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Kopfsalat kommt nicht auf Knopfdruck

Die Friesoyther Tafel CarLa fährt im 1. Halbjahr 10.000 Euro Minus ein. Die Gamma AG Friesoythe hilft mit einer großen Spende und verspricht weitere Unterstützung.

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Große Hilfe: Die größte Einzelspende für die Friesoyther Tafel überreichten (von rechts) Gamma-Chef Stephan Warm und Mitarbeiterin Alice Tuerel an CarLa-Vorsitzenden Ludger Hammers und CarLa-Schirmherr Bürgermeister Sven Stratmann. Foto: Gamma AG

Große Hilfe: Die größte Einzelspende für die Friesoyther Tafel überreichten (von rechts) Gamma-Chef Stephan Warm und Mitarbeiterin Alice Tuerel an CarLa-Vorsitzenden Ludger Hammers und CarLa-Schirmherr Bürgermeister Sven Stratmann. Foto: Gamma AG

Lieber im heimischen Wohnzimmer frieren, als die persönliche Notlage zugeben: Die eigene Scham lässt die Heizung kalt. Keine erfundenen Szenarien, sondern bittere Realität, wissen der 1. Vorsitzende der Caritas Lebensmittelausgabe (CarLa) Friesoythe, Ludger Lammers, und Schirmherr Bürgermeister Sven Stratmann. Corona habe die Situation weiter verschärft. Nicht nur bei den Hilfe suchenden Kunden, sondern auch bei den Helfern selbst. „Wir haben im ersten halben Jahr 2021 mehr als 10.000 Euro Minus eingefahren“, berichtet Lammers. Stephan Warm, Geschäftsleitung der Gamma AG in Friesoythe, hat mit der „bislang größten Einzelspende“ Hilfe zugesichert.

Eine Hilfe, die dringend notwendig ist, denn die jüngste Bilanz bereitet Sorgen. Die CarLa mit ihren 5 Ausgabe-Standorten im Nordkreis und Garrel kann sich nicht selbst finanzieren, sondern lebt in erster Linie von Spenden und den kleinen, eher symbolischen Beiträgen, die die Kunden selbst geben, wenn sie sich ihren Lebensmittelkorb abholen. Doch beides hat gefehlt in der jüngsten Vergangenheit, denn genauso wie viele andere Einrichtungen, musste die CarLa coronabedingt schließen. „Wir haben bis Weihnachten 2020 durchgehalten“, beschreibt Lammers die angespannte Situation. Doch dann war Schluss.

Viele Familien verzichten auf die notwendige Hilfe

Nur noch die Härtefälle wurden bedient. Jedoch nicht mehr in einer der Ausgabestandorte, sondern gewissermaßen vor Ort: „Wir haben die Ware hingebracht“, erzählt der Vorsitzende. Viel Aufwand sei von den freiwilligen Helferinnen und Helfern betrieben worden, um den Kontakt zu den betroffenen Menschen aufrechtzuerhalten. Im jeweiligen Ort habe man einen Treffpunkt abgemacht, um die Lebensmittel abzugeben. So sei es möglich gewesen, die Krise zumindest teilweise zu überbrücken.

Seit dem 1. Juli ist die CarLa wieder geöffnet: „Doch viele bleiben weg“, stellt Lammers fest. Rund 330 Familien seien auf der internen Liste vermerkt, also rund 1.000 Personen. „Doch es melden sich nur 80 bis 100 Kunden.“ Das habe Auswirkungen. Für beide Seiten. Denn die Not sei nicht kleiner geworden, im Gegenteil. Viele Familien verzichten auf die notwendige Hilfe. „Sie schämen sich“, sagt Lammers. Darum nehmen die Helfer auch jeweils 2 Euro pro Erwachsenen und 50 Cent pro Kind. „So geben wir ihnen das Gefühl, einen kleinen Gegenwert zu zahlen.“ Dieses Geld helfe auch bei der Finanzierung der Organisation. Wenn betroffene Menschen nichts zahlen könnten und das Lebensmittelpaket entgegennehmen, „können sie uns kaum in die Augen schauen“.

Wenn die Schulden weiter steigen, können wir das nicht leisten.“Ludger Lammers, Vorsitzender CarLa

Doch wenn selbst Kleinstbeträge fehlten, führe das unweigerlich zu finanziellen Engpässen bei der CarLa, die ihre Hilfsorganisation in jedem Fall aufrechterhalten möchte. Denn die Verantwortlichen, die allesamt ehrenamtlich tätig sind, wissen: Die Unterstützung ist dringend erforderlich. „Wir wissen auch, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist“, betont Schirmherr Sven Stratmann. Ludger Lammers zeichnet ein düsteres Bild: „Wenn die Schulden weiter steigen, können wir das nicht leisten.“ Noch lebe man von den Rücklagen, doch auf Dauer ginge das nicht, selbst wenn die Kommunen einspringen. Besonders betroffen seien dabei die Kinder.

Bei Stephan Warm, Chef der Gamma AG in Friesoythe, schrillten alle Alarmglocken, als er von der prekären Situation der CarLa erfuhr. „Es ist mir ein persönliches Anliegen, zu helfen, besonders das Schicksal der Kinder liegt mir am Herzen.“ Er habe von den Schwierigkeiten erfahren und sich lange damit beschäftigt. Das Engagement der Tafel sei nicht zu ersetzen, denn „der Kopfsalat kommt nicht per Knopfdruck“. Es sei von größter Wichtigkeit, zum einen aktuell Not zu lindern, zum anderen aber auch langfristiger zu denken, damit der Kreislauf der Not unterbrochen werden könne.

Die bisher größte Einzelspende für die CarLa

Warm erinnerte bei einem Treffen in seinem Wohnhaus an die eigenen bescheidenen familiären Verhältnisse, in denen er aufgewachsen sei. Darum reagiere er entsprechend empfindsam auf die Entwicklung. Um die Arbeit der CarLa für die Zukunft zu sichern, sicherte Stephan Warm eine Spende von 15.000 Euro zu, die inzwischen überwiesen wurde. Darüber hinaus versprach er weitere Hilfe, wenn die Situation es erfordere. „Das ist für mich ein wichtiger sozialgesellschaftlicher Beitrag, den wir leisten möchten“, so der Firmenchef. Er hob dabei auch besonders den persönlichen Einsatz von Ludger Lammers hervor: „Das, was Sie tun, ist längst nicht selbstverständlich.“

Sichtlich gerührt bedankte sich Lammers für die „größte Einzelspende, die es bisher für uns gab“. Das gesamte Team bedanke sich dafür: „Wir freuen uns sehr, dass es Menschen gibt, die uns helfen zu helfen.“

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