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Lange Geschichte, unsichere Zukunft: Steinfelder Pfadfinder werden 60 Jahre alt

Am Sonntag (18. September) feiert der Stamm von Schagen Steinfeld seinen runden Geburtstag mit einem großen Fest. Die Pfadfinder haben bewegte Zeiten hinter sich.

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Lagebesprechung in der Natur: Am Roverlager 1963 in Achmer nahmen (von links) Gerd Hartmann, Herbert Kruse, Klaus und Dieter Bokern sowie Heinz-Georg Overmeyer teil. Foto: Archiv Pfadfinder

Lagebesprechung in der Natur: Am Roverlager 1963 in Achmer nahmen (von links) Gerd Hartmann, Herbert Kruse, Klaus und Dieter Bokern sowie Heinz-Georg Overmeyer teil. Foto: Archiv Pfadfinder

Den Steinfelder Pfadfindern steht am Sonntag (18. September) ein großes Fest bevor: Der Stamm von Schagen Steinfeld der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) besteht nunmehr seit 60 Jahren. Der frühere Vorsitzende Wolfgang Pohl erklärt, dass die Wurzeln der Gruppe aber noch weiter zurückliegen.

Gegründet wurde der Stamm in Steinfeld 1962, erklärt Pohl. Die Pfadfinder-Gruppe entstand aus der St.-Sebastian-Jugend, die vom Pater Willehad Zinnecker gegründet wurde. Diese Gruppe veranstaltete unter anderem Fahrradausflüge und Zeltlager. Da Mitglieder der Jugendgruppe immer wieder den Pfadfindern in Damme und Lohne beitraten, kam die Idee auf, die Steinfelder Pfadfinder zu gründen. Das geschah 1962.

Zu den ersten Aktivitäten gehörten Radtouren, Wanderungen und Zeltlager. Irgendwann wurde auch ein Theaterstück aufgeführt – es hieß "Das Lied der Wölfe". Pohl sagt: "Dann nahm die Entwicklung ihren Lauf." Die Pfadfinder übernahmen soziale Aufgaben. So besuchten sie in den 60er Jahren etwa regelmäßig das Waisenhaus in Damme. In den 70ern initiierten sie den Weihnachtsbasar in Steinfeld. Dieser fand zu Anfang im Hotel Deters statt, irgendwann wanderte er auf den Marktplatz. Mittlerweile habe sich daraus der Steinfelder Weihnachtsmarkt entwickelt, sagt Pohl.

Plötzlich brennt das Pfadfinder-Heim

Im Laufe der Jahre haben sich die Pfadfinder auch vernetzt. So konnten sie gemeinsam mit dem Rehazentrum Dinklage und dem Andreaswerk einige Sommerzeltlager für Behinderte im rheinland-pfälzischen Westernohe anbieten. Hinzu kommen Partnerschaften mit Pfadfindern aus anderen Ländern – so haben die Steinfelder Pfadfinder Kontakte in der Slowakei, in Togo und in Polen.

Ausflüge und Naturerlebnisse: In den letzten 60 Jahren haben die Steinfelder Pfadfinder viele Ausflüge gemacht – zum Beispiel die Rover Floßfahrt auf der Ardèche im Jahr 1980. Foto: Archiv PfadfinderAusflüge und Naturerlebnisse: In den letzten 60 Jahren haben die Steinfelder Pfadfinder viele Ausflüge gemacht – zum Beispiel die Rover Floßfahrt auf der Ardèche im Jahr 1980. Foto: Archiv Pfadfinder

Trotz der langen Geschichte seien die Werte und Ziele der Pfadfinder immer gleich geblieben, erklärt Pohl. Durch die Aktionen, bei denen sich die Gruppe selbst versorgen muss, lernen die Kinder und Jugendlichen Selbstständigkeit und Struktur kennen, sagt der Steinfelder. Dazu gehöre es auch zu scheitern – nur so funktioniere learning by doing.

In seiner Historie musste der Steinfelder Stamm auch einige Male umziehen. So befand sich das Pfadfinderheim zu Beginn in der leerstehenden Volksschule in Steinfeld. Als diese abgerissen wurde, fand die Gruppe temporär in einem Schweinestall Obdach. Mitte der 70er Jahre zog der Verein dann in ein leerstehendes Heuerhaus in Holthausen um. Zu einem weiteren Umzug kam es Ende der 80er. Am 1. August 1988 brannte dann das Pfadfinderheim ab – es handelte sich laut Pohl um Brandstiftung. 

Viele der Feuerwehrleute waren auch Pfadfinder und konnten wichtige Unterlagen wie Fotos und die Pfadfinderpässe retten. Pohl, der zu dem Zeitpunkt schon Pfadfinder war, erinnert sich daran, dass die Solidarität in Steinfeld groß war. Der Stamm erhielt einige Spenden. Kurzfristig konnte die Gruppe in leerstehenden Büroräumen am Bahnhof unterkommen. Danach ging es dann schließlich auf das alte Militärgelände an der Dammer Straße, welches sich die Gruppe selbst herrichtete.

Tragödie im Jahr 1988: Bei einem Feuer brannte das Pfadfinderheim komplett aus. Es handelte sich um Brandstiftung. Foto: Archiv PfadfinderTragödie im Jahr 1988: Bei einem Feuer brannte das Pfadfinderheim komplett aus. Es handelte sich um Brandstiftung. Foto: Archiv Pfadfinder

Film von Wolfgang Pohl zeigt Geschichte der Pfadfinder durch Interviews

Die Informationen über die Anfänge der Pfadfinder hat Pohl einer Chronik aus dem großen Jubiläumsjahr 1987 entnommen: Die Gemeinde Steinfeld wurde 800, die Pfadfinder 25 Jahre alt. Zu diesem Anlass erstellten die Pfadfinder eine Chronik ihrer eigenen Geschichte. Pohl selbst trägt nun auch seinen Teil zu der Historie bei. Auf der Grundlage der damals erstellten Annalen hat er einen Film über die Steinfelder Pfadfinder erstellt. 

Aktuell stehen die Pfadfinder vor einer großen Herausforderung. Seit den 2000ern seien die Mitgliederzahlen rückläufig, sagt Pohl. 1988 hatte der Steinfelder Stamm rund 120 Aktive, jetzt sind es noch um die 20. Mit den drei Gruppenleitern, die es aktuell gibt, sei das Führen von mehr als zwei Gruppen nach seinen Angaben schwer möglich. Ans Aufgeben denke er aber noch lange nicht, sagt Pohl.

  • Info: Die große Feier findet am Sonntag (18. September) von 11 bis 18 Uhr statt. Sie beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst, es folgt der Frühschoppen. Für die Unterhaltung sorgen unter anderem der Clown Ati, eine Hüpfburg und Spiele. Kinder und Jugendliche essen und trinken kostenlos. Wolfgang Pohls Film mit Interviews verschiedener Personen zu den Pfadfindern wird um 14.30 und 17 Uhr vorgestellt.
Jungpfadfinder 1992 auf Tour in Mannheim: (von links) Sonja Deters, Christian Stuke, Christian Lux, Martina Burke und Marejke Visser. Foto: Archiv PfadfinderJungpfadfinder 1992 auf Tour in Mannheim: (von links) Sonja Deters, Christian Stuke, Christian Lux, Martina Burke und Marejke Visser. Foto: Archiv Pfadfinder

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