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Landkreis wehrt sich gegen Vorwürfe

Nach einem Corona-Ausbruch in einem Böseler Pflegeheim erhebt dessen Pflegedienstleiter Vorwürfe gegen das Gesundheitsamt. Der Landkreis verweist auf fehlende Möglichkeiten und hat seinerseits Fragen.

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Nach einem Corona-Ausbruch im Altenwohn- und Pflegeheim Edith Stolte sind die Pflegedienstleitung des Heimes und der Landkreis mit der Arbeit des jeweils anderen unzufrieden. Foto: Pille

Nach einem Corona-Ausbruch im Altenwohn- und Pflegeheim Edith Stolte sind die Pflegedienstleitung des Heimes und der Landkreis mit der Arbeit des jeweils anderen unzufrieden. Foto: Pille

Mit deutlichen Worten hat der Landkreis den Vorwurf zurückgewiesen, er habe das Böseler Altenwohn- und Pflegeheim Edith Stolte bei einem Corona-Ausbruch zwischen Weihnachten und Neujahr "im Stich gelassen". Das Kreisgesundheitsamt habe, so der Pressesprecher des Kreises, Sascha Sebastian Rühl, die Einrichtung im Rahmen seiner Möglichkeiten umfassend betreut.

Die Möglichkeiten seien allerdings, so Rühl, begrenzt gewesen, denn zum Zeitpunkt des Ausbruchs in dem Heim hätten die Labore, mit denen der Landkreis zusammenarbeitet, keine Kapazitäten mehr gehabt. "Wir haben dann zahlreiche andere Labore angerufen, aber nirgendwo eine Zusage bekommen", sagt Rühl. "Normalerweise hätten wir natürlich ein Team hingeschickt, um Abstriche zu nehmen." Da aber keine Möglichkeit bestand, die Tests im Labor zu untersuchen, sei der nächste mögliche und logische Schritt der Verweis an einen Hausarzt gewesen. "Hausärzte arbeiten mit anderen Laboren zusammen, die aber aus Abrechnungsgründen wiederum nicht für den Landkreis arbeiten dürfen."

Unbürokratisch Arbeitsquarantäne ermöglicht

Darüber hinaus habe das Gesundheitsamt es unbürokratisch gestattet, positiv getesteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Symptomfreiheit die sogenannte Arbeitsquarantäne zu ermöglichen. Damit können diese Mitarbeiter ausschließlich mit ebenfalls positiv getesteten Bewohnern arbeiten. Dadurch sei es dem Heim ermöglicht worden, Personalengpässe zu vermeiden.

In dem Wohn- und Pflegeheim waren bei den routinemäßigen täglichen Schnelltests vor Weihnachten neun Infektionen unter den Bewohnern entdeckt worden. Letztendlich waren am Ende alle 20 Bewohner und 20 der 27 Pflegekräfte mit Covid-19 infiziert. Pflegedienstleiter Daniel Meenken hatte sich in diesem Zusammenhang über eine mangelnde Unterstützung durch das Gesundheitsamt beklagt. 

„Vom Kreisgesundheitsamt haben wir keine Unterstützung bekommen, sie haben uns hängen lassen.“Daniel Meenken, Pflegedienstleiter

Man sei „sehr unzufrieden“ mit dem Kreisgesundheitsamt, sagt Meenken: „Von da haben wir keine Unterstützung bekommen, sie haben uns hängen lassen.“ Der Verweis an die Hausärzte sei „nicht sehr hilfreich“ gewesen,  da diese alle im Urlaub gewesen seien. Schließlich habe der Friesoyther Hausarzt Frank-Peter Zimmermann im Notdienst sämtliche Abstriche für die PCR-Tests bei den Bewohnern des Pflegeheims genommen.

Ohne Labortests blieben hingegen die erkrankten Mitarbeiter, die erst am 28. Dezember die Hausärzte aufsuchen konnten, um zu einem Test zu gelangen. Hilfe, die Personallücke zu schließen, die durch die anschließende Quarantäne entstanden, habe es nicht gegeben, so der Pflegedienstleiter. Offenbar habe es beim Landkreis dafür keinen „Plan B“ gegeben. Meemken: „Wir waren denen egal“. Die Folge war, dass teilweise Dienste nicht abgedeckt werden konnten.

"Bei einer strikten Beachtung der Hygieneregeln gibt es eigentlich keine Ansatzpunkte, die eine Ausbreitung in diesem Maß erklären würden."Sascha Sebastian Rühl, Pressesprecher des Landkreises

Doch auch der Landkreis scheint mit der Arbeit der Pflegeeinrichtung nicht durchweg zufrieden zu sein. Man müsse eingehend prüfen, so Rühl, warum es dazu kommen konnte, dass sämtliche Bewohner infiziert werden konnten, obwohl es nach dem ersten Besuch keinen Kontakt von außen mehr gegeben habe. "Es liegt auf der Hand, dass eine mehrfache Übertragung zwischen den Bewohnern und dem Personal stattgefunden haben muss. Bei einer strikten Beachtung der Hygieneregeln gibt es eigentlich keine Ansatzpunkte, die eine Ausbreitung in diesem Maß erklären würden."

Zudem sei bei einer Prüfung des Hygienekonzepts der Einrichtung aufgefallen, dass die verwendete Mustervorlage des Landesgesundheitsamts wohl nicht auf die örtlichen Bedingungen angepasst worden sei. Auch Zuständigkeiten seien in dem Konzept nicht geklärt. "Es ist wichtig, nicht nur ein Hygienekonzept zu besitzen, weil es vorgeschrieben ist, sondern es auch mit Leben zu füllen, damit es Wirkung zeigen kann", betont Rühl. In wieweit das in Bösel geschehen ist, soll jetzt geklärt werden.

Der gesamte Vorfall wird vom Gesundheitsamt eingehend geprüft werden, heißt es aus dem Kreishaus. "Gleichzeitig ist die Kreisverwaltung glücklich darüber, dass es nicht zu schweren Krankheitsverläufen oder gar Todesfällen gekommen ist und sich ein solches Szenario in dieser Art durch die bald in den Altenpflegeeinrichtungen abgeschlossenen Impfungen wohl nicht wiederholen wird", sagt Rühl. Zumindest in diesem Punkt sind Daniel Meenken und der Landkreis einer Meinung.

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