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Lachen die Schwestern in Dinklage?

Kolumne: Auf ein Wort – Die christliche Tradition tat sich einst schwer mit dem Lachen. Gut, dass es auch "Spaßmacher Gottes" gibt. Dafür reicht oft ein Blick vor die eigene Haustür.

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Münchner U-Bahn, Montagmorgen: verkniffene Gesichter. Eine Frau mit dem Handy vor der Nase fängt an zu lachen. Prustet vor sich hin und lacht immer lauter. Keiner weiß, warum. Die Mundwinkel der linken Nachbarin gehen nach oben. Die Jungs gegenüber finden’s cool und stimmen ein. Irgendwann lacht der ganze Waggon! Und vielleicht ist Ihnen jetzt auch ein Lächeln übers Gesicht gehuscht!?

Phillipp Neri, der Heilige des heutigen Tages, hätte – wäre er in der Münchner U-Bahn dabei gewesen – sicher schallend mitgelacht. Galt der Ordensgründer aus dem 16. Jahrhundert als "Spaßmacher Gottes" und "Narr in der Soutane". Theologisch hat er sich damit nicht durchgesetzt: Die christliche Tradition tat sich schwer mit dem Lachen.

Benedikt von Nursia beispielsweise hat das belanglose und zum Lachen führende Geschwätz in seiner Regel – auch Grundlage der Schwestern in Dinklage – abgelehnt. In Umberto Ecos weltberühmtem Roman "Der Name der Rose" wird heftig darum gestritten, ob Christus gelacht hat. Was Jesus sicher nicht getan hat: gelacht auf Kosten eines anderen. Oder einer Gruppe. Denn es gibt das teuflische Stammtischfeixen, bei dem sich zehn über den Elften lustig machen, obwohl er mit am Tisch sitzt.

"Nach der Verkündigung der Auferstehung wurde ganz offiziell zum erlösten und befreiten Lachen ermuntert."Dietmar Kattinger

Oder das abwertende Lachen über die Mitschülerin, die ihre Vokabeln nicht kann. Über den Mann, der in der Fußgängerzone sein kürzeres Bein nachziehen muss. Das schallende Verächtlichmachen des Chefs, weil ihm die Arbeit des Angestellten nicht passt.

Phillip Neri hat keine großen Werke hinterlassen. Im Gegenteil: Seine Bücher hat er verkauft, Kranke gepflegt, sich um verwahrloste Kinder und Jugendliche gekümmert. Menschen habe er gleichzeitig in heiteren Gesprächen belehrt. Allein aber durch sein Wesen hat er etwa Ignatius von Loyola, den Gründer des Jesuitenordens, beeinflusst.

Auch Pfingsten ist ein Fest des Lachens

Die Heiterkeit ist also vom Teufel? An zentraler Stelle hat die Kirche ihren Wert aufgegriffen: Während der Osternacht wurde der Tod im Mittelalter laut und hörbar verlacht. Nach der Verkündigung der Auferstehung wurde ganz offiziell zum erlösten und befreiten Lachen ermuntert.

'Liebe, Freude, Friede, Freundlichkeit und Güte' bezeichnet Paulus unter anderem als Frucht des Geistes von Pfingsten. Von Gott selbst heißt es in den Psalmen: "Er, der im Himmel thront, lacht!" Und bei den Schwestern in Dinklage: Wird da erlöst und befreit gelacht? Gehen Sie hin. Schauen Sie selbst.


Zur Person

  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail unter redaktion@om-medien.de.

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