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Kreis will Hirschkäfer noch besser schützen

Es geht darum, das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet "Dammer Berge" zu sichern. Das fordert die Europäische Union. Der Landkreis Vechta ist jetzt am Zug. Es gibt einen Maßnahmenkatalog.

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Viel vor: Über den Managementplan für das FFH-Gebiet Dammer Berge und dessen Umsetzungen informierten (von links) Winfried Stuntebeck, Manuel Nerhoff, Holger Runge (Planungsgruppe Umwelt), Eileen Ahlbrand und Hendrik Scheele. Foto: Lammert

Viel vor: Über den Managementplan für das FFH-Gebiet Dammer Berge und dessen Umsetzungen informierten (von links) Winfried Stuntebeck, Manuel Nerhoff, Holger Runge (Planungsgruppe Umwelt), Eileen Ahlbrand und Hendrik Scheele. Foto: Lammert

Gesichert ist das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet „Dammer Berge“ seit 2018 durch eine gleichnamige Landschaftsschutzgebietsverordnung und die Naturschutzgebietsverordnung "Dammer Bergsee". Doch das reicht nicht.

Die FFH-Richtlinie der Europäischen Union verpflichtet die Mitgliedstaaten, besondere Gebiete bestimmter Lebensraumtypen, besondere Biotope für Tiere und Pflanzen, zu schützen und zu erhalten.

Bis zum 15. November muss der Landkreis Vechta als Untere Naturschutzbehörde deshalb dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) einen sogenannten Managementplan vorlegen, wie er das FFH-Gebiet 317 vor allem mit Blick auf seine sogenannten wertbestimmenden Arten – das ist vor allem der Hirschkäfer – und Lebensräume nicht nur erhalten, sondern künftig auch entwickeln will.

Managementplan ist kein starrer Leitfaden

Dieser Managementplan, den die in Hannover ansässige Plangruppe Umwelt seit 2019 ausgearbeitet hat, sei kein starrer Leitfaden, erklärten bei einem Pressegespräch am Montag im Kreishaus Winfried Stuntebeck, der Leiter des Amtes für Umwelt und Tiefbau, sowie seine Mitarbeiter Hendrik Scheele und Eileen Ahlbrand. Anpassungen im Laufe der nächsten Jahre seien denkbar.

Nachdem das Land Niedersachsen bereits die Erstellung des Managementplans finanziell unterstützt hat, sollen auch für die Umsetzung der Maßnahmen Fördergelder fließen.

Zudem setzt der Landkreis bei der Umsetzung auf die Kooperation aller beteiligten Flächeneigentümer, sagte Winfried Stuntebeck.

Dazu zählen neben Privatpersonen, in deren Eigentum sich 54,8 Prozent der Flächen befinden, die Deutsche Bundesumweltstiftung (17,9 Prozent) sowie die Niedersächsischen Staatsforsten, der Kreis Vechta und die Stadt Damme.

"Wir wollen das Gebiet entwickeln."Winfried Stuntebeck, Amtsleiter

Das Vorbild bei der Umsetzung des Plans unter Einbeziehung der Beteiligten sei der Niedersächsische Weg, betonte der Amtsleiter. An einem aber ließ er keinen Zweifel aufkommen: "Wir wollen das Gebiet entwickeln." Ganz wichtig sei: Für die Flächeneigentümer ergeben sich keine weiteren Verpflichtungen über die ohnehin bestehenden hinaus.

Das FFH-Gebiet misst nach Worten Manuel Nerhoffs von der Planungsgruppe Umwelt 788 Hektar, das Naturschutzgebiet 105 und das Landschaftsschutzgebiet 5630 Hektar.

Der Bereich der Dammer Berge sei zumindest eines der wichtigsten, möglicherweise auch das wichtigste Gebiet in Niedersachsen für die Hirschkäferpopulationen.

