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Kurze Shorts und schöne dicke Pullover aus Irland

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Es ist heiß. Und trotz der derzeit herrschenden Temperaturen kommen mir Gedanken an Winterbekleidung auf.

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"Wir haben doch noch die schönen dicken, blauen Wollpullover aus Irland?" Ich war gerade dabei, mir die grünen Shorts überzustreifen, um im eigenen Garten zu lustwandeln, als die beste Ehefrau von allen mich mit dieser Frage überraschte. Irgendwo, erinnerte ich mich dunkel, mussten diese Schätze einer lange zurückliegenden Studienreise noch liegen. Wenig benutzt, weil unsere Winter eher milde verlaufen und richtig heftige Stürme ja von der irischen Westküste aufgefangen werden.

Und, Wollpullover mitten im Sommer? Natürlich haben Sie, liebe Leser, gleich gemerkt, worum es geht. Putin, Gas, Heizung – und bibber. Es kommen kalte Tage noch in diesem heißen Krieg, dessen Ende wir nicht vorhersehen können. Vorerst helfen vielleicht die Shorts, die eigene Temperatur zu regeln. Cool bleiben, keine Panik, denn Angst ist ein schlechter Ratgeber. Zwischen all den nun langsam verblühenden Rosen und aufstrebenden Dahlien und Sonnenblumen lässt sich gut wandeln, auch, um die Gedanken zu sortieren.

"Cool bleiben, keine Panik, denn Angst ist ein schlechter Ratgeber."Andreas Kathe

Ja, es wird vieles teurer. In unserem reichen Land muss aber niemand hungern und dursten. Und frieren auch nicht, wenn alle näher zusammenrücken und einander helfen. Es gibt Schlimmeres. Mir kommen Bilder in den Sinn von zerbombten ukrainischen Städten und verhungernden Kindern in Afrika. Eine Schande für die Menschheit.

Ja, wir helfen. Versuchen es zumindest, wobei wir genau wissen, dass es niemals reichen wird. Denn der Sack Reis, der an der einen Stelle ankommt, fehlt wieder an einer anderen. Und wenn der eine Krieg befriedet ist, bricht schon nebenan der nächste aus. In dieser Geschichte gibt es keinen Stillstand, es hat ihn nie gegeben, seitdem unsere Spezies auf dem Planeten unterwegs ist.

Wissen können wir es immer erst nachher

So wie im Garten keimt dann auch immer wieder etwas Neues, das Hoffnung macht. Vielleicht ist es ja so, dass gerade unser Verzicht auf so manche Reise, auf Luxusgüter oder auf eine durchgewärmte Wohnung im Winter in den aktuellen Krisen entscheidend hilft – bei Krieg und Klima. Wissen können wir es immer erst nachher.

Im Garten muss das Hochbeet dringend inspiziert werden. Die Gurken sind in diesem Jahr leider nichts geworden, dafür reckt sich mir eine Riesen-Zucchini entgegen. Wieder mal was für eine leckere Gemüsepfanne. Stolz präsentiere ich die Frucht eigener Arbeit und der Kraft der Natur. Und, versprochen, die dicken Wollpullover werde ich morgen mal suchen.


Zur Person:

  • Der Journalist Andreas Kathe lebt in Dinklage.
  • Lange Jahre war er Redakteur und Redaktionsleiter der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

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