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Leitender Forscher der Missbrauchsstudie stellt in Stapelfeld Ergebnisse vor

Der Vortrag richtete sich speziell an Mitarbeiter im kirchlichen Dienst. Am Freitag (2. Dezember) folgt ein öffentlicher Info-Abend mit Podiumsdiskussion in Vechta.

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Die Ergebnisse der Missbrauchsstudie sind in der Katholischen Akademie Stapelfeld vorgestellt worden: (von links) Studienleiter Professor Dr. Thomas Großbölting, der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, und der Moderator, Dr. Marc Röbel, im Gespräch mit kirchlichen Mitarbeitenden. Foto: BMO/Ebert

Die Ergebnisse der Missbrauchsstudie sind in der Katholischen Akademie Stapelfeld vorgestellt worden: (von links) Studienleiter Professor Dr. Thomas Großbölting, der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, und der Moderator, Dr. Marc Röbel, im Gespräch mit kirchlichen Mitarbeitenden. Foto: BMO/Ebert

Im Rahmen eines Klausurvormittags für Angestellte im kirchlichen Dienst hat jetzt Professor Dr. Thomas Großbölting Erkenntnisse über die Geschichte sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster vorgestellt. Der Historiker an der Universität Hamburg war Leiter der unabhängigen Untersuchung der Universität Münster zu sexualisierter Gewalt im Bistum Münster, die im Juni 2022 vorgestellt wurde. Etwa 40 Interessierte nahmen teil. Es war bereits der zweite Klausurvormittag. Moderator war Akademiedirektor Dr. Marc Röbel.

In seinem Vortrag erklärte Großbölting auf Grundlage der Recherchen des Forscherteams, dass es im Bischöflich Münsterschen Offizialat (BMO) in Vechta ab 1948 und bis in die 1970er Jahre hinein ein "hohes Wissen" um Taten sexualisierter Gewalt durch Kleriker gegeben haben müsse. Im gesamten Bistum Münster seien nach bisherigen Erkenntnissen im gut 70 Jahre umfassenden Untersuchungszeitraum der Studie etwa 4,2 bis 4,5 Prozent der Priester sexueller Gewalt beschuldigt worden. Dieser Anteil decke sich etwa mit den Erkenntnissen aus anderen Bistümern, so Großbölting.

Insbesondere im Oldenburger Land habe man es aber mit einer Reihe von Intensivtätern zu tun gehabt, so Großbölting, darunter die in der Studie namentlich genannten Pfarrer Bernhard Janzen (aus Neuenkirchen, die Ergebnisse der Fallstudie finden Sie hier auf OM-Online) und Helmut Behrens (aus Neuscharrel, die Ergebnisse der Fallstudie finden Sie hier auf OM-Online).

Forscher: Etwaige Homosexualität führte nicht zu den Übergriffen

Ausdrücklich verwahrte sich Großbölting gegen die Annahme, eine etwaige Homosexualität von Priestern hätte zu den Übergriffen geführt. Man dürfe hier keine falschen Schlüsse ziehen, warnte der Historiker. Es sei davon auszugehen, dass der Großteil der Beschuldigten dem "regressiv-unreifen Tätertypus" zuzuordnen sei. In der Folge sei es dort zu sexuellen Übergriffen gekommen, wo sich Gelegenheit geboten hätte, insbesondere also gegenüber den Priestern anvertrauten Kindern. Die ersten Taten seien dabei oft etwa 10 bis 12 Jahre nach der Priesterweihe erfolgt.

Weil im Großteil des Untersuchungszeitraums vor allem Jungen Messdiener gewesen seien, seien männliche Kinder und Jugendliche auch unter den Betroffenen stärker vertreten als Mädchen, erklärte Großbölting. Der Studienleiter zitierte einen Betroffenen, der erklärt habe, dass der Missbrauch gerade deshalb stattgefunden habe, "weil ich katholisch bin". Die "Gottesliebe" der Kinder sei auf den als "heiligen Mann" stilisierten Geistlichen missbräuchlich umgelenkt worden, erklärte Großbölting. Dass die meisten Meldungen von Betroffenen erst ab 2010 eingegangen seien, führte Großbölting darauf zurück, dass Betroffene erst nach dem öffentlichen Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe am Berliner Canisiuskolleg darauf hoffen konnten, dass ihren Schilderungen geglaubt werde.

Mit Blick auf die Verantwortung der Kirchenleitung konstatierte Großbölting, die kirchlichen Verwaltungen im Bistum, das Generalvikariat in Münster und das BMO in Vechta hätten Intensivtätern in der Vergangenheit über Jahrzehnte das Signal gegeben, die Taten zwar nicht gutzuheißen, aber vor Sanktionen zurückzuschrecken, um "die Priesterweihe des Täters zu retten". Bei der Erstellung der Studie seit dem Jahr 2019 hätten die Historiker aber "guten Zugang" zu den Archiven im Generalvikariat in Münster und im Offizialat in Vechta erhalten. Die Forscher hätten "gute Unterstützung durch das Bistum erhalten", sagte Großbölting.

Dem Vortrag Großböltings schloss sich eine intensive Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an, an der auch der Interventionsbeauftragte des Bistums, Peter Frings, teilnahm. Für die "schwierige Arbeit" der historischen Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und der Interventionsarbeit dankte Moderator Dr. Röbel abschließend Großbölting und Frings. Röbel stellte klar, dass mit der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie "kein Punkt" gesetzt werde, sondern "ein Doppelpunkt": Die kircheninterne und gesellschaftliche Aufarbeitung sexualisierter Gewalt müsse unbedingt weitergehen, so Röbel.


Info:

  • Am 2. Dezember (Freitag) findet um 19.30 Uhr im Antoniushaus in Vechta eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Thema statt.
  • Professor Dr. Großbölting wird zentrale Erkenntnisse der Missbrauchsstudie vorstellen.
  • Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion mit Professor Großbölting, Dr. Hans Jürgen Hilling und Bernd Theilmann aus dem Kreis der Betroffenen sowie Offizial und Weihbischof Wilfried Theising statt.
  • Der Abend steht allen Interessierten offen.
  • Eine Anmeldung ist erforderlich bei Ruth Bäker per Mail an rbaeker@ka-stapelfeld.de oder unter Telefon 04471/1881140. Der Eintritt ist frei.

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