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Letztes Baby: Kleine Alena verlegt Geburtstermin vor und schreibt Geschichte

Annette Boxhorn aus Molbergen brachte am Freitagabend in Friesoythe ihr 9. Kind zur Welt. Jetzt werden Kreißsaal und Station des St.-Marien-Hospitals einer neuen Bestimmung übergeben.

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Letztes Bild mit Eltern auf der Station: Hebamme Roswitha Funke (links) und Ulla Macke, Leiterin Entbindungsstation, gratulieren Annette und Waldemar Boxhorn zu ihrer Tochter Alena. Foto: Claudia Wimberg

Letztes Bild mit Eltern auf der Station: Hebamme Roswitha Funke (links) und Ulla Macke, Leiterin Entbindungsstation, gratulieren Annette und Waldemar Boxhorn zu ihrer Tochter Alena. Foto: Claudia Wimberg

Als hätte sie es geahnt, wartete die kleine Alena nicht mehr bis November, verlegte stattdessen ihren errechneten Termin noch schnell um ein paar Tage vor und schrieb damit im Friesoyther Krankenhaus Geschichte: Sie ist das letzte Baby, das auf der Entbindungsstation geboren wurde.

Ein freudiges Ereignis vor traurigem Hintergrund: Um 20.23 Uhr brachte Annette Boxhorn aus Molbergen am Freitag ihr 9. Kind mit einem Gewicht von 2775 Gramm und einer Größe von 48 Zentimetern zur Welt – am Sonntag gegen 22 Uhr schloss Roswitha Funke dann endgültig die Tür zum Kreißsaal, drehte den Schlüssel herum und beendete nicht nur ihre Arbeit, sondern auch eine Ära. "Ein komisches Gefühl", beschreibt die bisherige und dienstälteste Beleghebamme den besonderen Moment. Seit dem 1. April 2000 war sie im St.-Marien-Hospital tätig.

Babybilder auf den Fluren werden nun abgehängt 

"Ihr wart so gut zu uns und wir haben uns so wohlgefühlt", dankten Annette und Waldemar Boxhorn der erfahrenen Geburtshelferin und ihren 4 Kolleginnen sowie dem gesamten Stationsteam unter der Leitung von Ulla Macke. 3 ihrer Kinder sind in Friesoythe zur Welt gekommen, darunter auch die 5-jährige Tabea, die mit ihrem Vater am Montag Mutter und Schwester abholte. Gerade weil das Haus zu den kleineren gehört, "gab es diese schöne familiäre Atmosphäre ohne Stress. Hier konnte man abschalten und meine Frau wurde immer sehr gut aufgenommen", erklärte Waldemar Boxhorn.

Fühlte sich mit ihrer Mama in Friesoythe sehr wohl: Die kleine Alena wog bei ihrer Geburt 2775 Gramm und ist 48 Zentimter groß.Fühlte sich mit ihrer Mama in Friesoythe sehr wohl: Die kleine Alena wog bei ihrer Geburt 2775 Gramm und ist 48 Zentimter groß.

Gerne hätten die Mitarbeiterinnen auch weiterhin Eltern und Kinder begleitet, aber die Entscheidung von Geschäftsführung und Aufsichtsrat, die Geburtshilfe aufgrund des Fachkräftemangels zum Ende des letzten Monats zu schließen, ist unumstößlich.

"Wir sind natürlich alle sehr traurig", sagt Ulla Macke. Seit 34 Jahren ist sie Kinderkrankenschwester, seit knapp 10 Jahren arbeitet sie in Friesoythe. Wie berichtet, wird sie in den kommenden Tagen mit ihren Kolleginnen, von denen die meisten in andere Kliniken wechseln, das Ausräumen vornehmen. Die Babybilder auf den Fluren werden abgehängt, auch Zimmer 322, in dem die kleine Alena mit ihrer Mama versorgt wurde, wird einer neuen Bestimmung übergeben.

Blumen zum Abschied gab es für die Familie von den Pflegedienstleiterinnen Mechthild Schade und Gabi Lübbers. Gegen 10.30 Uhr machten sich dann Annette und Waldemar Boxhorn mit ihren Töchtern auf den Weg nach Hause.

Herzlicher Dank: Aufgehängt an der Tür zum Schwesternzimmer Herzlicher Dank: Aufgehängt an der Tür zum Schwesternzimmer 

Roswitha Funke verließ nach insgesamt "vielen Tausenden Tagen und Nächten" ebenfalls das Krankenhaus - wenn auch künftig nicht mehr im Kreißsaal von St. Marien: Die Hebammen stehen werdenden Müttern mit all ihren Angeboten natürlich nach wie vor zur Seite "und unsere Arbeit läuft weiter wie bisher", unterstreicht die Friesoytherin, die jetzt aber erst mal ein paar Tage Urlaub macht.

Ulla Macke ging zurück ins Schwesternzimmer. Vorbei an einem kleinen hölzernen Schild, das sie und ihre Kolleginnen geschenkt bekommen und an die Tür gehängt haben und dessen Spruch sicher ganz vielen "ihrer" Familien aus der Seele spricht: "Kleine Menschen brauchen so große Herzen wie eure! Danke für alles!"

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