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Löninger Schützen lassen es wieder ordentlich krachen

Nach 2 Jahren Zwangspause steht die Stadt ganz im Zeichen des Schützenfestes. Zugleich wird ein Jubiläum gefeiert, denn der Verein wird 425 Jahre alt – mindestens!

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Großer Aufmarsch: Rund 2500 Schützen nahmen am Umzug durch die Löninger Innenstadt teil. Foto: G. Meyer

Großer Aufmarsch: Rund 2500 Schützen nahmen am Umzug durch die Löninger Innenstadt teil. Foto: G. Meyer

Wir schreiben das Jahr 1597:  Moritz von Oranien, Statthalter der aufständischen Niederlande, vertreibt die Spanier aus Lingen. Der Erstdruck von Shakespeares Tragödie Romeo und Julia erscheint. Und im Kirchspiel Löningen lässt der Vogt eine Medaille mit Jahreszahl an der Kette des Schützenkönigs anbringen. 425 Jahre ist das her und auch wenn die erste Bürgerwehr wohl schon deutlich früher durch das damals noch sehr ländliche Löningen patrouilliert sein dürfte, gilt das Datum heute als Geburtsstunde des Schützenvereins.

Gefeiert wird das Jubiläum seit Freitag – und nach der 2-jährigen Corona-Zwangspause wollen es die Löninger diesmal ganz besonders wissen. Den stimmungsvollen Auftakt  bildete der „Große Zapfenstreich“ im Stadion am Stockkamp. Der Spielmannszug hatte fleißig geprobt und auch die Bürgerkapelle gab vor den über 200 Zuschauern und fast 400 Schützen ihr Bestes. Am Samstagabend dann wurde das Schützenfest  ganz offiziell im Festzelt eröffnet. Zu späterer Stunde spielte die Band "On the Rocks" auf.

Kam mit der Kutsche: Der neue Kinderthron mit Kinderkönig Sven Schuhmacher. Foto: MeyerKam mit der Kutsche: Der neue Kinderthron mit Kinderkönig Sven Schuhmacher. Foto: Meyer

Höhepunkt am Sonntag war der Jubiläumsumzug durch die Innenstadt, an dem sich rund 2500 Schützinnen und Schützen aus 17 Vereinen beteiligten. Einige von ihnen, etwa der Essener Schützenverein, hatten  große Abordnungen mit bis zu 150 Aktiven nach Löningen entsandt.  Zehn Blaskapellen sorgten für Stimmung am Straßenrand.  Die weiteste Anreise hatten die Mitglieder der Schützengilde Wildeshausen auf sich genommen. Beide Vereine besuchen sich seit über 50 Jahren zu ihren runden Geburtstagen. Einziger Wermutstropfen: Wegen Corona und weiterer Krankheitsfälle musste das Reiterfanfarencorps Visbek seinen Gastauftritt kurzfristig absagen.

Vor ihrem Umzug versammelten sich alle Schützen auf dem Stockkamp. In Kutschen fuhren dort die Ehrengäste, darunter Bundestagsabgeordnete Silvia Breher und der stellvertretende Landrat Bernhard Möller, vor. Im Mittelpunkt stand aber der neue Kinderkönig Sven Schumacher. Der Drittklässler hob in seiner Ansprache hervor, dass erstmals auch Mädchen am Wettbewerb teilnehmen durften. "Die haben bei den Trophäen ganz schön abgeräumt", sagte er anerkennend. Sven hatte den Kinderadler von der Stange geholt und sich so zum Nachfolger von Tom Breher gemacht, der die Königskette ganze 3 Jahre trug.  Er wählte Emma Eden zu seiner Königin. Den Kinderthron komplettieren Enis Sabah mit Heidi Böhman, Tim Sanders mit Carla Schüler, Rajhan Wahidullah mit Mia Maier und Tom Reiners mit Sophia Braak.

