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Kreis Cloppenburg musste Impfstoff vernichten – wegen rückläufiger Nachfrage

Die entsorgten Fläschchen hätten für 700 Impfungen genutzt werden können. Die Haltbarkeit war nicht mehr gewährleistet. Im Landkreis Vechta mussten minimale Restdosen verworfen werden.

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Bereit zum Einsatz: Spritzen mit Impfstoff gegen das Coronavirus. Wie viele Dosen bestellt werden, hängt vom Bedarf ab. Allerdings ist die genaue Menge nicht immer exakt kalkulierbar. Foto: dpa/Klaunzer

Bereit zum Einsatz: Spritzen mit Impfstoff gegen das Coronavirus. Wie viele Dosen bestellt werden, hängt vom Bedarf ab. Allerdings ist die genaue Menge nicht immer exakt kalkulierbar. Foto: dpa/Klaunzer

Eine Impfung gilt nach wie vor als der beste Schutz vor dem Coronavirus. Und: Kommt es trotz einer Immunisierung zur Ansteckung, bleiben schwere Verläufe der Krankheit Covid-19 in der Regel aus. Außerdem: Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto eher ist mit einem Ende der Pandemie zu rechnen.

Doch: Die Nachfrage nach einer Impfung oder dem Piks zur Auffrischung lässt nach. In Niedersachsen mussten Landkreise und kreisfreie Städte deshalb Tausende Corona-Impfstoffdosen vernichten, deren Haltbarkeitsdauer überschritten wurde.

Ein extremes Beispiel: Im Landkreis Lüneburg sind im Januar 5000 Dosen entsorgt worden, wie eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Deutlicher Rückgang des Interesses am Impfangebot

Wie sieht es im Oldenburger Münsterland aus? Der Landkreis Cloppenburg hat nach Angaben seines Sprechers Frank Beumker „aufgrund des akuten Nachfragerückgangs“ 70 Vials (Injektionsfläschchen) des Impfpräparats von Moderna „verworfen“. Das entspricht der Menge von 700 Impfungen. Die maximale Haltbarkeit von vier Wochen sei nach der Entnahme aus der Tiefkühlung nicht mehr gegeben gewesen, erklärte Beumker.

Im Landkreis Vechta wurde nach Angaben von Behördensprecher Jochen Steinkamp bislang kein Impfstoff in größeren Mengen vernichtet. „In Einzelfällen mussten lediglich minimale Restdosen verworfen werden, wenn eine Phiole am Ende des Tages nicht gänzlich aufgebraucht war“, sagte Steinkamp.

Sehr geringe Auslastung der Kinderimpftermine im Kreis Cloppenburg

Der Cloppenburger Kreissprecher Beumker berichtete von einer aktuell deutlich zurückgehenden Nachfrage beim Impfangebot über die mobilen Teams des Landkreises. Betrug die Auslastung im vergangenen Dezember etwa 90 bis 100 Prozent, liege sie derzeit bei den Impfterminen für Erwachsene bei 20 bis 40 Prozent – je nach Impfstützpunkt.

Und weiter: „Die Auslastung der Kinderimpftermine ist leider sehr gering“, sagte Beumker. Hier liege sie nun zwischen 10 und 20 Prozent

Die Bestellungen von Impfstoff würden „angepasst an die aktuellen Auslastungen der Impftermine erfolgen“. Aufgrund der Möglichkeit wöchentlicher Bestellungen könne das Ordern von Impfstoff bedarfsgerecht gestaltet werden.

Es soll Aufklärungsgespräche für unsichere Bürger geben

„Zudem haben wir aufgrund von Impfstoffüberschüssen in anderen Landkreisen selbst weniger Impfstoff bestellt und anderen Landkreisen Impfstoff abgenommen, der zu verfallen drohte“, führte Beumker aus.

Das aktuelle Impfangebot werde in gleicher Weise aufrechterhalten, „um ein niedrigschwelliges Angebot zu gewährleisten“. Darüber hinaus werde in Kürze das Angebot einer Impfberatung eingeführt. Diese soll dazu dienen, „unsicheren Bürgerinnen und Bürgern ein zeitunabhängiges Aufklärungsgespräch anzubieten und somit weitere Transparenz zum Thema Impfen zu schaffen“, erklärte Beumker.

Kreis Cloppenburg für allgemeine Impfpflicht ab 18. Lebensjahr

Um die vom Robert Koch-Institut erwartete Impfquote von über 90 Prozent der Erwachsenen erreichen zu können, wird vom Landkreis Cloppenburg „eine allgemeine Impfpflicht für Personen mit der Vollendung des 18. Lebensjahres grundsätzlich für dringend erforderlich gehalten“, sagte Beumker.

Warum kam es im Landkreis Vechta zu keiner nennenswerten Vernichtung von Impfstoff? Kreissprecher Steinkamp erklärte: Der Impfstoff, den die mobilen Teams verimpfen, werde „in einem Ultratiefkühlschrank gelagert“. Damit lasse sich der Impfstoff länger aufbewahren und der Bedarf könne gezielt angepasst werden.

Außerdem bestehe „ein enger Austausch mit den niedergelassenen Ärzten im Kreisgebiet, so dass auch immer wieder Impfstoffe an Praxen abgegeben werden konnten, wenn hier weiterer Impfstoff benötigt wurde“, erläutert Steinkamp. Die Abgabe an Hausarztpraxen sei „jedes Mal mit zugehörigem Kühlkettennachweis“ erfolgt.

Kreis Vechta übernimmt 6000 Impfdosen anderer Landkreise

Es seien zudem unter anderem auch 6000 Impfdosen anderer Landkreise übernommen worden, die so vor dem Verfall bewahrt werden konnten. „Weiterhin gibt es ein Online-Portal, über das Impfstoffmengen in Echtzeit gemeldet und abgegeben werden können. Dies nutzt auch der Landkreis Vechta“, sagte Steinkamp. Da auf diesem Wege Impfstoffdosen für andere Landkreise zur Verfügung gestellt werden können, lasse sich der Verfall der Vakzine vermeiden.

Weiterhin gelte, dass der Landkreis Vechta wochenaktuell Impfstoff bestelle, „jeweils an die Nachfrage angepasst“. Auch die Bestellung kleinerer Mengen sei möglich. Überdies werde an jedem Impftag versucht, „Restdosen aus angebrochenen Phiolen am Ende des Tages an Personen ohne Termin sowie an Angehörige und Bekannte von terminierten Personen zu verabreichen“, erläuterte Steinkamp.

Hierbei sei „nach Ablauf der Verwertbarkeit nach Zubereitung des Impfstoffs aber ein minimaler Verwurf von Restdosen nicht immer vermeidbar“, sagte Steinkamp.

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