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Krippenbauen und Figurenschnitzen als Hobby

Ob realitätsnah oder kindgerecht – es stecken Handarbeit sowie viel Zeit und Liebe hinter den Kreationen der Krippenbauer aus Löningen und dem Figurenschnitzer aus Essen (Oldenburg).

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Alfons und Marianne Humberg bauen seit über 20 Jahren Krippen. Im Bild zu sehen ist die Krippe für Urenkelin Lilly.   Foto: Heinzel

Alfons und Marianne Humberg bauen seit über 20 Jahren Krippen. Im Bild zu sehen ist die Krippe für Urenkelin Lilly.   Foto: Heinzel

Alfons und Marianne Humberg sowie Gerhard Wille kennen sich seit bald zehn Jahren. Sie teilen sich ein gemeinsames Hobby – sie bauen Weihnachtskrippen. Ihr Weg zu dieser Freizeitbeschäftigung war jedoch sehr unterschiedlich. Bei Alfons Humberg fing es mit einem Wackeldackel für Enkel Lars an. Der gelernte Einzelhandelskaufmann war gerade in den Ruhestand eingetreten, hatte Zeit, war handwerklich nicht ungeschickt und erinnerte sich daran, dass ihm sein Vater einmal einen Wackeldackel selbst gebaut hatte. Das war der Auslöser, um aus Holz und Leder einen Dackel auf Rädern zu basteln.

„Das sah klasse aus“, meint der 82-Jährige rückblickend. Und vor allem hatte er Spaß an der Sache. Seine Frau Marianne führte damals die Buchhandlung am Markt und dort boten sie auch Krippen an. Dabei entstand die Idee, selbst solche Krippen herzustellen – und das taten die beiden dann auch, und zwar aus Restholz.

Gebürtige Emsländer kümmert sich auch um die Bemalung

Die 79-Jährige reduziert die Arbeitsteilung auf die simple Gleichung – er macht das Holz, ich die Dekoration. Sie haben dafür ihre eigenen Arbeitsbereiche. Er in einem Häuschen im Garten und sie an der Nähmaschine im Haus. Im Laufe der Zeit haben die beiden ihre Kreationen immer weiter verfeinert. Oft kamen die Ideen in schlaflosen Nächten, beispielsweise die Figuren anzuziehen. Auch ihren Mann hat die Krippenarbeit die eine oder andere Nacht wachgehalten, wenn er über einem Problem grübelte. Ein Beispiel: Die Dächer, speziell die Giebel, müssen gleich gestaltet sein – und Alfons Humberg hatte anfangs keine Vorstellung davon, wie er dies erreichen sollte, bis ihm der Gedanke einer Schablone kam.

Klare Arbeitsteilung: Alfons Humberg baute Krippe und Figuren. Seine Frau Marianne zieht die Figuren an.
Foto: Heinzel
Mit dem Bau eines Wackeldackels für Enkel Lars fing alles an.
Foto: Heinzel
Die Kleidung für die Figuren näht Marianne Homberg selbst.
Foto: Heinzel
Gesichter schnitze er an einem Stück, sonst würden sie nicht gut werden, sagt Gerhard Wille.
Foto: Heinzel
Die Proportionen müssen stimmen, sagt Gerhard Wille. Um das zu erreichen macht er sich im Vorfeld eine Skizze und überträgt die wichtigsten Elemente auf den Holzklotz.
Foto: Heinzel
Hier entsteht ein Eichhörnchen. Für die Herstellung der Figuren benutzt Gerhard Wille die unterschiedlichsten Messer.
Foto: Heinzel

Der gebürtige Emsländer kümmert sich auch um die Bemalung der Figuren mittels Acryllack, dieser sei umwelt- und kinderfreundlich, so Alfons Humberg „Dass mein Mann die Gesichter so gut malen kann, das ist toll“, meint Marianne Humberg. Die Krippen „werden nie perfekt“ – es seien alles Unikate. „Ein bisschen schief muss es sein – passend zur Weihnachtsgeschichte“, sagt das Ehepaar.