In Dammer Bergen gibt es 107 potenzielle Hirschkäfer-Habitate

Mit Blick auf dieses vom Aussterben bedrohte Insekt, sagte Manuel Nerhoff, hätten die Untersuchungen, die nicht nur das FFH-, sondern das gesamte Landschaftsschutzgebiet umfassten, 107 potenzielle Habitate sowie 21 Bruthabitate ergeben. 33 der potenziellen und 5 der Bruthabitate befanden sich im FFH-Gebiet.

Die Schwerpunkte lägen im Bereich des früheren Bundeswehrgeländes Muna und im Bexaddetal. Insgesamt gebe es auf 124 Hektar Hirschkäfer-Lebensräume.

Das Ziel ist es, diese Lebensräume langfristig nicht nur zu sichern, sondern auch zu vernetzen und zu erweitern. So ist innerhalb des FFH-Gebietes vorgesehen, die Abstände zwischen einzelnen Hirschkäfer-Habitaten zu verringern.

Entfernung zwischen Habitaten muss unter 700 Metern liegen

Dazu bedarf es neuer Bereiche, in denen sich Hirschkäfer ansiedeln. Die dürfen aber maximal 700 Meter von einem vorhandenen entfernt liegen. Denn das ist in etwa die Strecke, die ein Hirschkäferweibchen zurücklegt, wenn es ein Habitat verlässt.

Erreichen lässt sich die Schaffung neuer Lebensräume für die Insekten unter anderem durch die sogenannte Verbesserung von Waldstrukturen. Das bedeutet: Eichen sollen zum Beispiel Kiefern und Fichten ersetzen, da Hirschkäfer ihre Eier zum Beispiel im Bereich von Eichenwurzeln ablegen. Aber auch Hirschkäfermeiler seien ein probates Mittel, sagte Manuel Nerhoff.

Doch bevor der Landkreis Vechta in Absprache mit dem NLWKN, das dem Managementplan zustimmen muss, erste Maßnahmen hinsichtlich des Hirschkäfer-Lebensraumes vergibt, wird ein noch zu beauftragendes Büro zunächst in festgelegten Suchräumen – davon solche mit hoher Priorität auf 160 und solche mit mittlerer Priorität auf 250 Hektar – ermitteln, welche Maßnahmen sinnvoll sind.

Suchraum-Analyse ist bis zum Jahr 2030 geplant

Zudem muss es klären, ob Flächen für Projekte überhaupt zur Verfügung stehen. Die Analyse der Suchräume ist nach Angaben Winfried Stuntebecks bis 2030 angesetzt. Parallel dazu könnten aber schon Maßnahmen starten, wenn die Untersuchung in einem der Räume beendet sei.

Es geht aber bei den Maßnahmen in den Dammer Bergen nicht nur um den Hirschkäfer. Bei Bestandsaufnahmen sind die Fachleute in den Nienhauser Talwiesen auch auf Kammmolche gestoßen.

Allerdings sind die Untersuchungen über das Vorkommen dieser Tiere noch nicht abgeschlossen. Weitere Vorkommen und damit verbunden auch Schutzmaßnahmen von Biotopen wie Gewässern, die den Kammmolchen als Laichgewässer dienen, seien als Ergebnis der weiteren Untersuchungen durchaus denkbar.

Mit den Niedersächsischen Landesforsten verhandelt der Landkreis derzeit wegen des Habitats „Alte bodensaure Eichenwälder auf Sandboden“. Das sei einer der Lebensraumtypen in den Dammer Bergen, der besonders geschützt und erweitert werden soll, sagte Hendrik Scheele.

Derzeit umfasst dieser besondere Typus im FFH-Gebiet 43,2 Hektar Fläche. Der Kreis möchte ihn um 4,3 Hektar erweitern. Auch in dem Fall sollen Nadelbäume für Eichen Platz machen.

Lebensraum sichern: Die Dammer Berge sind ein wichtiges Biotop für Hirschkäfer. Foto: SchillerLebensraum sichern: Die Dammer Berge sind ein wichtiges Biotop für Hirschkäfer. Foto: Schiller

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