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Lastruper Selbsthilfegruppe schafft "Zuversicht" für Erkrankte

Die Teilnehmer sind im Alter zwischen 33 und 70 Jahren. Eines haben sie gemeinsam: Sie leiden unter einer psychischen Erkrankung. Aber sie wollen ganz normal leben. Das bedeutet harte Arbeit.

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Lädt Betroffene zum Gespräch ein: Leiterin Marina Mende (Mitte sitzend) möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Selbsthilfegruppe „Zuversicht“ für Menschen mit Depressionen Strukturen für den Alltag geben. Foto: Kessens

Lädt Betroffene zum Gespräch ein: Leiterin Marina Mende (Mitte sitzend) möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Selbsthilfegruppe „Zuversicht“ für Menschen mit Depressionen Strukturen für den Alltag geben. Foto: Kessens

„Die sehen einen und bilden sich ein Urteil“, sagen übereinstimmend die zehn Mitglieder der Selbsthilfegruppe „Zuversicht“ für psychisch erkrankte Menschen. Sprüche wie „Die Psychos kommen“ sind keine Seltenheit. „Manchmal schämt man sich, einkaufen zu gehen“, beklagen sie. Nur kurzfristig habe es eine Änderung in der Wahrnehmung gegeben, als sich Robert Enke, der Fußballnationaltorwart, wegen einer psychischen Erkrankung das Leben nahm.

Doch verstecken wollen sich die Mitglieder der von der Kontaktstelle für Selbsthilfe initiierten Gruppe nicht. Deshalb wurde auch der positiv besetzte Name „Zuversicht“ für die Gruppe gewählt. Seit Juni dieses Jahres treffen sich die Mitglieder wöchentlich unter der Leitung von Marina Mende, zunächst mit Hilfestellung der ambulanten Wohnbetreuerin Marianne Maas.

„Die wöchentlichen Treffen sind in dieser dunklen Jahreszeit besonders wichtig“, sagte Mende. Später, wenn die Mitglieder sich weiter „angetastet“ haben, sind 14-tägige Treffen möglich.

Verschiedene Krankheiten, unterschiedliche Ursachen

Verschiedene psychische Krankheitsbilder bringen die Männer und Frauen im Alter von 33 bis 70 Jahren mit. Auslöser waren häufig schlimme Kindheitserfahrungen, Mobbing am Arbeitsplatz, Unfälle oder Angstattacken durch Gewaltanwendung. Ziel ist es für jede und für jeden, in den normalen Alltag zu kommen.

Sergei (33) beispielsweise arbeitet seit sechs Monaten in der Sportschule. Sein Tag hat eine Struktur bekommen. Als Folge seiner psychischen Erkrankungen sei er „arbeitsfaul“ gewesen, sagt er. „Ich habe mein Verhalten nicht richtig einordnen können und kein Verständnis im näheren Umfeld erfahren. Ein Aufenthalt im Landeskrankenhaus brachte schließlich die Wende. „Ich brauchte aber drei Monate, bis ich damit klargekommen bin“, gibt er zu. „Nun geht es bergauf“, freut er sich – und die anderen Gruppenmitglieder freuen sich mit ihm. Therapien und eine starre Struktur sind seine Stütze.

Sie hat alle Zelte abgebrochen

Wie Sergei wohnen bis auf Marianne (66) alle im St. Elisabeth-Stift in der ambulanten Wohnbetreuung. Dort gibt es Unterstützung für die Tagesstruktur und auch Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Ohne ambulante Wohnbetreuung würden sie nicht zurechtkommen, da sind sich alle einig. „Es tut mir gut, hier zu leben. Hier sind Menschen, die ehrlich sind“, sagt Helga (69). Marianne hat ihre Zelte vier Jahre vor der Goldhochzeit abgebrochen und versucht, ein neues Leben zu beginnen. Als sie sechs Jahre alt war, ist ihre fünf Monate alte Schwester in ihren Armen gestorben. „Keiner hat sich um meine kranke Seele gekümmert“, beklagt sie. Sie habe keine Freude empfinden können. „Obschon ich Klassenbeste war und ein glanzvolles Abitur gemacht habe“. Über 40 Jahre hinweg begleiteten Klinikaufenthalte und permanentes Medikamenteneinnehmen ihr Leben.

Auslöser für die psychischen Erkrankungen sind bei vielen die Umstände in der Familie. Gewaltanwendung oder Suchtkrankheiten spielen dabei oft eine große Rolle. Auch habe es schon Suizidversuche gegeben. „Bei mir wurde es abgetan, als Fake“, sagt eine Teilnehmerin, „das wirft mir sogar meine Tochter vor“.

„Wir gucken nach vorn“, sagen alle übereinstimmend, „da, wo wir jetzt stehen, das haben wir uns hart erarbeitet“. Unterstützung und praktische Lebenshilfe, Motivation, um Einsamkeit und Isolation zu überwinden und eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen, sind die Ziele der Selbsthilfegruppe „Zuversicht“.

  • Info: Die Gruppe trifft sich dienstags um 18.30 Uhr in der Begegnungsstätte St. Elisabeth in Lastrup. Interessierte können sich bei Fragen an Marina Mende unter Telefon 04472/3131085 oder E-Mail m_mende@t-online.de sowie über die Kontaktstelle für Selbsthilfe unter Telefon 04471/185872 wenden.

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