Seine Krippen verkauft es auf dem Löninger Weihnachtsmarkt oder seit 2013 auf dem selbst organisierten jährlichen Handwerkermarkt im Reitsportzentrum in Löningen-Ehren mit rund 60 Ausstellern. Viele Kindergärten hätten sich eine der stabilen und kindgerechten Krippen der Humbergs gekauft. Doch seit zwei Jahren bremst Corona die Krippenbauer aus. Es fand kein Handwerkermarkt statt. Marianne schätzt vor allem den „Kontakt mit anderen Menschen“ auf dem Markt in Ehren, Alfons ergänzt: „das Klönen mit dem Kunden“. Über den Ehrener Handwerkermarkt haben sie auch Gerhard Wille kennengelernt. „Der hat ganz tolle Sachen“, sagen die beiden unisono.

Schnitz-Leidenschaft entfacht in der Reha

Um diese „tollen Sachen“ – also Figuren aus Holz – zu formen, benutzt Gerhard Wille unter anderem einen Geißfuß, ein schräges Balleisen, ein Hohleisen, einen Löffel oder ein Skalpell. Der 79-Jährige ist gelernter Bergmann und Metzgermeister. Bekannt ist der gebürtige Essener aber für seine Schnitzereien. Vor 45 Jahren entdeckte er für sich diese handwerkliche Tätigkeit. Mitten im Sommer hatte er einen Herzinfarkt und in der anschließenden Rehabilitationszeit einfach „Langeweile“. Mit einem Wappen der Metzgerinnung begann seine Schnitzerei, die er kontinuierlich weiterentwickelte, sich stets weiterbildete und neu herausforderte.

Entspannung empfindet der 79-Jährige, wenn er in seiner eigenen, kleinen Werkstatt mit Blick in den Garten sitzt und seinem Hobby nachgeht. „Die Werkstatt war meine Oase“, sagt Gerhard Wille. Jeden Tag zwei bis drei Stunden verbringt er mit der Schnitzerei. Für ein Krippenset aus 14 Figuren braucht er schon  mal ein Jahr. Falten, Ecken oder Kanten seien besonders aufwendig zu schnitzen. Für seine Arbeiten benutzt er gerne Lindenholz oder Zirbelkiefer aus Bayern.

Er nutze Vorlagen, um die Proportionen nicht ausmessen zu müssen, sondern sie einfach übertragen zu können. Große Figuren würden schon einmal zerschnitten und dann wieder zusammengeleimt. „Holz arbeitet“, diese Maßnahme nehme die Spannung aus dem Werkstoff, erläutert Wille. Gesichter müsse er in einem durchschnitzen, sonst würden sie nichts. „Man muss mit dem Tageslicht arbeiten“, sagt Gerhard Wille, „gerade bei Gesichtern.“ Dabei ist eines für den Essener ganz klar: „Mit Farbe mach' ich nichts.“ Seine Figuren würden zum Schluss gebeizt und anschließend mit Bienenwachs überzogen. Hölzerne Schafe des Schnitzers finden sich in Bethen, ein Gloriaengel steht in Varrelbusch.

„Mein Wunsch ist es, ein Gemälde zu schnitzen. Und zwar das Abendmahl von Leonardo da Vinci.“Gerhard Wille, Holzschnitzer aus Essen (Oldenburg)

„Mein Wunsch ist es, ein Gemälde zu schnitzen. Und zwar das Abendmahl von Leonardo da Vinci“, sagt Gerhard Wille. Aber dies sei ein Projekt für ein ganzes Jahr und er müsse 13 verschiedene Gesichter finden und schnitzen, das sei gar nicht so einfach. Seine Kreationen hat der Essener bislang auf Hobby- und Kreativmärkten angeboten. Was aber durch die Pandemie zum Erliegen gekommen ist, so dass er aktuell nur noch Auftragsarbeiten verwirklicht.

„Wenn es geht, soll es den Handwerkermarkt in Ehren nächstes Jahr wieder geben“, sagt Marianne Humberg, „das wäre schön.“ Es wäre wahrscheinlich der letzte Markt für das Ehepaar. Beide sind sich einig, dass es langsam Zeit wird, die aufwendige Freizeitbeschäftigung zu beenden.

Nach einem Herzinfarkt entdeckte Gerhard Wille die Schnitzerei als entspannenden Zeitvertreib für sich. Foto: HeinzelNach einem Herzinfarkt entdeckte Gerhard Wille die Schnitzerei als entspannenden Zeitvertreib für sich. Foto: Heinzel

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