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Kunz: Vechtas Treibhausgase sollen bis 2035 um 80 Prozent reduziert werden

Der Beschluss des Stadtrates sieht eine Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 vor. Einigen Politikern gehen die skizzierten Pläne nicht weit genug.

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Hat das Konzept in der Hand: Klimaschutzmanager Alexander Kunz ist aufgrund des gesammelten Datenmaterials zuversichtlich, dass der Treibhausgasausstoß in der Stadt Vechta bis zum Jahr 2035 um 80 Prozent reduziert werden kann.   Foto: Speckmann

Hat das Konzept in der Hand: Klimaschutzmanager Alexander Kunz ist aufgrund des gesammelten Datenmaterials zuversichtlich, dass der Treibhausgasausstoß in der Stadt Vechta bis zum Jahr 2035 um 80 Prozent reduziert werden kann.   Foto: Speckmann

Bei der ersten Präsentation im Januar hat der Entwurf des Klimaschutzkonzeptes noch einige Lücken aufgewiesen. Nun ist das zukunftsweisende Papier für die Stadt Vechta komplett. Auf insgesamt 145 Seiten zeigt die Verwaltung, wie sich der Ausstoß der Treibhausgase darstellt, welche Einsparpotenziale bestehen und wo sich erste Maßnahmen auf kommunaler Ebene umsetzen lassen.

Es ist ein ambitioniertes Ziel, das sich der Stadtrat mit seinem Beschluss am Montagabend auf die Fahne geschrieben hat: Die Kreisstadt will bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden. Damit gehen die hiesigen Pläne über die bundesweite Zielsetzung deutlich hinaus. Nach dem aktuellen Klimaschutzgesetz soll Deutschland bis 2045 die Klimaneutralität erreichen und die Netto-Emissionen auf Null reduzieren.

Klimaschutzmanager Alexander Kunz hat in der öffentlichen Ratssitzung die Marschroute für die kommenden Jahre aufgezeigt. Demnach besteht in der Stadt Vechta auf Grundlage der Analysen das Potenzial, den Treibhausgasausstoß bis zum Jahr 2035 um 80 Prozent zu reduzieren. Dann blieben umgerechnet nur noch rund 1,9 Tonnen Kohlendioxid pro Einwohner. Bis 2045 könnten die Emissionen bestenfalls um 90 Prozent zurückgehen.

Das Maßnahmenpaket besteht aus sechs Handlungsfeldern. Im Bereich der Mobilität kommt dem Ausbau des Ladenetzes eine zunehmende Bedeutung zu. Foto: SpeckmannDas Maßnahmenpaket besteht aus sechs Handlungsfeldern. Im Bereich der Mobilität kommt dem Ausbau des Ladenetzes eine zunehmende Bedeutung zu. Foto: Speckmann

Das vorliegende Konzept sieht der Verwaltungsvertreter als Leitfaden. Wie sich der Klimaschutz vor Ort ganz praktisch gestalten lässt, zeigt ein umfangreicher Katalog mit 41 Einzelmaßnahmen aus sechs Handlungsfeldern. Dabei hebt Kunz den Querschnittscharakter hervor: „Die Erreichung der Klimaschutzziele ist nur möglich, wenn die Handlungsfelder auch das gesamte städtische Leben abdecken.“

Großes Potenzial bei regenerativen Energien

Die Stadt wolle als Vorbild beim Klimaschutz auftreten, unterstreicht Kunz und nennt als Beispiel die Installation von Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden, wie etwa dem Klärwerk. Vor allem im Bereich der regenerativen Energien sieht der Experte auf Stadtebene noch erhebliches Ausbaupotenzial, angefangen bei Solaranlagen über Erdwärme und Biomasse, bis hin zur Windkraft.

