Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Lebende Leichen

Kolumne: Die Generation Z zeigt's ihnen – Viele Menschen haben Angst vor dem Tod. Doch was ist, wenn man noch lebt, aber für tot erklärt wird?

Artikel teilen:

Wie ist es wohl, tot zu sein? Hoffentlich wird mein Tod nicht so stressig, wie der der Queen. Sie hat in den Tagen nach ihrem Tod mehr Orte besucht als ich in 2 Wochen Urlaub. Was aber eine noch viel interessantere Frage ist: Was ist, wenn ich als tot gelte, aber noch lebe?

Solche Geschichten habe ich in den letzten paar Wochen gleich zweimal gehört. „Manchmal ist es noch so, als könnte ich ihre Stimme hören“ trifft auf „Ich lebe ja auch noch!“. Hier gilt eigentlich nur der gängige Internet-Witz „Würde ich einen Nickel bekommen, wenn eine lebende Person für tot erklärt wird, hätte ich zwei Nickel. Das ist nicht viel, aber es ist komisch, dass es zweimal passiert ist.“

Der schockierendste Fall kommt aus Indien. Dort hatte vor ein paar Wochen der 102-jährige Duli Chand eine Party vor einem Regierungsamt gefeiert. Mit Blaskapelle, Kutsche und Hochzeitskleidung machte er auf sein Anliegen aufmerksam. Dieses lautet: „Ich lebe!“ Ein paar Monate zuvor wurden Duli Chands Rentenzahlungen gestoppt, weil die Behörden davon ausgingen, dass er tot sei. Von dem Gegenteil konnte der quicklebendige 102-Jährige sie nicht überzeugen, schreibt der Spiegel.

Traurigerweise scheint das in Chands nordindischen Bundesstaat Haryana kein Einzelfall zu sein. Als das Video der Pseudo-Hochzeitsprozession viral ging, meldeten sich laut Angaben des Spiegels etwa drei Dutzend Menschen aus Haryana, die das gleiche erlebten.

"Aber auch in unserer Nähe sind immer wieder Tote unter uns."Ella Wenzel

Mich erinnerte die Aktion gleich an meinen Besuch im Irish Whiskey Museum in Dublin. Als zu viele Iren fälschlich für tot erklärt und begraben wurden, kamen die Iren auf eine wunderbare Idee. „Wieso befestigen wir nicht Klingeln an den Gräbern, die lebendig Begrabene klingeln können, wenn sie genug von dem Begrabensein haben?“ Das „Wieso nicht?“ wurde schnell beantwortet, als irgendein armer Mensch an einem stürmischen Tag an einem irischen Friedhof vorbeigelaufen ist. Das Dauerklingeln muss fast so laut gewesen sein, wie Chands „Ich lebe!“-Protest.

Aber auch in unserer Nähe sind immer wieder Tote unter uns. So setzte die Gemeinde Edewecht unlängst einen Nachruf für ihre langjährige Mitarbeiterin Karin Lübben in die Zeitung. Eine angebrachte letzte Ehre. Es gab nur einen kleinen Haken: Karin Lübben lebt. Die Gemeinde-Mitarbeiterin nahm den Fehler mit Humor: „Jetzt weiß ich wenigstens, wenn ich ablebe, was in der Zeitung stehen wird“, wird sie später zitiert.

Bei all diesen Geschichten bin ich mir sicher: Gruselig wird der Tod nicht. Wie Mark Twain schon sagte: „Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich war Milliarden und Abermilliarden Jahre vor meiner Geburt tot gewesen und hatte nicht die geringste Unannehmlichkeit erlitten.“


Zur Person:

  • Ella Wenzel ist Volontärin der OM-Medien.
  • Die Autorin erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Lebende Leichen - OM online