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Kurioses Hobby: Mathematikerin sammelt Coronazahlen

Jeden Abend setzt sich Roswitha Bolten kurz an ihren Rechner, um die aktuellen Coronazahlen aus Deutschland, der Region und ausgewählten Ländern zu erfassen. So entsteht ein Archiv der Pandemie.

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31 Spalten und inzwischen 400 Zeilen: Tag für Tag trägt Roswitha Bolten Coronazahlen aus Deutschland und der Welt in ihre Excel-Tabelle ein. Foto: Stix

31 Spalten und inzwischen 400 Zeilen: Tag für Tag trägt Roswitha Bolten Coronazahlen aus Deutschland und der Welt in ihre Excel-Tabelle ein. Foto: Stix

"Mathelehrer machen so einen Quatsch", sagt Roswitha Bolten und lacht. Seit März 2020 hat sie ein neues Hobby, das sie vermutlich mit nicht allzu vielen Menschen teilt: Bolten sammelt Corona-Zahlen. Rund 12.500 sind inzwischen zusammengekommen. Wer also wissen will, wie hoch die Inzidenz am 18. Mai 2020 im Landkreis Cloppenburg war oder sich für die Zahl der Neuinfektionen in Niedersachsen am 22. Februar 2021 interessiert, könnte bei der Mathematiklehrerin aus Friesoythe, die an der Oberschule in Werlte arbeitet, fündig werden.

Ihr Beruf hat den Anstoß für die Sammlung gegeben. Für die Mathematikerin selbst war die Entwicklung der Coronazahlen auf allen Ebenen spannend, für die Lehrerin bot sich ein aktueller Unterrichtsstoff. "In meinem 10. Jahrgang war zu dem Zeitpunkt das Thema 'exponentielles Wachstum' dran", erzählt sie. "Da waren die Coronazahlen für die Schüler etwas, wo sie einen Bezug zwischen Theorie und Praxis herstellen konnten."

Erhebungsvolumen wächst stetig an

Und von da an war Bolten angefixt. Anfangs konzentrierte sie sich auf die Region und Niedersachsen, nach und nach wuchs die Zahl der erhobenen Daten. Zuerst kam Deutschland hinzu, dann einzelne europäische Länder. Zu Inzidenz und Neuinfektionen gesellte sich irgendwann die Zahl der Genesenen und dann auch die Zahl der Toten. "Das wollte ich anfangs nicht, weil es so gruselig ist", erzählt Bolten. "Aber irgendwann erhebt man das auch."

„Johns-Hopkins weist derzeit meist eine um rund 20.000 höhere Zahl an Infizierten als das RKI aus.“Roswitha Bolten, Mathematiklehrerin

Parallel dazu ist die Zahl der Quellen gewachsen. Zum Robert-Koch-Institut (RKI) kam die US-amerikanische Johns-Hopkins-Universität. "Johns-Hopkins weist derzeit meist eine um rund 20.000 höhere Zahl an Infizierten als das RKI aus", hat die Friesoytherin beobachtet. "Aber bei der Zahl der Toten sind die beiden Quellen dicht beieinander." Für die europäischen Länder setzt sie auf die Webseite von Statista, konzentriert sich dabei aber auf Länder, zu denen sie einen Bezug hat. Norwegen und Schweden gehören dazu, denn dorthin geht es immer mal wieder in den Urlaub. 

Jeden Abend investiert Bolten ein paar Minuten

Die Zahlen aus den unterschiedlichen Quellen trägt Bolten händisch in eine Excel-Tabelle ein. Die Tage sind monatsweise waagerecht angeordnet, darunter 17 Zeilen mit den unterschiedlichen Daten und Quellen. 31 Spalten sind damit festgelegt, jeden Monat kommen neue Zeilen hinzu, rund 400 sind es inzwischen. Und trotz der Menge kann Bolten so schnell Vergleiche zwischen den einzelnen Tagen und Quellen anstellen. Jeden Abend setzt sie sich für ein paar Minuten an den Rechner, um die Zahlen zu erfassen. "Lediglich im Urlaub kommt es mal vor, dass ich ein paar Tage lang nichts eintrage", sagt sie. Die weißen Flecken sind in der Übersicht sofort zu erkennen; viele sind es nicht.

„Das ist eine wunderbare Spielerei aus Liebe zu den Zahlen.“Roswitha Bolten

Manche Zahlen werden direkt eingetragen, andere errechnen sich aus den Veränderungen. Bolten will da immer ganz genau sein, für einige Daten gibt es in den offiziellen Quellen nämlich nur gerundete Werte. "Spannend ist es auch zu sehen, wie sich die Zahlen im Jahresvergleich verändern und wie unterschiedlich sie sich in einzelnen Ländern entwickeln", sagt Bolten. "Die Schweden beispielsweise hatten 2020 deutlich höhere Zahlen als Deutschland, heute liegen sie darunter", nennt sie ein Beispiel. Auch dass der Donnerstag regelmäßig der Tag mit den höchsten Werten ist, lässt sich aus ihren Zahlenreihen klar erkennen. Und natürlich setzt die Mathematikerin die Zahlen gedanklich auch in Relation zu den Corona-Beschränkungen. "Davon haben wir heute viel weniger als vor einem Jahr, als die Zahlen bei weitem nicht so hoch waren", sagt sie.

Allzu ernst will Bolten ihren täglichen Ausflug in die Welt der Coronazahlen allerdings nicht nehmen. "Das ist eine wunderbare Spielerei aus Liebe zu den Zahlen", sagt sie. "Aber sie hat natürlich einen ernsten Hintergrund."

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