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Kreativwerkstatt: Einfach mal Farbe an die Wand werfen

Seit Anfang April betreibt Tagesmutter Stefanie Boss auch eine Kreativwerkstatt in Friesoythe. Dort hat sie einen Raum geschaffen, in dem Kinder auch mal Farbe an die Wand werfen können.

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Hauptsache Farbe: Eine ganze Wand hat Stefanie Boss mit Magnetwand und austauschbaren Papierbahnen verkleidet. Ihre Tageskinder, aber auch die eigenen Töchter Carlotta (rechts) und Lea, können dort nach Herzenslust ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Foto: Stix

Hauptsache Farbe: Eine ganze Wand hat Stefanie Boss mit Magnetwand und austauschbaren Papierbahnen verkleidet. Ihre Tageskinder, aber auch die eigenen Töchter Carlotta (rechts) und Lea, können dort nach Herzenslust ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Foto: Stix

Mal ganz ehrlich: Wer würde nicht gerne einfach mal so Farbe an die Wand werfen? Eier aufschlagen, die Schale aufheben, mit Farbe füllen und ab damit. Danach mit dem Pinsel Hand anlegen und schauen, was dabei rauskommt.

Zu Hause natürlich undenkbar, aber genau das ist Teil der Philosophie von Stefanie Boss. Die Friesoyther Tagesmutter hat Anfang April ihr neues, 160 Quadratmeter großes Domizil in der Meeschenstraße eröffnet und dort einen Raum als Kreativwerkstatt eingerichtet. Hier können Kinder bis drei Jahren nach Herzenslust ihrer Kreativität freien Lauf lassen, malen, basteln oder eben auch mit Farbeiern werfen. "Mir ist es wichtig dass die Kinder hier etwas machen dürfen, was sie zu Hause nie könnten und dürften", sagt die 32-Jährige.

Mit der Situation als Krankenschwester unzufrieden

In ihrem ersten Berufsleben war Boss Krankenschwester. Mit Leib und Seele, sagt sie. "Ich war gerne Krankenschwester, aber halt eine, die sich Zeit nimmt, beim Patienten am Bett sitzt, redet", erzählt Boss. Das aber gehe wegen der überbordenden Bürokratie und des ganzen Papierkrams inzwischen nicht mehr. "Ich wurde immer unzufriedener und habe mich irgendwann gefragt, ob ich mich auch in einem Jahr noch im Krankenhaus sehe", sagt sie.

Der Tipp einer Freundin brachte die begeisterte Bastlerin dann auf die Idee, eine Ausbildung zur Tagesmutter zu absolvieren. Nebenbei, die Arbeit im Krankenhaus lief weiter. "Die Ausbildung war toll, da habe ich gemerkt, dass es geht, dass das mein Ding ist", erinnert sie sich. Da lag es nahe, das frisch Gelernte auch in die Praxis umzusetzen. Allerdings mit einem Sicherheitsnetz. "Der Schritt in die Selbstständigkeit ist groß", sagt Boss. "Deshalb habe ich zunächst beides gemacht." An den Wochentagen arbeitete sie als Tagesmutter, an den Wochenenden schob sie Nachtschichten im Krankenhaus.

"Ich musste mich entscheiden, denn ich hatte einfach keine Freizeit mehr. Und dann habe ich sozusagen mein Hobby zum Beruf gemacht."Stefanie Boss, Tagesmutter

Irgendwann kam dann aber der Punkt, wo das nicht mehr ging. "Ich musste mich entscheiden, denn ich hatte einfach keine Freizeit mehr", erzählt Boss. "Und dann habe ich sozusagen mein Hobby zum Beruf gemacht."

Der Start war bescheiden, fünf Kinder betreute sie anfangs in einem Raum in ihrem Elternhaus. "Das ging, weil wir von Anfang an vorwiegend draußen waren", sagt sie. "Schlechtes Wetter ist da kein Hindernis, die Kinder müssen nur entsprechend angezogen sein." Aber schon da gab es die Idee mit dem Bastelraum. "Im ersten Lockdown habe ich mir dann einen Bauwagen gekauft und ihn zu einem kleinen Kreativraum umgebaut", erzählt Boss. "Dort haben wir dann all das gemacht, was im Haus einfach nicht ging."

Kreide selber machen und Fenster verzieren

Die Nachfrage war groß, im vergangenen Jahr hatte die Tagesmutter 42 Anfragen für die verfügbaren fünf Plätze. "Da kam dann die Frage, ob ich größer werden und auch mehr machen will", erinnert sie sich. Den Ausschlag gaben Kreativkurse, die sie im Atelier am alten Schlachthof in der Burgstraße gegeben hatte. "Da habe ich gemerkt, dass ich eine eigene Kreativwerkstatt brauche, einen Raum, in dem Kinder einfach auch mal mit Farbe werfen können." Oder Kreide selber machen, Osterschmuck basteln, Fenster verzieren, Tannenzapfen bemalen. "Kinder wollen Sachen selber machen und sind total stolz, wenn sie ein Ergebnis haben", weiß Boss.

In der Meeschenstraße bekam sie leer stehende Büroräume, im Februar starteten die Umbauarbeiten. "Ich konnte das so einrichten wie ich das wollte, konnte alles selber denken und machen." Ein fünfstelliger Betrag floss in den Umbau, aus dem der Spielraum für die Tageskinder, eine Küche, Sanitärräume, Schlafplätze und eben auch die Kreativwerkstatt hervorgingen. 

"Die Tageskinder sind ja nur vormittags da, nachmittags will ich die Werkstatt auch für andere, ältere Kinder öffnen."Stefanie Boss, Werkstattleiterin

Die Werkstatt wird auch von Boss´ Töchtern Lea (9) und Carlotta (5) gerne genutzt, ist wegen Corona aber momentan für die Tageskinder reserviert. Die Pläne für die Nach-Pandemie-Zeiten stehen indes schon fest. "Die Tageskinder sind ja nur vormittags da", erläutert Boss, "nachmittags will ich die Werkstatt auch für andere, ältere Kinder öffnen."

Die müssten dann wie die Tageskinder Kleidungsstücke tragen, die auch mal dreckig werden dürfen. "Die Kinder sollen hier nach Lust und Laune machen können, was sie wollen", sagt Boss. Kittel zum Schutz der Kleidung hat sie genügend, trotzdem sollten die Kinder Sachen tragen, auf die man nicht aufpassen muss.

Bei Kindern soll es allerdings nicht unbedingt bleiben, eine Altersgrenze nach oben gibt es für den Kreativraum nicht. "Ich kann mir vorstellen, zum Muttertag etwas mit Vätern und Kindern gemeinsam zu machen", erzählt Boss. "Oder einfach auch Kurse für Erwachsene zu geben." Vielleicht ist da dann auch Eierwerfen dabei.

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