrer einhalten. Das ist gesetzlich geregelt. Bei höherem Tempo und wenn Kinder überholt werden, sollte der seitliche Sicherheitsabstand mindestens 2 Meter betragen. Außerorts ist dies der verpflichtende Mindestabstand.
  • Radfahrer dürfen auf Radwegen oder auf Fahrbahnen fahren, außer ein blaues Verkehrsschild schreibt ihnen vor, dass sie den Radweg benutzen müssen.
  • Bei roter Ampel dürfen Radfahrer wartende Autos rechts überholen, wenn ausreichender Raum vorhanden ist.  
  • Schutzstreifen für Radfahrer sind durch eine unterbrochene weiße Leitlinie markiert. Nur in Ausnahmefällen dürfen Autofahrer die Leitlinie überfahren, zum Beispiel wenn sie kurzfristig ausweichen müssen und dabei kein Radfahrer gefährdet wird.
  • Das Halten auf dem Schutzstreifen ist verboten und führt zu einem Punkteintrag.
  • Auf Radfahrstreifen, erkennbar durch eine durchgezogene weiße Linie, dürfen Autofahrer weder ausweichen noch parken oder halten. 
  • Ein Sicherheits-Tipp: Autofahrer sollten die Fahrertür von innen mit der rechten Hand öffnen. So dreht sich der Oberkörper automatisch leicht in Richtung des nachfolgenden Verkehrs – dadurch sehen die Fahrer auch in den toten Winkel.

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