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Kreis-CDU Vechta startet mit TV-Show ins Superwahljahr

Das "Neujahrs-TV" des CDU-Kreisverbands hatte viele Klicks und Zuschauer. Die Sendung bot eine Mischung aus Polit-Talk und Comedy.

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Digital-Talk: (von links) André Hüttemeyer im Gespräch mit Alexander Weiß und Alexandra Seidel. Foto: Tzimurtas

Digital-Talk: (von links) André Hüttemeyer im Gespräch mit Alexander Weiß und Alexandra Seidel. Foto: Tzimurtas

Vor dem Schreibtisch des Talkmasters sind Strohballen aufgereiht. Auch vor dem Bildschirm mit den digital zugeschalteten Gästen liegen Garben. Tradition trifft Zukunft. Das dürfte die Botschaft der Dekoration im Studio gewesen sein, aus dem am Montagabend das „CDU Neujahrs-TV“ live im Internet gesendet wurde. Mit dem Format hat der Vechtaer CDU-Kreisverband neue Wege beschritten, um sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Show – eine Mischung aus Talk über Politik und Wirtschaft sowie Comedy und Unterhaltung - war der Ersatz für den Neujahrsempfang der Kreis-CDU. Die Traditionsveranstaltung konnte wegen des Corona-Lockdowns nicht in einem Saal stattfinden.

Christdemokraten wollen neue Maßstäbe setzen

Zugleich aber wollten die regionalen Christdemokraten diese Situation nutzen, um neue Maßstäbe in Sachen moderner Kommunikation zu setzen. Ebenso lieferten sie einen ersten Vorgeschmack auf den Kampf um Stimmen im Superwahljahr 2021. So ging es in der Sendung ab 19 Uhr nicht nur um den Urnengang für den Bundestag im September. Auch die Kommunal- und die Landratswahl waren Thema.

Als Moderator zeigte der CDU-Kreisvorsitzende André Hüttemeyer diese Gemeinsamkeiten mit seinen TV-Profi-Kollegen: Die Sendung aus dem Produktionsstudio der Lohner Agentur „Am achten Tag“ hatte keinen Hänger, lief im Takt - aber die Sendezeit wurde überzogen. Statt 60 waren es dann 67 Minuten. So ist das bei Live-Shows, in denen die Gäste viel zu erzählen haben.

Gastronomin Skrapic geht mit Zuversicht durch Corona-Krise

Und dazu zählten auch die Gastronomin Sandra Skrapic aus Dümmerlohausen (Restaurant Schomaker) und der Digitalunternehmer Jens Niehues (Firma "Shopjektiv"). Wie sie die Herausforderungen der Corona-Krise gemeistert haben, wollte Hüttemeyer wissen. Skrapic berichtete, dass die Corona-Einschränkungen ein "herber Schlag" für die Gastronomie seien, sie mit ihrem Familienbetrieb in fünfter Generation aber mit "Zuversicht" die Schwierigkeiten meistern wollten.

Eine besondere Rolle spielten dabei die sozialen Medien. Das Außerhaus-Geschäft werde so organisiert, es gebe eine "steigende Nutzerzahl", waren es im März 300, seien es jetzt 1440. Wenn Fotos von Essen gepostet werden, sorge das für Reichweite. Aber das alles mache nicht wett, wie es vor der Pandemie war.

Niehues, dessen Firma "Shopjektiv" ein technischer Dienstleister unter anderem für das Datenmanagement ist, kann sich derweil klar als Gewinner der Corona-Zeit sehen. Mittelständische Unternehmen stünden unter einem erhöhten Druck, bei der Digitalisierung voranzukommen.

Laschet als Bürgermeister von "Dammensia"

Dann ging es lustig zu: Antonius Schröer trat als "Straßenfeger Martin" auf und wunderte sich, dass er "als armer Arbeiter" mal bei der CDU fegen dürfe. Er entwarf ein Szenario, in dem die heimische Bundestagsabgeordnete und stellvertretende CDU-Vorsitzende Silvia Breher zur Chefin der CDU Deutschlands aufsteigt und den Lohner Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer überredet, Kanzlerkandidat der Union zu werden (selbst CSU-Chef Markus Söder werfe dann das blau-weiße Handtuch hin). Der „lüttke Hüttemeyer ut Erlte“ wiederum sei dann CDU-Generalsekretär (so habe Merkel auch einmal angefangen).

Im Gegenzug würde dem neu gewählten CDU-Bundesvorsitzenden Armin Laschet ("der Karnevalsprinz aus Aachen") angeboten, Bürgermeister von "Dammensia" zu werden. "Denn laut schreien kann der wohl."

