Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Lohner Apothekerin befürchtet zunehmenden Fachkräftemangel

Merle Looschen sprach mit Tanja Meyer, Bundestagskandidatin der Grünen, über die Situation der Apotheken in Lohne und ländlichen Gebieten. Die Versorgung vor Ort wäre nur "okay".

Artikel teilen:
Apothekenbesuch: Tanja Meyer (links), Bundestagskandidatin der Grünen, tauschte sich mit Apothekerin Merle Looschen in der Franziskus-Apotheke in Lohne aus. Foto: Hahn

Apothekenbesuch: Tanja Meyer (links), Bundestagskandidatin der Grünen, tauschte sich mit Apothekerin Merle Looschen in der Franziskus-Apotheke in Lohne aus. Foto: Hahn

„Ich liebe meinen Job. Er ist abwechslungsreich, ich mag den Kontakt zu den Kunden und wir arbeiten pharmazeutisch anspruchsvoll.“ Das stellt Merle Looschen direkt am Anfang des Gesprächs mit der Bundestagskandidatin der Grünen, Tanja Meyer, klar. Für die 29-jährige Apothekerin der Franziskus-Apotheke in Lohne gibt es trotzdem verbesserungswürdige Aspekte an ihrem Beruf. Denn wenn sie von der Situation der Apotheken im Oldenburger Münsterland spricht, spricht sie auch von einem Fachkräftemangel von Apothekern und Pharmazeutisch-Technischen Assistenten (PTA). "In Lohne gibt es 5 Apotheken. Die Versorgung ist aktuell okay – aber wir arbeiten an unser Kapazitätsgrenze", sagt Looschen. 

"Wir haben hier unterdurchschnittlich wenig Apotheken pro Bewohner und Bewohnerin", meint die Lohnerin. Zusätzlich kommen bis zu 50 Kilometer Einzugsgebiet wegen des Standort der Franziskus Apotheke im großen Facharztzentrum direkt am Krankenhaus. Werden es weniger, drohe in 10 Jahren ein Versorgungsengpass, befürchtet Merle Looschen. Nach ihrer Prognose könnten 10.000 Stellen in den nächsten Jahren unbesetzt bleiben.

Familienbetrieb suchte bis zuletzt selbst Unterstützung

Und gerade in der Apotheke seien Fachkräfte unabdingbar. "Wir sind die letzte Instanz zwischen Patient und Medikament und achten auf die Medikamentenkombination", betont die 29-Jährige. Looschen wisse von 13 offenen Stellen im Landkreis Vechta, einige davon seien schon lange ausgeschrieben. Bis letzte Woche habe der Familienbetrieb selber noch Unterstützung gesucht.

Als Grund für den Fachkräftemangel nennt sie die Ausbildung der Pharmazeutisch-Technischen Assistenten. Die nächste Möglichkeit für diese schulische Ausbildung sei die Völkerschule in Osnabrück. Diese kostet 150 Euro Schulgeld im Monat. Dazu würden noch die Fahrtkosten nach Osnabrück kommen, ergänzt Tanja Meyer. Die Apothekerin fordert Schulgeldfreiheit für die 2-jährige theoretische Ausbildung. Die Zahl der Pharmaziestudierenden bleibe aber relativ stabil. Allgemein plädiere die 29-Jährige für eine Erhöhung der Studienplätze.  

Die Apotheke vor Ort sei im Gegensatz zu der Industrie oder der Forschung ein weniger attraktiver Arbeitsplatz für Pharmazeuten, erklärt Loschen. Die Notdienste, die Wochenend-Arbeit und ein schlechteres Gehalt würden mit der Konkurrenz schlecht abschneiden. Ein attraktiver Wohn- und Arbeitsstandort seien unabdingbar, sagt auch die 47-jährige Doktorin der Agrarwissenschaften, Tanja Meyer.

Apotheker sei schon lange ein Mangelberuf

Der Fachkräftemangel sei eigentlich nichts Neues: Schon seit 20 Jahren sei Apotheker ein Mangelberuf, erklärt Looschen. Nun sollen ab 2022 Apotheker auf den Stationen in Krankenhäusern verpflichtend sein. "Das halte ich in der Theorie für total sinnvoll", meint Looschen. Sie wundere sich aber, dass keine neuen Studienplätze geschaffen wurden, wenn 200 zusätzliche Fachkräfte dafür benötigt werden.

Das tarifliche Einstiegsgehalt einer PTA sei mit 2000 Euro verglichen zu anderen Berufen im Gesundheitssektor wenig, findet die 29-Jährige. 83 Prozent ihres Umsatzes verdiene die Apotheke mit verschreibungspflichtigen Medikamenten.  Die Gewinnmarge für diese Arzneimittel sei staatlich festgelegt und betrage ca.6,50 € pro Packung, unabhängig vom Preis des Medikaments. Dieser Fixzuschlag sei 2004 festgelegt worden und seitdem lediglich einmal um 0,20€ erhöht worden. „Wegen der deutlich gestiegenen Betriebskosten bei gleichem Gewinn pro Medikament ist eine Anpassung der Löhne daher im Moment für viele Apotheken nicht bezahlbar“, so Looschen. Gerade Notdienste seien schlecht bezahlt.

Für ältere Menschen sei Stammapotheke wichtig

Ein weiteres Problem: die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. So gebe es in den Bauerschaften Märschendorf, Kroge und Brockdorf keine Apotheken und zum Teil keine Ärzte mehr, erzählt Looschen. Für ältere und weniger mobile Menschen kann der Weg zur Apotheke dann lang sein. "Dabei ist gerade für diese Menschen eine Stammapotheke wichtig." Die beiden Apotheken der Familie Looschen in Lohne hätten auch einen Online-Shop und würden oft nach Feierabend Medikamente nach Hause bringen.

Das Problem sei aber, dass das Originalrezept vor Ort benötigt wird. Ob sich die Situation mit dem geplanten E-Rezept ab dem nächsten Jahr für ältere Menschen verbessert, weiß die Lohnerin noch nicht. Dafür benötige es dann nämlich eine App oder das sogenannte "Token" kann ausgedruckt zur Authentifizierung mitgebracht werden. 

Um eine zukünftige Krise in der Gesundheitsversorgung zu umgehen, sieht Looschen die großen Handlungsfelder für die Politik in der Schulgeldfreiheit, der Erhöhung der Studienplätze und dem Apothekerhonorar. In diesen Punkten stimmte ihr Tanja Meyer zu, die Bundestagskandidatin tauschte sich bei dem von ihr initiierten Besuch in der Apotheke rege mit Merle Looschen aus. Danach führten die beiden Frauen das Gespräch über die Situation der Apotheken vor Ort über ein Live-Video auf dem Instagram-Kanal von Meyer fort. 

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Lohner Apothekerin befürchtet zunehmenden Fachkräftemangel - OM online