Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Liebfrauenschülerinnen kämpfen mit Plakataktion um ihre Schule

Sollte das Zentralklinikum in der Vechtaer Innenstadt gebaut werden, müsste die Liebfrauenschule weichen. Doch das wollen die Schülerinnen und die Eltern nicht einfach hinnehmen.

Artikel teilen:
Vor den Ferien haben die Schülerinnen Plakate gegen einen Abriss der Liebfrauenschule gemalt, die die Schülervertreterinnen (von links) Carlotta Feldhaus, Maira Kühling, Margret Sterenberg, Milla Gelhaus, Chiara Koch und Letje Gerdesmeyer aufhängen möchten. Foto: Freiwald 

Vor den Ferien haben die Schülerinnen Plakate gegen einen Abriss der Liebfrauenschule gemalt, die die Schülervertreterinnen (von links) Carlotta Feldhaus, Maira Kühling, Margret Sterenberg, Milla Gelhaus, Chiara Koch und Letje Gerdesmeyer aufhängen möchten. Foto: Freiwald 

Sie haben viel geredet, die Schülervertreterinnen des ULF: Mit der Schulstiftung St. Benedikt, mit dem Geschäftsführer der Krankenhausstiftung, mit dem Vechtaer Bürgermeister, dem Landrat und dem Weihbischof. Überall habe man ihnen gut zugehört, sagen sie. Aber eine befriedigende Antwort hätten sie nicht bekommen.

Immerhin: Was die Schülerinnen bisher vermuteten, ist nun gewiss: Sollte das altehrwürdige Mädchengymnasium für eine Erweiterung des Marienhospitals zu einem Zentralklinikum ausgebaut werden, dann müssen die etwa 700 "Ulfen" umziehen. So fasst es Maira Kühling von der Schülervertretung zusammen. Von Weihbischof Wilfried Theising und der Schulstiftung St. Benedikt, die Trägerin der Schule ist, habe sie demnach die Zusicherung erhalten, dass die Schule auf jeden Fall erhalten bleibe – als dreizügiges Mädchengymnasium in zentraler Lage.

Die Schulstiftung äußert sich aktuell nicht

Bislang habe das Offizialat als Betreiber von Krankenhaus- und Schulstiftung nicht sonderlich offen agiert. Immerhin seien sie inzwischen angehört worden. "Bis dahin hatten wir das Gefühl, man nimmt uns nicht ernst", erzählt Maira Kühling. Die Schulstiftung äußert sich indes nicht zu den Gesprächen. "Sie waren intern und sollen auch intern bleiben", sagt Stiftungssprecher Dr. Ludger Heuer auf Nachfrage von OM Online. 

Zufrieden ist die Schülervertretung mit dem Versprechen der Kirche und der kirchlichen Stiftung, im Fall der Fälle einen neuen Schulstandort zu finden, nicht. "Wir wollen hier bleiben", macht Milla Gelhaus klar. Die Schule, seit mehr als 160  Jahren an dem Standort Marienstraße, sei erst modernisiert worden und werde weiter modernisiert. Demnächst werde der Trakt zur Großen Straße hin einschließlich Lehrküche in Angriff genommen. "Ein Abriss wäre doch pure Geldverschwendung", findet Milla Gelhaus.

Hintergrund: Die Städte Vechta und Lohne planen zusammen mit dem Landkreis den Bau eines Zentralklinikums, das die beiden bisherigen Hospitäler in den Städten ersetzen soll. Betreiberin ist die Schwester-Euythymia-Stiftung. Sie gehört zum Bischöflich Münsterschem Offizialat in Vechta, genau wie die Schulstiftung St. Benedikt, die unter anderem Trägerin der Liebfrauenschule ist. Ursprünglich favorisierten die Krankenhaus-Planer einen Standort am südlichen Stadtrand. Seit einigen Wochen wird auch über eine Erweiterung des Vechtaer Marienhospitals am jetzigen Standort diskutiert. Dafür müsste dann die Liebfrauenschule weichen.

Doch über allen schwebt der Vorbehalt der Finanzierung. Ohne eine dicke Förderung durch das Land Niedersachsen lässt sich das Vorhaben nicht realisieren. Der Fördertopf des Landes ist mit 380 Millionen Euro gefüllt. Der Bedarf der landesweit angemeldeten Projekte beläuft sich jedoch auf mehr als 1,5 Milliarden Euro. Nicht alle werden also Realität.

