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Leonid Kostyuk: "Für mich ist Putin ein Mörder"

Der gebürtige Ukrainer Leonid Kostyuk arbeitet als Ingenieur im Saterland. Die Situation in der Ukraine verfolgt er auf vielen Wegen, sein Urteil über Wladimir Putin ist harsch und eindeutig.

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Klare Worte: Der gebürtige Ukrainer Leonid Kostyuk lebt seit 2001 in Deutschland. Durch seinen Bruder, der in Kiew lebt, ist er bestens über die Situation in der Ukraine informiert.   Foto: Stix

Klare Worte: Der gebürtige Ukrainer Leonid Kostyuk lebt seit 2001 in Deutschland. Durch seinen Bruder, der in Kiew lebt, ist er bestens über die Situation in der Ukraine informiert.   Foto: Stix

Auf die Frage, wie es ihm geht, blickt Leonid Kostyuk auf die Uhr. "Vor zwei Stunden ist meine Frau in Düsseldorf angekommen", sagt er, und schiebt die Erläuterung gleich hinterher: "Sie war am 22. Februar in Kiew auf der Hochzeit meines Neffen." Der geplante Rückflug wurde wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine annulliert, mit Glück ergatterte Kostyuks Frau Olga einen Bus, mit dem sie nach einer tagelangen Reise über Polen zurück nach Deutschland kam.

Die Erleichterung über die glückliche Heimkehr seiner Frau ist einer der Gemütszustände, zwischen denen Kostyuk derzeit schwankt. Angst um seinen in Kiew lebenden Bruder, dessen Familie, andere Verwandte und viele Freunde gehört dazu, vor allem aber, sagt er, mache ihn die Situation wütend. "Für mich ist Putin ein Mörder und ich hoffe, dass irgendwo eine Zelle auf ihn wartet."

Leonid Kostyuk ist gebürtiger Ukrainer und seit 2001 in Deutschland. Er hat sowohl in der Ukraine als auch in Deutschland ein Ingenieursstudium abgeschlossen und kam über berufliche Stationen bei Siemens und Alstom ins Saterland. Hier ist er bei der Hansa Klimasysteme GmbH in Strücklingen Projektleiter für Russland und Osteuropa. 

"So richtig brüderlich war das Verhältnis zwar nie, aber dieses Szenario konnte man sich nicht vorstellen."Leonid Kostyuk

Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat ihn überrascht. "Niemand hat damit gerechnet, Putin hat ja immer vom Brudervolk gesprochen", sagt er. "So richtig brüderlich war das Verhältnis zwar nie, aber dieses Szenario konnte man sich nicht vorstellen." Vor allem die Begründung Putins irritiert ihn. "Es ist blöd von ihm zu glauben, dass die Ukraine ein Okupant, ein Aggressor sei", betont Kostyuk. "Wie hätte die Ukraine denn angreifen sollen, das wäre doch wie David gegen Goliath."

Der 59-Jährige hält sich auf vielen Wegen über den Krieg und die Situation in der Ukraine auf dem Laufenden. Eine wichtige Quelle ist dabei sein Bruder, der aus Kiew berichtet. "Am Wochenende war dort Ausgangssperre", erzählt Kostyuk. "Mein Bruder und die Familie konnten gerade mal zum Essen und Duschen in seine Wohnung, ansonsten waren sie immer im Bunker, vor allem zum Schlafen. Zweieinhalb Tage lang."

Über Putins Rede zum Kriegsbeginn ist Kostyuk immer noch entsetzt

Die andere Informationsquelle ist das Fernsehen, und zwar das ukrainische ebenso wie das russische. Die Informationen daraus würden in keiner Weise zusammenpassen. "Das ist diametral entgegengesetzt", hat er festgestellt. Auch über Putins Begründungen des Angriffs ist er immer noch entsetzt und nennt als Beispiel, dass Putin die Ukraine entnazifizieren wolle. „Wo sieht er dort Nazis?“, fragt Kostyuk. „Ist man schon ein Nazi, wenn man Ukrainer sein will und Ukrainisch spricht?“ Sein Eindruck: "Putin hat da so blöde Sachen gesagt, das können nur verrückte Leute. In Gesprächen mit in Deutschland lebenden Russen habe er allerdings festgestellt, dass sich viele davon ausschließlich über frei empfangbares russisches Fernsehen informieren und deshalb stramm an Putins Seite stünden. "Viele halten ihn für einen tollen Präsidenten und glauben ihm alles", sagt er.

Widerstand und Solidarität als Hoffnungsschimmer

Ein klein wenig Hoffnung macht Kostyuk der Widerstand, den die Ukrainer leisten. "Selbst in Charkiw, und das ist mehrheitlich russisch, kämpfen die Leute gegen die russische Armee", betont er. Aus dem Blitzkrieg, den Putin angestrebt habe, werde deshalb wohl nichts werden. Wenn die Ukraine zehn Tage lang durchhalte, so Kostyuk, könne die russische Armee logistische Probleme bekommen.

Auch die Solidarität, die die Ukraine aus ganz Europa erfährt, ist für ihn ein kleiner Lichtblick. "Die Menschen in der Ukraine freuen sich darüber und hoffen auf eine große Welle gegen Putin." Auch mit Deutschland habe man dort seinen Frieden gemacht. "Jetzt ist es wieder okay, aber anfangs haben die Ukrainer sehr skeptisch auf Deutschland geschaut", sagt Kostyuk. "Die angebotenen 5000 Helme haben viele als Witz empfunden." 

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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