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Lennox kommt durch Giftköder fast ums Leben

Hundehalter stoßen bei Spaziergängen in Vechta immer wieder auf verdächtige Substanzen. Die Ermittlungen der Polizei gestalten sich schwierig.

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Schauriger Ausflug ins Grüne: Katrin F. und ihr jüngster Sohn lassen Lennox seit dem Vorfall am vergangenen Samstag nur noch ungern von der Leine. Der schokofarbene Labrador wäre fast an einem Giftköder gestorben. Foto: Speckmann

Schauriger Ausflug ins Grüne: Katrin F. und ihr jüngster Sohn lassen Lennox seit dem Vorfall am vergangenen Samstag nur noch ungern von der Leine. Der schokofarbene Labrador wäre fast an einem Giftköder gestorben. Foto: Speckmann

Lennox ist wieder wohlauf. Vergnügt streunt der schokofarbene Labrador durch die Natur, schnuppert neugierig am Wegesrand und kehrt im nächsten Moment an die Seite seines Frauchens zurück. Katrin F. ist sichtlich erleichtert. Es ist ein Glücksfall, dass ihr treuer Vierbeiner noch lebt. Vor wenigen Tagen hat der Hund kurzzeitig mit dem Leben gerungen. Grund ist ein verschluckter Giftköder.

Schon 6 registrierte Fälle im Kreis Vechta

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art in der Kreisstadt. Immer wieder werden Giftköder gemeldet. Allein in diesem Jahr hat die Polizei schon 6 Fälle im Landkreis Vechta und 3 Fälle im Nachbarkreis Cloppenburg registriert. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Meistens liegen die verdächtigen Substanzen an Wegen und Plätzen, die gerne von Hundehaltern genutzt werden.

Als Katrin F. und ihr jüngster Sohn am Samstagmittag am Langen Damm in Telbrake spazieren gehen, lassen sie ihren vierbeinigen Begleiter von der Leine. Er läuft einige Meter aufs Feld, kehrt aber nicht mehr zurück. „Wir sind hinterhergegangen und haben dann gesehen, dass er etwas frisst. Es war gekochter Reis mit Rattengift, wie sich später herausgestellt hat“, berichtet die Vechtaerin.

Gefährlicher Haufen: Am Langen Damm in Telbrake hat ein unbekannter Täter gekochten Reis mit Rattengift ausgelegt. Foto: Katrin F.Gefährlicher Haufen: Am Langen Damm in Telbrake hat ein unbekannter Täter gekochten Reis mit Rattengift ausgelegt. Foto: Katrin F.

Dass der Giftköder nicht zum Tod geführt hat, führt die Hundebesitzerin auf das schnelle Aufsuchen des Tierarztes und einen glücklichen Umstand zurück. Die verabreichte Spritze führte, wie gewünscht, zum Erbrechen. Dabei kommt eine Socke zum Vorschein, die Lennox wie schon so oft zu Hause verschluckt hat. „Deswegen konnte er das Futter nicht gleich verdauen. Das hat ihm das Leben gerettet“, vermutet die Vechtaerin.

"Wenn wir im Wald unterwegs sind, stoßen wir immer wieder auf solche Haufen. Ich mag Lennox kaum noch von der Leine lassen."Hundehalterin Katrin F. aus Vechta

Ihren Angaben zufolge hat der 7-jährige Labrador schon bei früheren Spaziergängen an ausgelegten Giftködern geschnuppert. „Wenn wir im Wald unterwegs sind, stoßen wir immer wieder auf solche Haufen. Ich mag Lennox kaum noch von der Leine lassen“, sagt Katrin F. und fügt verärgert hinzu: „Ich bin einfach nur böse auf diese Leute, die so etwas machen. Das ist echt zum Kotzen.“

Einen dicken Hals hat auch Ferdinand K., denn ihm ist am Mittwoch vergangener Woche etwas Ähnliches mit seinem Golden Retriever im Immentun passiert. Dort hat ebenfalls rötlich eingefärbter Reis gelegen. „Mein Hund hat ihn sofort auf Zuruf ausgespuckt“, berichtet der Vechtaer. Ob es sich hier tatsächlich um einen Giftköder handelt, kann die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta noch nicht bestätigen.

In dem Waldgebiet seien in der Vergangenheit allerdings schon häufiger reisähnliche Substanzen von bislang unbekannten Personen verteilt und dann von Hundehaltern entdeckt worden, berichtet Polizeisprecherin Simone Buse auf Anfrage. Bei der Untersuchung der eingereichten Proben durch das Landeskriminalamt seien allerdings keine giftigen Wirkstoffe nachgewiesen worden.

„Die Ermittlungen haben bislang nicht zur Ermittlung eines Täters geführt“, sagt Buse. Die Arbeit gestalte sich sehr schwierig, da sich etwaige Giftstoffe schnell zersetzen würden und nur schwer nachweisbar seien. Das Auslegen von Giftködern kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Vorsätzliche Vorstöße werden nach dem Tierschutzgesetz mit einer Geldstrafe oder sogar bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe geahndet.

SPD erarbeitet erneuten Antrag für den Stadtrat

Die Ratsgruppe SPD/WfV hat bereits im Frühjahr auf Maßnahmen gedrängt, um die Bevölkerung für die Gefahrenquellen zu sensibilisieren. Doch ihr Antrag fand im Vechtaer Stadtrat keine Mehrheit. Wie aus dem Sitzungsprotokoll hervorgeht, betrachtete die CDU-Fraktion eine politische Beratung nicht als sachgerecht. Durch eine Behandlung der Angelegenheit in öffentlicher Sitzung würde ein Tierhasser unnötig bestätigt.

Nun kündigt SPD-Fraktionschef Sam Schaffhausen einen erneuten Vorstoß an. Zusammen mit dem Ortsvereinsvorstand werde jetzt ein Antrag erarbeitet, der in der politischen Beratung münden soll: „Wir wollen eine Zusammenarbeit von Verwaltung, Polizei sowie Tierschutzverbänden. Vorstellbar wäre auch ein digitales Kataster mit gekennzeichneten Vorfällen“, erklärt der Ratsherr.

Katrin F. würde präventive Maßnahmen begrüßen. Für die zweifache Mutter geht es dabei nicht nur um das Wohl der Tiere, denn auch Kinder könnten beim Spielen auf die Giftköder stoßen und sich durch den Kontakt in Gefahr begeben. „Ich bin froh, dass am Samstag nicht noch mehr passiert ist. Lennox lag abends total schlapp in seiner Ecke und ich war auch fix und fertig“, sagt die Vechtaerin.


Tipps für Hundehalter:

  • Besteht auch nur der kleinste Verdacht, dass der Hund einen Giftköder aufgenommen haben könnte, sollten Besitzer schnell handeln und ihn zum Tierarzt bringen.
  • Die meisten Giftköder verursachen schon binnen kürzester Zeit erste Vergiftungsanzeichen. Mögliche Symptome sind Erbrechen, übermäßiges Hecheln, vermehrt weißer Speichel, blasse Schleimhäute, veränderte Pupillen und allgemeine Teilnahmslosigkeit.
  • Hundehalter sollten ihre Notfallkontakte immer bereithalten. Dazu gehören Kontaktdaten des behandelnden Tierarztes und der nächstgelegenen Tierklinik.
  • Beim Auffinden von Giftködern sollten Tierhalter Strafanzeige bei der Polizei erstatten und sich dabei auf Paragraph 17 und 18 des Tierschutzgesetzes beziehen. (Quelle: Tasso)

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