Abnahme der Schützenfront: Noch-König Rainer Rischkowski und Kinderkönig Sven Schumacher tragen stolz ihre Königsketten. Foto: G. MeyerAbnahme der Schützenfront: Noch-König Rainer Rischkowski und Kinderkönig Sven Schumacher tragen stolz ihre Königsketten. Foto: G. Meyer

Präsident Franz-Josef Hölzen bedankte sich in seiner Begrüßungsrede vor allem bei den vielen Ehrenamtlichen, die zum Gelingen des Schützenfestes betrügen. Er lobte auch die Mitglieder der Musikkapellen, der Freiwilligen Feuerwehr und des Roten Kreuzes.  Bernhard Möller hob die Gemeinsinn stiftende Arbeit der Schützenvereine hervor und freute sich mit den Löningern, dass sie endlich wieder ohne  Einschränkungen feiern könnten. Ganz so unbeschwert sahen das aber offenbar nicht alle. "Schützenfestverbot wegen Corona-Gefahr" hatte sich beispielsweise ein Löninger verordnet, der das Geschehen lieber vom Straßenrand aus verfolgte. "Eigentlich wäre ich jetzt mittendrin, aber ich fliege am Mittwoch in den Urlaub", erklärte das Vereinsmitglied sein Fernbleiben.

Ernste Töne schlug auch Bürgermeister Burkhard Sibbel an. Er wies auf die lange Historie des Schützenfestes hin, das in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder wegen kriegerischer Auseinandersetzungen oder Seuchen ausfallen musste, um dann zum aktuellen Krieg Russlands gegen die Ukraine zu kommen. "Dieser brutale Angriffs- und Vernichtungskrieg bedroht unser gesamtes Wertesystem", betonte Sibbel und rief zur Widerstandsfähigkeit auf. "Putin versucht einen Keil in unsere Gesellschaft zu treiben. Das dürfen wir nicht zulassen."


Farbenfroh und gut gelaunt: Mitglieder der Schützengilde Wildeshausen.
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Aufmarsch am Stockkamp: Die teilnehmenden Vereine marschieren ein.divdiv
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Mit Krönchen: Mitglieder vom 1. Zug
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Großaufgebot: 2500 Schützen versammelten sich
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Taktstock geschwungen: Auch die Kleinsten machten mit
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Im Hofstaat: Prinzessinnen und Gefolge macht sich auf den Weg.
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Zügel fest im Griff: Oberst Hartmut Ruthmann gab die Kommandos
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Wechsel: Hauptmann Karl Heinz Lauscher gab seine Aufgaben an Christian Kattke ab.
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Es wird wärmer: Die Schützen hielten geduldig durch.
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Kinderthron: Sven Schumacher und sein Gefolge kamen per Kutsche.
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Viel Publikum: Im Stockkamp-Stadion war die Tribüne gut besetzt.
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Einmarsch der Throne: Sven Schumacher führt den Reigen an
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Knippst mit: Bundestagsabgeordnete Silvia Breher hatte ihren Spaß.
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Königlicher Nachwuchs: Linda und Rainer Rischkowski waren mit baby Hedi gekommen.
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Abschreiten der Front
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Die Schützen marschieren durch die Innenstadt
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Fans im ersten Stock
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Die Schützen jubeln - auch über sich selbst.
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Cool bebrillt: Grün war die dominierende Farbe
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Hoch zu Ross: Die Tiere machten geduldig mit
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Freude pur: Die Schützen mussten 2 Jahre auf ihr Fest verzichten.
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Der Adler vorweg: Am Montag wird ein neuer König ermittelt.
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Vorbei am Kirchturm
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Stimmungsvoll: Kapellen und Züge gaben ein buntes Bild ab.
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Zum spannenden Spektakel entwickelte sich das Kaiserschießen, an dem fast 20 der ehemaligen Löninger Schützenkönige teilnahmen. Gesucht wurde ein Nachfolger für Franz-Josef Willen, der die Würde ein Vierteljahrhundert getragen hatte. Geschossen wurde der Tradition gemäß auf den Adler. Am Sonntagabend stand mit Jürgen Breher der neue Kaiser fest. Zur Kaiserin erwählte der Vereinswirt Martina Seger, mit der er bereits 1999 den Königsthron bestiegen hatte. Den Kaiserthron bilden außerdem Petra Breher und Olaf Seger, Holger und Ursula Rießelmann, Jens und Sonja Moormann sowie Horst Werner und Sandra Pfeiffer.

Pure Freude: Jürgen Breher gewann am Sonntag das Kaiserschießen. Foto: Matthias GarwelsPure Freude: Jürgen Breher gewann am Sonntag das Kaiserschießen. Foto: Matthias Garwels

Viel Zeit zum Erholen haben die Schützen am Montag nicht. Nach dem Frühstück versammeln sich die Züge auf dem Gelbrink, um von dort zum Stockkamp zu marschieren. Dort wird ab 10 Uhr der neue Schützenkönig ermittelt. Der Nachfolger von Rainer Rischkowski wird gegen 13 Uhr proklamiert.

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