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Leben mit einer unheilbaren Krankheit: Friesoyther Mediziner klären auf

Wer unter anderem mit Morbus crohn zu kämpfen hat, erfährt vielfach eine geringere Akzeptanz. In Friesoythe werden Krankheiten und Therapie bei einer Info-Veranstaltung in den Blick genommen.

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Ansprechpartner in der Ambulanz: CED-Fachkraft Simone Millhahn und Farid Alexander Jamai, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Foto: Wimberg

Ansprechpartner in der Ambulanz: CED-Fachkraft Simone Millhahn und Farid Alexander Jamai, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Foto: Wimberg

Das Thema ist sensibel und für die Betroffenen in mehrfacher Hinsicht eine Belastung. Wer unter Chronisch-Entzündlichen Darmerkrankungen (CED) leidet, leidet nicht nur unter körperlichen Beeinträchtigungen, sondern vielfach auch unter Diskriminierung und stößt auf Unverständnis.

Das Friesoyther St.-Marien-Hospital ist seit knapp 2 Jahren ein Ansprechpartner für CED-Patienten und bietet seit dem 1. November 2020 in seiner Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie seine vollumfänglichen Dienste an.

„Ein mannigfaltiges Gebiet mit ganz individuellen Krankheitsverläufen, denen wir als Team Rechnung tragen wollen“, betonte damals Farid Alexander Jamai, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, und berichtet heute über rund 120 neue Patienten und ein überregionales Interesse an der zertifizierten Ambulanz, das sogar bis Nordrhein-Westfalen reiche.

Die jüngste Patientin in der Friesoyther Ambulanz ist 15 Jahre alt

Um über Anspruch, Angebot, Arbeit und Aufgaben zu informieren, laden die Verantwortlichen Patienten und Mediziner für den 10. Oktober ins Forum des St.-Elisabeth-Hauses ein. Zwischen 18 und 20 Uhr hören die Besucher Referate zu den mit der Krankheit verbundenen Erscheinungsbildern und wie man ihnen aus verschiedenen Blickwinkeln heraus therapeutisch begegnet.

Die durchschnittliche Altersspanne, in der Menschen die Diagnose erhalten, liegt zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr sowie ab 70 Jahren. „Auch bei uns ist die jüngste Patientin 15 Jahre alt“, erklärt CED-Fachkraft Simone Millhahn. Netzwerken ist von entscheidender Bedeutung. „Wir haben Strukturen mit anderen Abteilungen im eigenen Haus aufgebaut“, verweist Jamai auf die Kooperation mit Internisten, Visceralchirurgen, Psychologen und Ernährungsberatern. Darüber hinaus gibt es eine Zusammenarbeit mit Hausärzten und Therapiezentren, wie beispielsweise mit dem Oldenburger Klinikum.

„Morbus crohn“ und „Colitis ulcerosa“ nehmen weltweit zu, eine genaue Ursache ist unbekannt. Erbliche und Umweltfaktoren sowie eine Fehlleitung des Immunsystems werden verantwortlich gemacht. Darmerkrankungen sind laut des Facharztes mit wiederkehrenden, teilweise anhaltenden kontinuierlichen Krankheitsschüben verbunden und beschränkten sich nicht nur auf den Verdauungstrakt, sondern können auch andere Organsysteme betreffen.

Um mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen, fehlen noch Selbsthilfegruppen

Im Gegensatz zu anderen Beeinträchtigungen seien Darmerkrankungen, die unter anderem einen häufigen Toilettengang bedeuten, mit einer geringeren gesellschaftlichen Akzeptanz verbunden, die sich negativ auf die sozialen Kontakte und den Arbeitsalltag auswirkten. Selbstvertrauen und Zuversicht schwinden, die Betroffenen ziehen sich zurück. Mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen, wäre wichtig. „Selbsthilfegruppen fehlen hier allerdings noch“, so der Chefarzt, der jedoch auch dieses Thema vorantreiben möchte.

Das Friesoyther Hospital sieht in der CED-Ambulanz eine weitere Spezialisierung, die im anstehenden Neubau mit „kürzeren Wegen“ und mehr Platz verbunden sein soll.


  • Info: Anmeldungen für die Teilnahme an der Informationsveranstaltung nimmt CED-Fachkraft Simone Millhahn montags (9.30 bis 15.30 Uhr) und donnerstags (15 bis 17 Uhr) unter Telefon 04491/9407343 entgegen. Per Mail ist sie unter ced@smhf.de zu erreichen.

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