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Landkreise weisen Kritik des Corona-Krisenstabes in Hannover zurück

Der Leiter des Krisenstabs, Heiger Scholz, forderte von den Kommunen mehr Tempo beim Impfen. Der Kreis Cloppenburg will das so nicht stehen lassen. Im Kreis Vechta fühlt man sich nicht angesprochen.

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Lange Schlangen im Landkreis Cloppenburg: Wer wie hier in Garrel das mobile Impfangebot in Anspruch nehmen will, muss Wartezeit mitbringen. Archivfoto: Högemann

Lange Schlangen im Landkreis Cloppenburg: Wer wie hier in Garrel das mobile Impfangebot in Anspruch nehmen will, muss Wartezeit mitbringen. Archivfoto: Högemann

Niedersachsens Corona-Krisenstab hat die Kommunen in die Pflicht genommen, das Impftempo weiter zu erhöhen. Derzeit führten die mobilen Impfteams etwa 10.000 Impfungen pro Tag durch, erklärte der Leiter des Krisenstabs, Heiger Scholz, am Donnerstag im Gesundheitsausschuss des Landtags. Dabei gebe es allerdings deutliche Unterschiede zwischen den Landkreisen. In einigen Regionen sei es angesichts zahlreicher Neuinfektionen „dringend geboten“, in Sachen Impfung aktiver zu werden.

„Wir müssen feststellen, dass noch nicht mal alle Landkreise dazu übergegangen sind, alle Impfteams zu mobilisieren, die sie mobilisieren könnten“, erklärte Scholz. „Da sind wir im intensiven Austausch mit den Landrätinnen und Landräten.“ So seien in einzelnen Landkreisen die Impfteams nur an einigen Tagen pro Woche unterwegs statt täglich. Scholz bezeichnete das als „verwunderlich“.

"Die insgesamt geringe Impfquote erklärt sich unter anderem dadurch, dass viele Menschen im Landkreis Cloppenburg die Impfung aus persönlichen bezeihungsweise religiösen Gründen ablehnen."Frank Beumker, Pressesprecher des Landkreises Cloppenburg

Die Cloppenburger Kreisverwaltung bewertet "die Impfungen durch die mobilen Impfteams, neben den niedergelassenen Ärzten und den Betriebsärzten, "grundsätzlich positiv", erklärt Kreissprecher Frank Beumker auf Anfrage von OM Online. Man habe in der Vergangenheit jedem Bürger ein Impfangebot unterbreitet. Das Problem: "Die insgesamt geringe Impfquote erklärt sich unter anderem dadurch, dass viele Menschen im Landkreis Cloppenburg die Impfung aus persönlichen beziehungsweise religiösen Gründen ablehnen." Weiterer Faktor sei der überdurchschnittliche Anteil von Kindern. Die niedrige Impfquote sei also nicht durch "fehlendes Aktiv-Werden vonseiten des Landkreises" zu begründen.

Um die Impfquote - auch bei den Booster-Angeboten - zu erhöhen, "muss man uns deutlich unkompliziertere und pragmatische Lösungen ermöglichen", betont Beumker. Explizit nennt er dabei die ehrenamtlichen Helfer des Deutschen Roten Kreuzes. Dieses Engagement müssen auch honoriert werden. Wie bereits berichtet, bekam das DRK Cloppenburg 50.000 vom Kreis für den Einsatz ehrenamtlicher Helfer im Impfzentrum. Dass das Geld in die Bereitschaftskassen floss, sorgte für Kritik beim Bund der Steuerzahler und beim Gesundheitsministerium in Hannover.  Sozialministerin Daniela Behrens hatte bereits kundgetan, dass das Land die Kosten nicht erstatten werde. 

Beumker wendet nun ein, dass der Einsatz von Ehrenamtlichen nicht nur das Impfgeschehen beschleunige, sondern auch Steuermittel spare. "Hier wünschen wir uns im Sinne der Sache deutlich mehr Flexibilität und Beweglichkeit", so Beumker.

"Von der Aussage des Staatssekretärs fühlen wir uns nicht angesprochen."Jochen Steinkamp, Pressesprecher des Landkreises Vechta

Von der Kritik fühlt man sich im Vechtaer Kreishaus nicht angesprochen. "Nach Schließung der Impfzentren am 30. September hat der Landkreis Vechta die Impfkampagne mit einem mobilen Impfteam am 4. Oktober fortgeführt", erklärt Kreissprecher Jochen Steinkamp gegenüber OM Online. Das Team sei "seit jeher mit zwei Impfgruppen" unterwegs - und das an fünf Tagen in der Woche. Dabei werden "sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch durch Impftermine in den Städten und Gemeinden Impfungen angeboten“, so Steinkamp.

Das Land hat den Kommunen den Auftrag erteilt, mehr mobile Impfteams aufzubauen, sodass künftig ein Impfteam auf 40.000 statt wie bisher 70.000 Einwohner kommen kann. Die Kosten dafür übernimmt das Land, voraussichtlich zusammen mit dem Bund. Um das benötigte Personal zu finden, arbeiten die Landkreise meist mit Hilfsorganisationen zusammen, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Mittwoch erklärt hatte. Das sei eine Herausforderung. Es gebe aber noch keine Anzeichen für einen flächendeckenden Personalmangel.

Die Cloppenburger Kreisverwaltung kündigte auf Anfrage von OM Online, dass ein zweites Impfteam kurzfristig eingesetzt werden soll. "Eine weitere Aufstockung ist in Planung und der Landkreis bemüht sich aktiv um die Umsetzung", berichtet Beumker. Er wandte abschließend auch noch ein: "Verstärkt wird das Problem durch das geplante Auslaufen der epidemischen Notlage von nationaler Tragweite, sodass nun viele Ehrenamtliche nicht mehr wie bisher freigestellt werden können, um die mobilem Impfteams zu unterstützen."

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