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"Liebe ist keine Sünde": Pastoralreferent warnt vor Schubladendenken

Kein Symbol sorgt derzeit für soviel Wirbel wie der Regenbogen. Die Lastruper KLJB sieht in ihm vor allem ein Zeichen für Toleranz – auch innerhalb der Kirche.

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Starkes Symbol: Der Regenbogen stand im Mittelpunkt des Open-Air-Gottesdienstes. Foto: Ruby Wright

Starkes Symbol: Der Regenbogen stand im Mittelpunkt des Open-Air-Gottesdienstes. Foto: Ruby Wright

Ein Zeichen für Toleranz in Kirche und Gesellschaft hat die Katholische Landjugend (KLJB) Lastrup gesetzt. Die vom Liturgieausschuss organisierte Open-Air-Messe auf dem Schützenplatz stand ganz im Zeichen des vielfarbigen Regenbogens. Pastoralreferent Robert Luttikuis warnte in seiner Predigt vor "Schubladendenken".

Rund 200 Besucher nahmen an der Messe teil, die erstmals von Pater Joby geleitet wurde. Viele hatten Picknickdecken mitgebracht und verteilten sich coronakonform über das weite Gelände. Dass sie ihre Gottesdienstserie wieder aufnehmen können, freut die Mitglieder des Liturgieausschusses zwar. "Wir hoffen aber, dass es jetzt auch so weitergeht und wir nicht schon bald wieder in einen neuen Lockdown geraten", sagt André Grever. Der Medizinstudent engagiert sich seit Jahren in der Landjugend. Die Zusammenarbeit mit den Lastruper Geistlichen sei "supergut", sagt er. Überhaupt sieht er die aktuelle  Kirchenkrise vor allem als Problem der Amtskirche. "Zwischen dem, was hier vor Ort passiert, und den Entscheidungen in Rom gibt es große Unterschiede." 

"Jeder von uns hat Vorurteile, ich auch."Britta Bäker, Liturgiekreis

Der Umgang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ist dafür ein gutes Beispiel. Während die päpstliche Glaubenskongregation noch im März Segnungen homosexueller Paare eine deutliche Absage erteilte, hingen deutschlandweit auch von vielen Kirchtürmen Regenbogenfahnen als Zeichen der Solidarität herab. Die Open-Air-Messe nahm den Gedanken unter dem Stichwort "Liebe ist keine Sünde" auf. "Uns geht es darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass vor Gott alle Menschen gleich sind", sagt Britta Bäker. Die angehende Lehrerin möchte ihre Schüler später zur Toleranz erziehen. Und dazu gehöre eben auch, zu lernen, mit den eigenen Vorurteilen umzugehen. "Da muss man sich nichts vormachen. Jeder hat welche, ich auch." Wichtig sei aber, sie nicht einfach zu unterdrücken, sondern über sie nachzudenken,  ergänzt André Grever. 

Gut besucht: Rund 200 junge und ältere Lastruper nahmen an dem Gottesdienst teil. Foto: Ruby WrightGut besucht: Rund 200 junge und ältere Lastruper nahmen an dem Gottesdienst teil. Foto: Ruby Wright

Seit den 1970er-Jahren ist die Regenbogenflagge ein internationales Symbol von Schwulen, Lesben und anderen sexuellen Orientierungen. Die Farben gelten als Symbol der Vielfalt der Lebensweisen innerhalb der sogenannten queeren Community. Zugleich ist der Regenbogen aber auch ein wiederkehrendes biblisches Motiv. Im Buch Genesis etwa gilt er als Zeichen des Bundes, den Gott nach der Sintflut mit Noah und allen Geschöpfen schließt. Und auf Darstellungen des Jüngsten Gerichts  wird Jesus oft als göttlicher Weltenrichter sitzend auf einem bunten Bogen dargestellt, der mit seiner Farbenpracht die Verbindung zwischen Himmel und Erde symbolisiert.  

Während der laufenden Fußball-Europameisterschaft haben die Farben eine erhebliche politische Brisanz bekommen. Eklat reiht sich inzwischen an Eklat. Zuletzt rissen Ordner im Stadion von Baku einem dänischen Fan die Fahne aus der Hand. Der Streit, wie weit Toleranz gehen darf, entzündet sich in diesem Sommer offenbar an einem Stück Stoff. Die jungen Lastruper beobachten diese Entwicklung mit wachsender Besorgnis. Gerade deshalb habe der Gottesdienst in die Zeit gepasst, findet Lea Pophanken (22). Sie und die anderen Aktiven in der Gemeinde seien längst weiter als mancher Würdenträger. Ihrer Kirche wollen die jungen Leute trotzdem - oder gerade deshalb - treu bleiben. Er stelle sein Engagement in Lastrup nicht infrage, betont  André Grever. "Da unterscheide ich ganz klar." 

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