Schülerinnen vermissen Transparenz 

"Das Krankenhaus ist offenbar wichtiger als das ULF", kritisiert Milla Gelhaus. Sie könne schon verstehen, wenn eine Klinik vergrößert werden müsse, um im Wettbewerb um genügend Knieoperationen, Eingriffe am offenen Herzen und andere Leistungen nicht unterzugehen. Aber, dass dafür eine gerade erst modernisierte Schule weichen müsse, verstehen die Mädchen nicht. Sie werfen den Planern des Klinikums vor, dass sie keinen für alle Seiten verträglichen Standort suchten.

Was auch der Weihbischof den Mädchen nicht habe beantworten können: Wo ein neuer Standort für das ULF sein könnte. "Er weiß es einfach noch nicht", bemängelt Maira Kühling. Die neue Schule würde sich "zentral in einem gewissen Radius" um die Innenstadt befinden, zitieren die Mädchen aus den Gesprächen. Doch solch ein Versprechen ist ihnen zu vage.

"Auch wenn das Krankenhaus für die Kirche Priorität hat, finde ich, der Ton macht die Musik."Meike Gelhaus, Elternratsvorsitzende

Ihre Eltern wissen die Mädchen hinter sich. „Auch wenn das Krankenhaus für die Kirche Priorität hat, finde ich, der Ton macht die Musik“, kritisiert Meike Gelhaus, Elternratsvorsitzende und Mutter von Schülervertreterin Milla, die fehlende Transparenz von Seiten des Offizialats.

Auch Bürgermeister Kristian Kater und Landrat Herbert Winkel haben die Mädchen zu Gesprächen getroffen. "Sie haben uns bei allem Verständnis gesagt, dass unsere Schule Angelegenheit der Kirche ist", rekapituliert Milla Gelhaus.

Angst, dass in den Ferien eine Entscheidung fällt

Am Mittwoch ist der letzte Schultag, danach folgen 6 Wochen Sommerferien. „Wir haben Angst, dass in dieser Zeit über unsere Köpfe hinweg eine Entscheidung getroffen wird“, sagt Maira Kühling.  Aus diesem Grund haben die Schülerinnen Plakate gemalt, die sie in die Fenster der Schule zur Marienstraße hin aufhängen. „Rettet das ULF“, "Es ist nicht nur das Gebäude, sondern auch Geschichte", "Das ULF hat Geschichte, macht sie nicht zunichte" steht unter anderem auf den Transparenten in den Fenstern. "Jeder soll wissen, dass wir uns wehren", sagt Milla Gelhaus.

Auch die Online-Petition unter avaaz.org läuft nach wie vor. Rund 2.000 Unterstützerinnen und Unterstützer haben unterzeichnet.  Auch wenn Ferien sind, der Widerstand geht weiter.


Ein Kommentar zu Thema von Anke Hibbeler (Leitung Reporter):

"Zahl' Du mal erst Steuern!“ Das war das Standardargument gegen mich, wenn ich als Schülerin meinte, mich bei Verwandtentreffen politisch äußern zu müssen. Die Plakataktion der Schülerinnen der Liebfrauenschule hat mich daran erinnert. Sie werden sich so hilflos fühlen wie ich damals.

Meine Tochter ist eine "Ulfe". Sie möchte wissen, wie es weitergeht. Wir möchten wissen, wie es weitergeht. Und warum in Vechta immer wieder keiner sehen will, dass durch eine vermeintliche Problemlösung ganz viele neue Baustellen entstehen.

Nehmen wir an, das Krankenhaus wird in der Stadt erweitert, wofür es sicher diskutable Gründe gibt: Wohin mit dem Ulf? Wo ist tatsächlich Platz in der Stadt? Oder geht es doch an den Stadtrand? So wie der öffentliche Nahverkehr derzeit organisiert ist, würde dieser Schritt es der Schule sehr schwer machen, für neue Schülerinnen attraktiv zu bleiben. Und was macht eine XXL-Klinik in der City ohne passende Infrastruktur für alle, die mit dem Pkw kommen?

Der Fehler ist nicht, über den Standort für die Klinik zu diskutieren. Der Fehler ist, über ihn hinter verschlossenen Türen zu reden, die Welt anschließend mit den Fakten zu konfrontieren und dabei stets zu argumentieren, den Folgeproblemen werde man sich später widmen. Das reicht mir nicht mehr. Und: Ja, ich zahle Steuern. 

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Liebfrauenschülerinnen kämpfen mit Plakataktion um ihre Schule - OM online