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Löninger Fischer dürfen aufatmen

Während in Osnabrück nach der Verunreinigung noch immer tote Fische gefunden werden, haben sich die Verunreinigungen flussabwärts immer weiter verdünnt. Vor 30 Jahren war das anders.

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Sorgen für frischen Fisch: Der Fischereiverein Löningen setzt jedes Jahr Jungtiere aus, um die Bestände zu sichern. Foto: Thomann

Sorgen für frischen Fisch: Der Fischereiverein Löningen setzt jedes Jahr Jungtiere aus, um die Bestände zu sichern. Foto: Thomann

Das Fischsterben in der Hase bei Osnabrück hat auch Löningens Angler in Alarmstimmung versetzt. In den vergangenen Tagen suchten Mitglieder des Fischereivereins das Flussufer nach toten Tieren ab. Gefunden haben sie zum Glück aber keine. Die Gefahr, dass die Gewässerverunreinigung Folgen bis in den Landkreis Cloppenburg hat, wird nun von Tag zu Tag geringer.

Rückblick: Am 20. Juli war es in einem Industriegebiet in Osnabrück/Fledder zu einem verheerenden Großbrand gekommen. Dabei gelangte mit Tensiden kontaminiertes Löschwasser in die Hase. Für zahlreiche Fische bedeutete das den Tod. Nach Angaben der Stadt Osnabrück werden weiterhin Kadaver aus dem Wasser geholt. Da nicht alle eingesammelt werden könnten, würden sie in der nächsten Zeit immer wieder an der Oberfläche treiben.

Mitarbeiter des Unterhaltungsverbandes Hase-Bever fahren die Hasebei Osanbrück  in regelmäßigen Abständen ab und sammeln die tote Fische ein. Foto: Stadt OsnabrückMitarbeiter des Unterhaltungsverbandes Hase-Bever fahren die Hasebei Osanbrück  in regelmäßigen Abständen ab und sammeln die tote Fische ein. Foto: Stadt Osnabrück

Das Hasewasser wird inzwischen nicht mehr angereichert oder verdünnt. Das Technische Hilfswerk hat die Pumparbeiten eingestellt. Insgesamt seien etwa 80 Millionen Liter sauberes Wasser in die Hase umgepumpt worden, schreibt die Stadt. Zwar können mit dem frisch nachgeflossenen Wasser auch Fische wieder die Hase hinabschwimmen. Jedoch dürften diese auf wenig Nahrung stoßen. Experten schätzen, dass es zwei bis drei Jahre dauern wird, bis sich die Tierwelt wieder erholt hat.

Mensch kann nicht viel für das Ökosystem tun

Davon geht auch Holger Eilermann aus. Für den Sportwart des Fischereivereins ist die Zerstörung der Flussflora eine mindestens so große Katastrophe wie das Fischsterben. Denn Pflanzen und Kleinlebewesen bilden die Nahrungsgrundlage für Hecht, Karpfen und Co.. Daher mache es auch keinen Sinn, an den betroffenen Stellen neue Fische auszusetzen. „Sie schwimmen dann durch eine Wüste und wandern wieder ab.“ Viel tun, damit sich das empfindliche Ökosystem neu entwickelt, kann der Mensch allerdings nicht. Das brauche Zeit, sagt Eilermann. „Gibt es wieder ausreichend Nahrung, werden auch die Fische irgendwann wieder zurückkehren.“

Der Fischereiverein hat schlimme Erfahrungen mit Gewässerverunreinigungen gemacht. Der schwerste Zwischenfall ereignete sich vor genau 30 Jahren. Im August 1990 war die Kläranlage eines Essener Unternehmens „umgekippt“. Ungereinigte Abwässer gelangten damals in den Fladderkanal und von dort in die Hase. Die Folgen waren ähnlich dramatisch, wie aktuell in Osnabrück. Drei Jahre lang klagte der Fischereiverein anschließend gegen den Verursacher. Am Ende einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich. Die Fischer, die jedes Jahr viel Geld für den Neubesatz aufwenden, erhielten eine Entschädigung von gut 100.000 D-Mark.

Fischer setzen mehr als 30.000 Jungaale aus 

Der Verein betreut rund 17 Kilometer Flusslauf. Sollte es heute zu einem ähnlichen Vorfall kommen, wäre der finanzielle Schaden noch deutlich höher, erklärt Bodo Zaudtke, Gewässerwart des Landesfischereiverbandes Weser-Ems. „Er läge mit Sicherheit nicht unter 100.000 Euro.“  Erst Ende Juni hatten die Fischer mehr als 30.000 Jungaale im Gesamtwert von 8000 Euro ausgesetzt.   Die Aktion war mit Landes- und EU-Mitteln gefördert worden.

Aale sind besonders gefährdet, denn sie können nicht gezüchtet werden, sondern wandern nach dreijähriger Reise von der Sargassosee an die europäischen Küsten. Hier werden sie gefangen und für Besatzzwecke in Fischfarmen aufgepäppelt, um dann in Gewässern wie der Hase ausgesetzt zu werden.

Der Fluss bietet bei Löningen aber auch zahlreichen anderen Arten - vom Gründling bis zum Wels - eine Heimat. Ihnen dürfte der Unfall bei Osnabrück voraussichtlich nichts anhaben.


Fakten

  • Nach der Havarie hat der Landkreis Osnabrück die Hase mit Messungen zu Sauerstoff und pH-Wert kontrolliert. Die gemessenen Werte hätten für die Fauna des Flusses in einem akzeptablen Bereich gelegen, teilt Kreis-Pressesprecher Burkhard Riepenhoff mit. Im Kreisgebiet seien keine toten Fische registriert worden.
  • Vorsorglich wurde Wasser aus dem Mittellandkanal in die Hase eingebracht. Auch der Alfsee wurde zeitweise abgesperrt. Seit Dienstag ist der Zuleiter wieder geöffnet.
  • Weil noch keine genauen Analysen vorliegen, rät der Landkreis vorsorglich vom Angeln bzw. Fischverzehr ab. Die Kontrollen legten aber den Schluss nah, dass besonders die Hase im Osnabrücker Stadtgebiet von der Verunreinigung betroffen war, erklärt Riepenhoff.

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