Heiko Bertelt nimmt K-Frage der Union aufs Korn

Um die Situation in der Bundes-CDU nach dem digitalen Wahlparteitag ging es auch in der späteren Büttenrede von Heiko Bertelt. Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Vechtaer Kreistag und Chef der Büttenredner der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614. Er nahm die K-Frage ins Visier - in Anlehnung an die Talk-Sendung „Anne Will“ vom Sonntagabend: "Anne, die will immer wissen,/ dass Armin Laschet es muss wissen müssen,/ dass er jetzt Kanzler werden will, doch da blieb unser Armin still."

Im Block zur Lokalpolitik sprach Landrat Herbert Winkel (CDU) - per Video zugeschaltet - ein Grußwort, dankte allen, die im Kampf gegen das Corona-Virus im Einsatz sind. Auf Stichwörter von Hüttemeyer nahm Winkel zu verschiedenen Themen Stellung, bezeichnete den Breitbandausbau mit einem Finanzierungsvolumen von 100 Millionen Euro als "das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte des Landkreises".

Gerdesmeyer: Betriebe nach Corona-Zeit unterstützen

Lohnes Bürgermeister Gerdesmeyer, der als Landratskandidat der CDU ins Rennen gehen will, nannte (ebenfalls per Videoschalte) als dringliches Ziel, in der Zeit nach Corona die Betriebe vor Ort zu unterstützen. Und die CDU-Fraktionsvorsitzende Sabine Meyer bekräftigte, dass es noch "Ausbaubedarf" beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis gibt, "insbesondere an Wochenenden und in den Abendstunden".

Das sagte sie auch vor dem Hintergrund des Ergebnisses einer Online-Umfrage unter den Zuschauern der Sendung. Hier gab eine deutliche Mehrheit an, unzufrieden mit dem ÖPNV-Angebot zu sein. Insgesamt gab es acht Fragen ans virtuelle Publikum.

Jochen Steinkamp, stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender, stellte vor, wie die Arbeit am Kreiswahlprogramm geplant ist. Er forderte die Bürgerinnen und Bürger auf, sich an die CDU zu  wenden, wenn ihnen  etwa unter den Nägeln brenne.

4.496 Klicks auf Facebook

Nach Angaben der Produktionsfirma haben 4.496 Personen das TV-Angebot der CDU allein auf Facebook angeklickt. Die durchschnittliche Zahl der Zuschauer lag hier bei 250. Die zeitversetzte Übertragung auf Youtube sei von 150 Personen aufgerufen worden (Stand 9 Uhr).

Ebenso gehörte dies zum Programm: Das Neumitglied Alexander Weiß erklärte, dass er als jemand, der sich für Politik interessiert, die besten Antworten bei der CDU gefunden habe, wenn es um die Bereiche Bildung und Digitalisierung geht. Und Alexandra Seidel sagte, sie wolle für den Goldenstedter Gemeinderat kandidieren, um dort "die grüne Seele der CDU" zu sein.

Breher zieht FDP den Grünen vor

Schwarz und Grün? Darum ging es auch im Talk mit Silvia Breher, die als Studiogast nach Lohne gekommen war. Im Fall eines Wahlsiegs der Union sei ihr als künftiger Koalitionspartner grundsätzlich die FDP lieber als die Grünen, bekannte sie. Aber sie denke noch nicht an Bündnisse, kämpfe "ganz klar" für ein starkes Ergebnis der Union.

Für ihre Wiederwahl als CDU-Bundesvize auf dem digitalen Parteitag am Samstag sei sie "dankbar", auch "stolz" mache sie die Bestätigung im Amt. Und dass sie zum Moderatorenteam des Parteitags gehörte, das habe "mega viel Spaß" gemacht.

"Schlau war es vielleicht nicht"Silvia Breher (CDU) über die Werbung von Jens Spahn für Armin Laschet auf dem CDU-Parteitag

Und wie fand sie es, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sich in der Aussprache nach den Reden der drei Bewerber um den Chefposten zu Wort gemeldet hat, um für die Wahl von Armin Laschet zu werben? Das sei rechtlich zulässig gewesen, "schlau war es vielleicht nicht", antwortete Breher auf die Zuschauerfrage.

Hüttemeyer wollte noch wissen: Was macht Armin Laschet, um die beiden Lager, also seine Anhänger und jene seines Konkurrenten Friedrich Merz, zu einen? Breher sagte: Sie habe es schade gefunden, dass Merz nicht für das Präsidium der CDU kandidieren wollte. Sie schätze ihn sehr als Wirtschaftspolitiker. Laschet werde weitere Gespräche führen - und die ganze Breite der CDU abbilden.

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