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Lohne will sich mehr um Stadtbäume kümmern

Bei Neuanpflanzungen soll auf einen großen Wurzelraum geachtet werden. Problematische Standorte sollen umgebaut werden. Außerdem ist die Verwaltung aufgefordert, einen Leitfaden zu erarbeiten.

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Schwierige Standortbedingungen: Im Roggenkamp wehrt sich dieser Baum heftig gegen seine "Bebauung". Die Lohner Innenstadt ist bisher oft kein gastfreundlicher Ort für das Pflanzenwachstum. Nur wenige Gehölze erreichen ein Alter, in dem sie sinnvolle ökologische Dienste leisten können.    Foto: Bürgerinitiative "Pro Wald"

Schwierige Standortbedingungen: Im Roggenkamp wehrt sich dieser Baum heftig gegen seine "Bebauung". Die Lohner Innenstadt ist bisher oft kein gastfreundlicher Ort für das Pflanzenwachstum. Nur wenige Gehölze erreichen ein Alter, in dem sie sinnvolle ökologische Dienste leisten können.    Foto: Bürgerinitiative "Pro Wald"

Bei der Neuanpflanzung von Stadtbäumen soll in Lohne künftig mehr Wert auf einen möglichst großen Wurzelraum gelegt werden. Das haben die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung jüngst einmütig empfohlen. Sie wünschen sich außerdem die Erarbeitung eines Leitfadens zur Anpflanzung, der nach Fertigstellung der Politik präsentiert werden soll. Weiterhin ist die Verwaltung dazu aufgefordert, die Vitalität vorhandener Stadtbäume durch konkrete Maßnahmen zu verbessern. Notwendige Planungen und Umbauten sind nach Angaben der Stadt ab Herbst dieses Jahres wieder möglich. 

Das Wahlbündnis der Bürgerinitiative "Pro Wald" hatte ein neues Konzept gefordert, um die Anzahl, die Entwicklung und die Überlebenschancen der Stadtbäume in Lohne zu verbessern. Die Bürgerinitiative hatte sich auch angeboten, die Bäume zu erfassen und mit Ortsangabe und Foto zu katalogisieren. "Damit wollen wir einen Beitrag liefern, die Verwaltung zu entlasten und für eine zügige Umsetzung der Rettung der gefährdeten Stadtbäume zu sorgen."

Dr. Lutz Neubauer stellte für seine Fraktion den Antrag vor. Er wollte dazu auf eine Bildpräsentation mit Fotos von Stadtbäumen zurückgreifen, die den teilweise mangelhaften Zustand illustrieren sollten. 

Noch ein Beispiel: ein alter Baum in der Vogtstraße. Foto: Bürgerinitiative Pro WaldNoch ein Beispiel: ein alter Baum in der Vogtstraße. Foto: Bürgerinitiative "Pro Wald"

Dies war eine Premiere für die Lohner Politik. Während der Sitzung arbeiteten bisher einzig Vertreter von Fachbüros oder die Stadt selbst mit Präsentationen. Laut dem Ausschussvorsitzenden Fabio Maier handelte es sich damit um einen Präzedenzfall, über den das Gremium abstimmen müsse. Neubauer sah dies als Schikane an. Solange sich sein Redebeitrag auf fünf Minuten beschränke, sei es aus seiner Sicht egal, in welcher Form er diesen vortrage.

Nach kurzem Hin und Her durfte er die knapp dreiminütige Dokumentation zeigen, an deren Entstehung neben Neubauer auch Annette Karla-Bröring sowie Monika und Nadine Nuxoll mitgewirkt hatten. Die Fotos zeigten eindrücklich, dass die Stadt in der Vergangenheit bei der Anpflanzung nicht immer richtig gehandelt hatte.

Standorte von Stadtbäumen werden umgebaut

Bauamtsleiter Ralf Blömer gab zu, dass der Vitalität und Entwicklung der Stadtbäume früher weniger Wert beigemessen worden sei. Er sprach von einem "eher forstwirtschaftlichen Ansatz". Die in der Präsentation gezeigten Beispiele seien der Stadt nicht unbekannt.

Blömer gab an, dass die Stadt seit einigen Jahren bereits neue Stadtbäume in etwa sieben Quadratmeter großen Pflanzinseln platziere. Bei engen Bedingungen werde mit speziellen, überpflasterbaren Baumsubstraten gearbeitet. Viele Standorte von Stadtbäumen sollen zudem perspektivisch umgebaut werden, kündigte er an. Dies könne aber frühestens ab Herbst 2022 wieder erfolgen, da die zuständigen Fachplanerinnen in Elternzeit seien.

Eckhard Knospe (SPD/Grünen-Gruppe) bedankte sich bei "Pro Wald" für die Initiative. In Lohne gebe es viele "Baum-Baustellen", der Zustand zahlreicher Gehölze sei "sehr bedauerlich". Knospe kritisierte, die fehlende Verfügbarkeit zweier Mitarbeiterinnen dürfe keine Ausrede sein, um jetzt zu handeln. Er wünschte sich eine "Baumbilanzierung", ein jährlich aktualisiertes Baumkataster, um die Verbesserungen und Entwicklungen im Blick behalten zu können.

Und noch ein Beispiel: Auch in der Straße Am Burgwald gehts den Stadtbäumen miserabel.  Foto: Bürgerinitiative Pro WaldUnd noch ein Beispiel: Auch in der Straße Am Burgwald geht's den Stadtbäumen miserabel.  Foto: Bürgerinitiative "Pro Wald"

Der Bauamtsleiter wies auf die regelmäßigen Kontrollen durch den Bauhof hin, die im Rahmen der Verkehrssicherheit vorgenommen werden. Nach seinen Erfahrungen als städtischer Mitarbeiter in Vechta sei die Erstellung eines Baumkatasters ein langer Prozess und mit großem Verwaltungsaufwand verbunden, "der sich nicht rechtfertigen lässt". Als Kompromiss schlug er vor, ein Baumkataster für ein ausgewähltes Quartier zu erstellen.

Neubauer wehrte sich gegen die Interpretation der Stadt. Es gehe bei dem Antrag nicht um Gefährdungen durch Stadtbäume. "Es geht um den Erhalt der Pflanzen." Dies seien zwei völlig unterschiedliche Aspekte, betonte er.

CDU-Fraktion lehnt Baumkataster ab

Konrad Rohe (CDU) stellte nach der Präsentation ebenfalls fest, dass beim Thema Stadtbäume etwas getan werden müsse. Ein Kataster lehne seine Fraktion aber ab. Er wies darauf hin, dass die Stadt seit einigen Jahren ihre Praxis überarbeitet habe. "Wir haben Vertrauen in den Bauhof." Auch Rohe merkte an, dass die Elternzeit von Mitarbeiterinnen keine Ausrede sein dürfe. Er schlug vor, dass die Verwaltung der Politik künftig zwei Mal pro Wahlperiode ihre Bemühungen zu dem Thema vorstellt.

Knospe konstatierte, es müsse mehr getan werden als bisher, um den Zustand der Stadtbäume dauerhaft zu verbessern. Neubauer pflichtete ihm bei und forderte Aktionen. Torsten Mennewisch (SPD/Grünen-Gruppe) wünschte sich eine konkrete Zielsetzung.

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