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Lebenslauf auf kritische Details untersucht

In Garrel soll eine Straße oder ein Platz nach dem einstigem Arzt Dr. Hans Bünnemeyer benannt werden. Zuvor war viel Recherchearbeit angesagt.

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Lebendige Erinnerung an geschätzten Landarzt: Bürgermeister Höffmann nimmt auf dem Krad Platz, das einst Dr. Hans Bünnemeyer gehörte. Jügen Tabeling (links) hatte es für den Pressetermin besorgt. Christoph Penning hatte zur Vita des Mediziners geforscht. Foto: Schrimper

Lebendige Erinnerung an geschätzten Landarzt: Bürgermeister Höffmann nimmt auf dem Krad Platz, das einst Dr. Hans Bünnemeyer gehörte. Jügen Tabeling (links) hatte es für den Pressetermin besorgt. Christoph Penning hatte zur Vita des Mediziners geforscht. Foto: Schrimper

Die Benennung von Straßen oder Plätzen nach historischen Persönlichkeiten hat mancher Kommune bereits einigen Ärger bereitet. Sobald negative Details über das Leben der jeweiligen Person ans Licht kommen, muss ihr Wirken ebenso wie die Benennung infrage gestellt werden. Jüngstes Beispiel für einen solchen Fall ist die Kaplan-Meyer-Straße in Sedelsberg. Wie berichtet, war herausgekommen, dass der Namensgeber in den 60er Jahren Messdiener missbraucht haben soll.

In der Gemeinde Garrel wollte man auf der sicheren Seite sein: Der Verwaltung liegt ein Antrag von Peter Marinesse und weiteren Garrelern vor, die fordern, eine Straße oder einen Platz nach Dr. Hans Bünnemeyer (1902-1972) zu benennen. Der Landarzt mit Praxis an der Sager Straße, oft mit ratterndem Motorrad und Lederjacke unterwegs, war der erste niedergelassene Mediziner in der Gemeinde. Er habe sich „mehrere Jahrzehnte um die Gesundheit der Bevölkerung in Garrel und umzu aufopferungsvoll und oftmals ohne Entgelt gekümmert“, heißt es in dem Antrag. So habe er sich um die Gemeinde Garrel sehr verdient gemacht.

Aber: „Wer nicht prüft, hat am Ende selbst schuld“, betont Christoph Penning, seines Zeichens Historiker und CDU-Ratsmitglied. Er hat – passenderweise – an der Uni Osnabrück mit einer Studie zur Biografieforschung promoviert – und sich im Auftrag der Gemeinde der Biografie Bünnemeyers angenommen. In seinen Recherchen hat er vor allem den Zeitraum der NS-Zeit untersucht. Sein Fazit: „Es liegen keine schwerwiegenden persönlichen Handlungen oder eine aktive Mitwirkung in einem Unrechtsregime vor.“ Bünnemeyers Wirken könne als überwiegend positiv bewertet werden.

Anwärter für NS-Ärztebund

Lediglich ein Detail im Lebenslauf des Landarztes stehe einer öffentlichen Ehrung in Form einer Straßenbenennung entgegen: 1938 beantragte Bünnemeyer, der laut Penning nie Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen war, die Mitgliedschaft im Nationalsozialistischen Deutschen (NSD) Ärztebund. Dies sei ein berufsspezifischer NS-Kampfbund gewesen, der eine wesentliche Rolle bei der Gleichschaltung der Ärzteschaft und bei der rassehygienischen Propaganda gespielt habe.

Penning bezweifelt, dass „dem gebildeten und weitgereisten Arzt Dr. Bünnemeyer“ diese Ausrichtung des NS-Ärztebundes unbekannt gewesen sei. „Ob er sich von einer Mitgliedschaft finanzielle oder berufliche Vorteile erhoffte, oder aber aus weltanschaulicher Überzeugung Mitglied werden wollte, muss ohne weitere Akten und Dokumente bisweilen offen bleiben“, so Penning. Fest stehe, dass Bünnemeyers Antrag auf Mitgliedschaft seinerzeit nicht entsprochen worden sei. Bis zur Auflösung des Ärztebundes im Jahr 1942 blieb Bünnemeyer Anwärter. „Möglicherweise wäre ihm eine Mitgliedschaft im NSD-Ärztebund bei einem Eintritt in die NSDAP möglich gemacht worden“, so der Historiker.

Bünnemeyers positives Wirken in der Gemeinde überwiege gegenüber dem Anwärterstatus. Weitere hinderliche Gründe seien nicht auszumachen. Penning spricht sich im Zuge der Straßenbenennung für eine Erklärtafel zum Wirken des Geehrten aus.

Der Verwaltungsausschuss der Gemeinde hat der Benennung einer Straße oder eines Platzes in der Gemeinde bereits grünes Licht erteilt. Aktuell fehle es noch an einer konkreten Gelegenheit, sagte Bürgermeister Thomas Höffmann bei einem Pressegespräch, für das ein besonderes Requisit beschafft wurde: eines von Bünnemeyers drei Krads. Die Maschine, eine DKW RT 125 aus dem Baujahr 1950, hatte Jürgen Tabeling von einem Bekannten für den Termin ausgeliehen. „Ohne sein Motorrad wäre Dr. Bünnemeyer gar nicht denkbar gewesen“, betonte Thomas Höffmann.


Zur Person

  • Johannes (Hans) Bünnemeyer wurde am 16. Mai 1902 in Brockdorf (Lohne) geboren. Nach dem Abitur 1923 in Vechta studierte er in Münster, Berlin und Wien Medizin.
  • Nach ersten Anstellungen an der Frauenklinik in Elberfeld und in Essen-Werden ließ er sich 1934 als praktizierender Arzt in Garrel nieder.
  • 1942 wurde er zum Kriegsdienst einberufen. Während dieser Zeit stieg er bis zum Unterarzt auf. Nach Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft war er ab Dezember 1945 wieder in Garrel tätig. 1972 starb er infolge eines Verkehrsunfall mit seinem Motorrad.

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