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Leuchttürme für Langstrecken

Kolumne: Auf ein Wort – Je mehr es draußen ungemütlich wird, desto wichtiger ist es, dass es drinnen schön ist. Das gilt auch für unser Innenleben.

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"Wenn der Stoppelmarkt vorbei ist, ist der Sommer rum", hörte ich eine Kollegin vor gut 20 Jahren sagen. Damals neu in Vechta, wollte ich diesen Satz später nie so recht wahrhaben. Aber irgendwie hatte und hat meine Kollegin – Sie wissen es alle – Recht. Die Tage werden gleichsam von ihren Rändern her beschnitten: morgens später hell, abends früher dunkel. Bewölkte Tage legen noch mal eine Schippe drauf.

Was tun? Klagen? In Depression verfallen? Je mehr es draußen ungemütlich wird, desto wichtiger ist es, dass es drinnen schön ist. Gut aussieht. Ganze Geschäftszweige leben von guter Inneneinrichtung und schöner Dekoration. Und Letztere wird immer rechtzeitig in den Kaufhäusern angeboten. Keine schlechte Vorgehensweise!

Kirche ist ein einziger Vorschlag zur Innengestaltung

Auch nicht, wenn man sie auf unser Innenleben überträgt. Gut einrichten. Und das rechtzeitig. Die Kirche ist im Grunde ein einziger Vorschlag zur Innengestaltung: Schaut man mal über den Horizont des heutigen Tages und des Spätsommers hinaus, dann leuchtet Weihnachten wie eine helle Flamme am Horizont. Wem das zu weit weg ist, dem seien unzählige kleine Fackeln gezeigt, die die Kirche bis dahin an den Wegesrand gestellt hat.

Ein Johannes Chrysostomos beispielsweise (13. September), der im 4.  Jahrhundert zu einem maßvollen Lebensstil aufruft, "Hospize für Arme, Fremde und Kranke" einrichtet und Seelsorger für Soldaten organisiert. Oder ein Franz von Assisi (3./4. Oktober), der auf sein Erbe verzichtet und in Armut lebt. Ganz zu schweigen vom ebenso großen Feuerschein der klugen und mutigen Teresa von Avila (15. Oktober).

"Bei allem Versagen der Kirche: Die Einladung zu den Spuren des Lichts und zum Licht selbst bleibt!"Dietmar Kattinger

Warum jetzt diese Heiligen? Weil sie – neben ihren Begrenztheiten – Leuchttürme ihrer Zeit waren! Und das ist das Ziel des Christentums – und vermutlich jeder wertorientierten Haltung: zu Leuchttürmen im Alltag zu werden, auf der Langstrecke der Werktage, für die Abgründe des Lebens. Leuchttürme der Menschlichkeit braucht es in dieser Zeit der Klimakatastrophe mit ihren Bränden überall auf der Welt. In Anbetracht der schon eingetretenen oder noch zu erwartenden Taliban-Diktatur in Afghanistan. Leuchttürme, die das "Ja, aber…", und das "Man muss aber auch bedenken, dass….!" ernst nehmen, sich davon aber nicht lähmen lassen.

Bei allem Versagen der Kirche: Die Einladung zu den Spuren des Lichts und zum Licht selbst bleibt! Für eine gute Innendekoration und ebenso für eine gute Außengestaltung!


Zur Person:

  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail unter redaktion@om-medien.de.

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