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Landkreis schafft Zeltdörfer für Geflüchtete in Lastrup

Mehr als 400 Menschen sollen in einer Gewerbehalle untergebracht werden können. Wie viele Zuweisungen der Landkreis erhält, ist völlig offen und hängt auch vom Verlauf des Krieges in der Ukraine ab.

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Im Eiltempo (von links): Johannes Wilhem (DRK), Johann Wimberg, Josef Pahls (Gemeinde Lastrup), Dr. Lydia Kocar und Jan Hoffmann begutachten die Vorbereitungen für die neue Erstaufnahme. Foto: Meyer

Im Eiltempo (von links): Johannes Wilhem (DRK), Johann Wimberg, Josef Pahls (Gemeinde Lastrup), Dr. Lydia Kocar und Jan Hoffmann begutachten die Vorbereitungen für die neue Erstaufnahme. Foto: Meyer

In einer Gewerbehalle in Lastrup entsteht zurzeit eine Großunterkunft für bis zu 420 Flüchtlinge. Der Landkreis Cloppenburg hat die Halle für ein Jahr angemietet. Bis Anfang kommender Woche soll sie aufnahmebereit sein.

In dem 2500 Quadratmeter großen Gebäude werden jetzt fünf durch Sichtschutz voneinander abgetrennte Zeltdörfer entstehen. Dadurch solle der Halleneindruck ein wenig kaschiert werden, erklärt Dr. Lydia Kocar, Referatsleiterin beim Landkreis. Das Konzept haben sich die Cloppenburger aus Hannover abgeschaut. Dort wurden in einer Messehalle ähnliche Zeltdörfer aufgebaut, die mehr als 1000 Schlafplätze anbieten.  

910 Kriegsflüchtlinge waren am Mittwoch bei den Behörden im Landkreis gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, denn die meisten Ukrainer können noch privat untergebracht werden. Das dürfte sich bald ändern. Inzwischen hat das Land mit den Zuweisungen begonnen. Täglich kommen jetzt 14 Menschen an. Es seien vor allem Frauen und Kinder, berichtet Dr. Kocar. Dem Landkreis liegen mittlerweile auch rund 300 Wohnungsangebote vor. "Wir wissen aber zu diesem Zeitpunkt nicht, wie viele Geflüchtete wir wirklich zu erwarten haben", sagt Landrat Johann Wimberg. Die Verwaltung habe daher nach einer geeigneten Erstaufnahmeeinrichtung gesucht. "Der Standort in Lastrup bot die besten Voraussetzungen. Hier können wir die Menschen mit gutem Gewissen unterbringen."

Mobile Sanitäranlagen sind schon vorhanden

Wie der Zufall es will, wurden in der Halle noch vor einiger Zeit mobile Sanitäranlagen hergestellt. Der Betrieb hat zwar inzwischen aufgegeben und die Halle wurde verkauft. Acht mit Toiletten oder Duschen ausgestattete Container befanden sich aber noch im Innern. Sie werden jetzt draußen aufgestellt und an das Kanalnetz angeschlossen. "Das ist für uns ein echter Glücksfall", sagt Jan Hoffmann, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes. Das DRK übernimmt die Betreuung. In einem Nebengebäude soll die Verwaltung untergebracht werden. Dort ist auch Platz für weitere soziale Angebote. An ein Impfzentrum wird ebenfalls gedacht. Rund ein Drittel der Geflüchteten sollen zwar geimpft sein, das jedoch überwiegend mit dem in der EU nicht zugelassenen Sputnik-Vakzin. "Im Prinzip müssen wir alle impfen", bestätigt Dr. Kocar. 

In den nächsten Tagen wartet noch viel Arbeit auf die zumeist ehrenamtlichen Helfer. Das Ausräumen und den Ausbau der Zelte übernehmen das Technische Hilfswerk (THW) und die Freiwillige Feuerwehr Lastrup. "Dafür sind wir sehr dankbar", betont Johann Wimberg. Ohne Ehrenämtler sei die große Aufgabe nicht zu schaffen. Zum Glück könne man auf die Erfahrungen aus 2015 aufbauen. Erschwerend komme allerdings die noch immer nicht bewältigte Pandemie hinzu. "Die Beanspruchung ist gewaltig", sagt Wimberg. Die Bürger hätten sich einen Ausgleich verdient. "Daher ist unser Ziel, auf die Umnutzung von Sporthallen oder Dorfgemeinschaftshäusern zu verzichten." Fest versprechen könne er dies allerdings nicht.

Unser Ziel ist, auf die Umnutzung von Sporthallen zu verzichten.Johann Wimberg, Landrat

Über die große Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung zeigten sich Wimberg und Dr. Kocar ebenso erfreut wie die Vertreter des DRK. Jan Hoffmann rät jetzt aber von selbst organisierten Hilfstransporten ab. Geldspenden seien nützlicher. "Die Hilfsorganisationen haben sich gut aufgestellt und bieten die geeigneten Strukturen." Mit dem Geld könnten die benötigten Güter in Polen eingekauft werden. Das Rote Kreuz arbeite außerdem mit seiner ukrainischen Schwesterorganisation zusammen. Inzwischen seien Hilfskorridore im Land eingerichtet worden. 

Er sehe den guten Willen, der hinter den vielen privaten Aktionen stecke, betont Hoffmann. "Das Engagement ist toll. Wir werden es auch hier vor Ort benötigen." 

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