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Lastrup treibt sozialen Wohnungsbau voran

Im Vergleich zu anderen Kommunen steht die Gemeinde bei der Beschaffung bezahlbaren Wohnraums nicht schlecht da. Das Konzept: In neuen Baugebieten werden dafür extra Grundstücke freigehalten.

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Schwer zu finden: Preiswerte Wohnungen sind bundesweit Mangelware. Foto: dpa/Tobias Hase

Schwer zu finden: Preiswerte Wohnungen sind bundesweit Mangelware. Foto: dpa/Tobias Hase

Die Mieten steigen und bezahlbarer Wohnraum ist ein knappes Gut. Das gelte nicht nur für die Ballungsräume, sondern auch für die Gemeinde Lastrup, sagt Hans-Jürgen Reglitzki (Linke). Der Ratsherr regt deshalb die Schaffung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft an. Im Ausschuss für Jugend, Familie Soziales und Freizeit stieß sein Anliegen auf wohlwollende Ablehnung.

Denn: Eine Wohnungsbaugesellschaft für den Landkreis Cloppenburg gibt es bereits. Wie alle anderen Kommunen ist auch die Gemeinde Lastrup an ihr beteiligt. Wozu also eine zweite gründen, fragt sich  Felix Klugmann (CDU). Das taten außer Reglitzki auch die anderen Ausschussmitglieder und lehnten den Antrag ab. 

Dem Linken-Politiker geht es vor allem darum, auf das Problem aufmerksam zu machen. "Die Mietpreise galoppieren förmlich", berichtet er. Das Oldenburger Münsterland gehöre inzwischen landesweit zu den teuersten Wohngegenden. Zwischen 2010 und 2020 seien die Mieten um sagenhafte 46 Prozent gestiegen. So koste eine 60 Quadratmeter große Wohnung in Lastrup monatlich rund 450 Euro – wohlgemerkt kalt. "Für viele Menschen ist das ein echter Brocken", sagt Reglitzki. Steigende Heizkosten machten Mietern zusätzlich zu schaffen. Günstige Wohnungen seien aber so gut wie gar nicht auf dem Markt.  "Wo sind denn die Grundstücke für den sozialen Wohnungsbau", fragt der Ratsherr.

Sozialer Wohnungsbau im Neubaugebiet 

Immerhin: In Lastrup sind gar nicht so wenige im neuen Baugebiet Heiddresch zu finden. Die Gemeinde hatte sie bei der Planung mitberücksichtigt und die Vergabe der Bauplätze an Auflagen gebunden. So dürfen die Investoren zwar größere Mietshäuser errichten, die Mietenhöhe ist jedoch auf maximal 5,60 pro Quadratmeter gedeckelt. Die Deckelung gilt für 10 Jahre. Von den Vorgaben abschrecken ließen sich die Interessenten nicht. "In den ersten beiden Bauabschnitten sind bereits 45 Wohneinheiten geschaffen worden", berichtet Bürgermeister Michael Kramer. Die Angebote der Wohnungsbaugesellschaft hinzugerechnet, kommt die Gemeinde auf 76 Sozialwohnungen. Damit habe Lastrup bei der Schaffung bezahlbaren Mietraums bereits mehr erreicht, als viele andere Kommunen, findet Kramer.

Das bestätigt auch Markus Riesenbeck. Der Geschäftsführer der kreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft hält die Lastruper Vorgehensweise für sinnvoll. "Sie setzt aber voraus, dass sozialer Wohnungsbau bei der Planung eines neuen Wohngebietes von Anfang an vorgesehen ist." Auch in Eigenheimsiedlungen würden Mietshäuser von den Nachbarn akzeptiert, falls sie nicht zu groß seien. "Ein Haus mit 20 Wohnungen wäre in Lastrup sicherlich fehl am Platz", sagt Riesenbeck. 4 bis 8 Parteien hält er dagegen für "darstellbar". 

Neues Mehrfamilienhaus: Im Lastruper Heiddresch sind mehrere Grundstücke für den sozialen Wohnungsbau reserviert. Foto: Meyer Neues Mehrfamilienhaus: Im Lastruper Heiddresch sind mehrere Grundstücke für den sozialen Wohnungsbau reserviert. Foto: Meyer 

Die Wohnungsbaugesellschaft verfolgt zurzeit Projekte in mehreren Kommunen, darunter auch in Lastrup. Dort soll ein abrissreifes Mietshaus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Gefördert werden die Vorhaben mithilfe der landeseigenen N-Bank. Die Mietenhöhe von 5,60 Euro ist laut Riesenbeck bereits seit Jahren stabil. "Aber wegen der Preissteigerungen beim Wohnungsbau können wir auch Erhöhungen nicht ausschließen", schränkt er ein. Die Frage, ob der soziale Wohnungsbau dem Bedarf hinterherkomme, ließe sich nicht leicht beantworten. Einfach nur drauflos bauen, sei offenbar keine Lösung. "Wenn wir in einem Jahr 100 Wohnungen anbieten und im Jahr darauf die gleiche Zahl, dann aber nur noch 50 Nachfragen da sind, hätten wir am Bedarf vorbeigeplant". Die Bedarfe könnten sich kurzfristig wieder ändern, die Bauwirtschaft sei dagegen weniger flexibel.

"Die Nachfrage auf Investorenseite ist riesig."Michael Kramer, Bürgermeister

Michael Kramer sieht sich und seine Kommune auf dem richtigen Weg. Wer eine der geförderten Wohnungen mieten möchte, müsse dafür einen Berechtigungsschein vorlegen. Viele Menschen kommen inzwischen finanziell in die Bredouille, weiß er. Dazu gehörten vor allem Ältere mit schmaler Rente, die ihr Leben lang hart gearbeitet hätten. Die künftigen Vermieter hätten dies erkannt und anfängliche Vorbehalte gegenüber der Klientel schnell abgebaut, sagt der Bürgermeister.  „Die Nachfrage auf Investorenseite ist riesig", freut er sich. Seine Verwaltung achte zudem darauf, dass sich die Mietshäuser möglichst harmonisch in die neuen Siedlungen einfügen. 

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