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Kultur im Zeichen der Maske

Kolumne: Batke dichtet – Lange mussten die Konzertgänger in der Pandemie darben. Da war der Besuch eines Auftritts der Band "Element of Crime" fast eine Art Privileg – unter besonderen Bedingungen.

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Ich war immer schon ein leidenschaftlicher Konzertgänger. Nicht unbedingt klassische Musik. Wobei, fällt mir gerade ein: Pavarotti, Carreras und Domingo habe ich auch schon gesehen und gehört – im Düsseldorfer Rheinstadion in den 90ern. Gut und teuer. Nicht verdammt gut, aber verdammt teuer. 3 Tenöre auf Kassenfahrt. Aber das ist bei den Stones nicht anders, wenn sie die Arenen dieser Welt bespielen.

Nun gut, damals war der Enthusiasmus größer, sich beispielsweise auf einem 3-tägigen Festival wie "Rock am Ring" zu vergnügen. Ich kann immerhin sagen, dass ich damals bei der Premiere mit 95.000 anderen Freaks dabei war mit Headlinern wie Foreigner, Chris de Burgh oder der gerade aufstrebenden irischen Combo U2. 1985 war das, mein Gott, wenn ich richtig rechne, ist das 36 Jahre her. So ähnlich muss es in Woodstock gewesen sein. Ich weiß nicht, ob ich meine jüngste Tochter damit beeindrucken konnte, "Rock am Ring"-Pionier zu sein: Immerhin besitzt sie ein schon 2019 gekauftes Ticket, das sie aber wohl erst im kommenden Jahr einlösen kann, weil coronabedingt 2 Jahre am Ring nicht gerockt wurde.

"Mein Respekt vor den Menschen, die den ganzen Arbeitstag über Maske tragen müssen, ist noch einmal gestiegen."Alfons Batke

So gesehen bin ich fast schon privilegiert – wie letzte Woche geschehen –, endlich mal wieder Musik live erlebt zu haben. Man ist geduldig geworden in diesen Zeiten, umso beglückter waren wir, dass das im letzten Jahr ausgefallene Konzert der Band "Element of Crime" tatsächlich stattfand – und zwar vor wunderschöner Kulisse im "Park der Gärten" von Bad Zwischenahn. Das 6-köpfige Ensemble um den charismatischen Sänger Sven Regener präsentierte sich in allerbester Spiellaune, erst nach der 3. Zugabe und insgesamt 24 Songs wurden die mitunter virtuos aufspielenden Musiker entlassen.

Regener, auch bekanntgeworden durch seine Romane "Herr Lehmann" oder "Neue Vahr Süd", fragte die knapp 1000 Konzertbesucher gleich zu Anfang: "Wollen wir heute Abend über Corona reden?", um sofort ein lautstarkes "Nein" zu ernten. Dabei war das Virus auch in der ammerländischen Idylle allgegenwärtig. Um überhaupt auf das Gelände zu kommen, musste man sich mit der Luca-App registrieren, zudem den Personalausweis vorzeigen. Und für alle galt die "3G-Regel" (geimpft, genesen oder frisch getestet), deren Einhaltung vom Ordnungspersonal freundlich, aber sehr bestimmt und penibel überprüft wurde.

Das Publikum singt mit und klingt merkwürdig gedämpft

Man nimmt also einiges in Kauf, um wieder kultureller Freuden habhaft werden zu können. Dazu gehörte es auch, während des gesamten Konzertbesuchs Mund- und Nasenschutz zu tragen. Und so klang es schon merkwürdig gedämpft, als das Publikum – vornehmlich aus der "Generation Silber", also schon etwas älter – bei den Hits wie "Deborah Müller", "Finger weg von meiner Paranoia" oder "Delmenhorst" kräftig mitsang. Schön war's trotzdem, aber anstrengend, denn auch Sitzplätze gab es nicht.

Ein Konzert im Zeichen der Pandemie. Da war der Titel des letzten Songs der 3. Zugabe von Zwischenahn Programm: "Schwere See". Und nebenbei bemerkt: Mein Respekt vor den Menschen, die den ganzen Arbeitstag über Maske tragen müssen, ist noch einmal gestiegen.


Zur Person

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der Autor lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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