Weitere Investitionen müssten im Bereich der Mobilität erfolgen, etwa durch die Intensivierung der Ladeinfrastruktur oder auch die Installation von Sharing-Angeboten. Nahezu ein Viertel der Treibhausgasemissionen der Stadt Vechta sei im Jahr 2019 im Verkehrssektor emittiert worden. Dementsprechend hoch seien hier auch die Einsparpotenziale.

Ein zentrales Handlungsfeld sei die Stadtentwicklung, so der Klimaschutzmanager weiter. Für Bauen und Sanieren seien die größten Einsparpotenziale errechnet worden. Hier gelte es, Anreize für Immobilieneigentümer und Bauherren zu schaffen. Wo sich die Folgen des Klimawandels bereits bemerkbar machten, sei es unabdingbar, die Stadt vor den Auswirkungen von Hitze, Trockenheit und Starkregen zu schützen.

Was den wirtschaftlichen Sektor betrifft, muss der Verwaltungsvertreter feststellen: „Die Handhabe als Kommune ist relativ gering.“ Das städtische Engagement müsse daher auf Vernetzung und Wissensvermittlung abzielen. Information, Bildung und Akzeptanz sind auch mit Blick auf die Bevölkerung angesagt: „Klimaschutz geht uns alle an. Daher muss das Thema in allen Bereichen des städtischen Lebens sichtbarer werden.“

Bürgermeister sieht gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) sieht den Klimaschutz als "gesamtgesellschaftliche Aufgabe". Der Rahmen der Stadt sei eng gesteckt, denn ihre kommunalen Liegenschaften würden nur ein Prozent des gesamten Energieverbrauchs ausmachen. Mit Blick auf Bürger und Wirtschaft seien Vorgaben und Fördermittel von Land und Bund wichtig. „Wir leisten schon einiges als Stadt“, sagt der Verwaltungschef, „können aber noch mehr leisten.“

„Wir stecken uns hohe Ziele“, meint CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Frilling. Für ihn ist es wichtig, dass das vorliegende Konzept dynamisch ist, sich also in den nächsten Jahren weiterentwickelt und immer wieder angepasst wird. Das ist auch ganz im Sinne seines Gegenübers von der SPD. „Mir ist dabei besonders wichtig, dass wir die Menschen mitnehmen“, ergänzt Fraktionschef Sam Schaffhausen.

"Wir wissen, dass es sehr teuer werden wird. Aber wenn wir die Ziele nicht erreichen, wird es noch viel teurer.“Ratsherr Bernhard Schwarting (Grüne)

Für Bernhard Schwarting ist das vorliegende Konzept ein Einstieg in eine bewusstere Klimapolitik. Doch nach Auffassung des Grünen braucht es verstärkte Vorgaben. Die Bürger müssten höhere Kosten und Lasten akzeptieren. „Wir wissen, dass es sehr teuer werden wird. Aber wenn wir die Ziele nicht erreichen, wird es noch viel teurer“, warnt der Ratsherr vor den Folgen des Klimawandels.

Die Fraktion „Wir für Vechta“ (WfV) hätte gerne ein noch ambitionierteres Papier gesehen. Frank Hölzen verweist unter anderem auf Städte, in denen Ratsbeschlüsse unter Klimavorbehalt gestellt würden. Für Stephan Sieveke, Sprecher der Ratsgruppe VCD/FDP, gehen die angedeuteten Maßnahmen in der Geothermie nicht weit genug. Hier solle sich die Stadt bei der Ausweisung von Bau- und Gewerbegebieten konkreter fassen.

Klimaschutzmanager Kunz sieht in der Stadt Vechta eine "akteursübergreifende Aufbruchstimmung". Mit dem beschlossenen Konzept habe die Kommune einen strategischen Ausgangspunkt für alle weiteren Klimaschutzaktivitäten geschaffen. In Kombination mit der dynamischen Ausrichtung des Maßnahmenkatalogs stehe nun das Rüstzeug zur Verfügung, um dem Klimawandel zu begegnen.

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