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Landvolk überbringt die Erntekrone – und zieht Bilanz

Im Landkreis Vechta gab es ein gutes Ackerbaujahr. Derweil sind aber erste Einbußen durch die Düngeauflagen in Roten Gebieten spürbar. Schweine- und Geflügelhalter leiden unter niedrigen Preisen.

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Halten die Tradition hoch: (von links) Dr. Johannes Wilking, Markus gr. Hackmann, Heinz Göttke, Dr. Friedrich Willms, Erster Kreisrat Hartmut Heinen, Reinhard Evers und Landrat Herbert Winkel. Foto: Tzimurtas

Halten die Tradition hoch: (von links) Dr. Johannes Wilking, Markus gr. Hackmann, Heinz Göttke, Dr. Friedrich Willms, Erster Kreisrat Hartmut Heinen, Reinhard Evers und Landrat Herbert Winkel. Foto: Tzimurtas

Bei Heinz Göttke in der Scheune haben sie sich getroffen. Es sei "ein größeres Team" gewesen. Innerhalb eines Abends war die Krone zum Erntedankfest gebunden, um im Vechtaer Kreishaus ihren Platz zu finden. Das Prachtstück brachte Göttke, Vorsitzender des Lohner Landvolks, am Montag per Hänger zu seinem Bestimmungsort.

Mit dabei waren Reinhard Evers (2. Vorsitzender) und Markus gr. Hackmann (dritter Vorsitzender) sowie Dr. Johannes Wilking, der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes Vechta (KLV) und Dr. Friedrich Willms, KLV-Geschäftsführer.

"Das war für uns eine Ehre."Heinz Göttke, Vorsitzender des Lohner Landvolks

Seit 2015 ist es Brauch, dass ein Ortsverband des Kreislandvolks die Krone zum Erntedank bindet, damit sie im Foyer des Vechtaer Kreishauses aufgehängt wird, wo sie bis Weihnachten ihren Platz hat. Diesmal waren die Lohner an der Reihe. "Das war für uns eine Ehre", sagte Göttke.

Zur Hälfte aus Weizen und zur Hälfte aus Roggen besteht das imposante Geflecht mit seinen 4 Streben, Maiskolben sind als Zierde angebracht. Etwa 100 Kilo wiegt die Krone, die 1,4 Meter breit und ebenso hoch ist. 100 Quadratmeter wurden dafür abgeerntet – was einer Reise in die Vergangenheit glich. Denn die Arbeiten seien "mit Oldtimern" ausgeführt worden, die die Lohner Treckerfreunde zur Verfügung gestellt hatten, berichtete Göttke.

Landrat Herbert Winkel dankte für das „wunderschöne“ Exemplar. Der seit 2015 bestehende Brauch, zum Erntedankfest eine Krone aus Getreide im Kreishaus aufzuhängen, zeige die Verbundenheit des Landkreises mit der Landwirtschaft – auch wenn es über das eine oder andere Thema Diskussionen gebe.

Gute Getreidepreise, aber hohe Kosten für Dünger

Winkel, der bald aus dem Amt scheidet, hob hervor, dass er zum letzten Mal die Erntekrone als Landrat in Empfang nehme. Und es sei für ihn "eine besondere Ehre", als Lohner vom Lohner Landvolk das Geflecht zu erhalten.

Der Termin ist traditionell auch die Gelegenheit zum politischen Austausch zwischen dem Landvolk und der Verwaltungsspitze; so nahm auch der Erste Kreisrat Hartmut Heinen an der Runde teil. Das Kreislandvolk stellt zudem die Erntebilanz vor.

Zunächst habe es 2021 "sehr gut" auf den Feldern ausgesehen, doch dann habe die Qualität der Körner häufig zu wünschen übrig gelassen, sagte der KLV-Vorsitzende Wilking. Unterm Strich sei es dennoch ein gutes Ackerbaujahr vor Ort gewesen.

Auf dem Weg ins Kreishaus: Heinz Göttke (vorn) und Reinhard Evers tragen die Erntekrone in Richtung Foyer. Foto: Tzimurtas Auf dem Weg ins Kreishaus: Heinz Göttke (vorn) und Reinhard Evers tragen die Erntekrone in Richtung Foyer. Foto: Tzimurtas

Während der Weizenertrag mit 74,7 Dezitonnen (dt) pro Hektar (h) im niedersachsenweiten Vergleich unterdurchschnittlich gewesen sei, sei das Ergebnis bei Roggen (70,2 dt/h), Triticale (65,7 dt/h) und Gerste (69,9 dt/h) sehr gut. Wilking sagte aber auch, dass sich bereits Einbußen aufgrund der Düngeauflagen in Roten Gebieten (Zonen mit zu hohen Nitratwerten im Grundwasser) bemerkbar machen würden.

Die Kartoffelernte verspreche im Vergleich zu den vergangenen Jahren gut zu werden. Die in diesen Tagen startende Maisernte werde besser als 2020 ausfallen. Allerdings hätten einige Flächen durch Regen stark gelitten. Die Getreidepreise bezeichnete Wilking als gut, für Raps seien sie außerordentlich gut. Allerdings seien die Düngerpreise um 50 bis 70 Prozent gestiegen im Vergleich zu 2020.

Bei Obst und Gemüse habe es durch die Corona-Pandemie bedingt erneut Schwierigkeiten gegeben. Hinzu komme, dass es bei Erdbeeren sehr schlechte Preise und eine mäßige Ernte gegeben habe, Wilking sieht auch "brutale Prozesse" im Umgang des Lebensmitteleinzelhandels mit hiesigen Erzeugern.

Wilking fordert Abkommen mit Drittstaaten

Auch dies kam zur Sprache: Gewaltige Probleme haben derzeit insbesondere die Schweine-, aber auch die Geflügelhalter wegen extrem niedriger Preise. Wilking forderte Abkommen mit Drittstaaten für den Export von Schweinefleisch aus Gebieten ohne Afrikanischer Schweinepest (ASP). Der Geflügelabsatz leide noch stark an den Folgen der Vogelgrippe, davon seien insbesondere Putenhalter betroffen.

Winkel: Bundesregierung soll sich der Landwirtschaft annehmen

Winkel betonte: Zwar sei der Landkreis glücklicherweise von einem ASP-Ausbruch verschont geblieben, aber im Zuge der Vogelgrippe habe es im März 8 Ausbrüche vor Ort gegeben. Winkel listete die Tötungen auf, die notwendig waren. Die Gesamtzahl beläuft sich auf 232.560 Tiere.

Winkel hob die starke wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft für den Landkreis Vechta hervor. Viele Betriebe würden davon abhängen, sagte er mit Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette vor Ort. "Das wollen wir uns erhalten." Er appelliere in Richtung Berlin, dass die neue Bundesregierung "sich dieser Dinge annimmt" – und nicht neue Bürokratie schafft.

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