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Konjunkturumfrage im Handwerk: Bau sehr gut – Kfz-Umsätze sinken massiv

Die in der Handwerkskammer Oldenburg organisierten Gewerke sind von der Corona-Wirtschaftskrise unterschiedlich stark betroffen. "Insgesamt" zeigt sich das Handwerk in der Region aber noch stabil.

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Ordneten die Zahlen der Frühjahrsumfrage ein: (von rechts) Präsident Eckhard Stein, Gast Markus Ulsperger und Hauptgeschäftsführer Heiko Henke. Foto: Heidemann

Ordneten die Zahlen der Frühjahrsumfrage ein: (von rechts) Präsident Eckhard Stein, Gast Markus Ulsperger und Hauptgeschäftsführer Heiko Henke. Foto: Heidemann

Eckhard Stein, Präsident der Handwerkskammer Oldenburg, sieht angesichts der Ergebnisse der Frühjahrskonjunkturumfrage 2021 ein "eingetrübtes Geschäftsklima". Das Handwerk zeige sich aber "insgesamt recht krisenfest" – wobei Stein die Betonung auf "insgesamt" legt. Angesichts von 130 Berufen erfahren die verschiedenen Bereiche des Handwerks "sehr unterschiedliche Auswirkungen der Coronakrise". Nicht in allen Betrieben konnte das Personal gehalten werden.

Die Geschäftslage in konjunkturabhängigen Gewerken wie dem Bau- und Ausbaugewerbe sowie im gewerblichen Bedarf, in dem die oft exportorientierten Metallbau- und Elektronikunternehmen geführt werden, "ist weiter gut", so Stein. Bei den konsumabhängigen Gewerken wie Kfz, Nahrungsmittel, Gesundheit und Dienstleistungen beurteilen die Unternehmen ihre Lage "als durch die Pandemie sehr stark beeinträchtigt". Viele körpernahe Dienstleister dürften gar nicht arbeiten – was nur schwer nachzuvollziehen sei.

Geschäftklimaindex liegt aktuell bei 120 Punkten

Der allgemeine Geschäftsklimaindex liegt laut Umfrage bei 120 Punkten. Das sei im 10-Jahres-Vergleich nur leicht unterdurchschnittlich, so Betriebsberater Klaus Hurling, der die Ergebnisse der Online-Befragung präsentierte. Von den rund 13.000 im Kammerbezirk arbeitenden Unternehmen, darunter auch die aus den Landkreisen Vechta und Cloppenburg, waren etwa die Hälfte stichprobenartig zur Teilnahme an der Umfrage aufgefordert worden. 525 Firmen aus 41 Gewerken füllten die Fragebögen aus. Die Ergebnisse seien repräsentativ, so Hurling.

Den Baubereich und die gewerblichen Bereiche ausgenommen leiden viele Handwerksbetriebe unter Kontaktbeschränkungen, angeordneten Schließungen und der Konsumzurückhaltung der (Privat-)Kunden. So ist die Stimmung im Nahrungsmittel- und im Dienstleistungshandwerk sehr negativ. Der Klimaindex bei Bäckern, Konditoren und Fleischern liegt derzeit bei 76, im Jahr 2019 noch bei 144. Stein: "Der Konditor braucht sein Café. Alle Firmen mit Liefervereinbarungen, etwa mit Hotels und Gastronomen, oder Betriebe mit einem Cateringservice haben weniger oder gar keine Kunden". Die Umsätze sind jedenfalls tief rot.

Die Betriebe der körpernahen Dienstleistungen beklagen das langsame Impftempo

Die Kontaktbeschänkungen beklagen die körpernahen Dienstleistungen (Frisöre, Kosmetik, Schuhmacher, Schneider). Die Hygieneregeln verhindern, dass die sonst übliche Kundenzahl empfangen werden kann. Daher wird in diesem Bereich, in dem viele Soloselbstständige tätig sind, laut Hurling auch das "langsame Impftempo" sehr bemängelt. Lag der Klimaindex 2019 noch bei 140, fällt er jetzt rapide auf 66 ab.

Der Kfz- und Zweiradbereich kann sich mit dem (erlaubten) Werkstattgeschäft noch einigermaßen halten, dennoch leiden die Unternehmen unter dem Wegfall ihres Handelsgeschäftes, so Stein. Nur noch 38 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen oder mindestens gleichbleibenden Umsätzen. Die Sorgen in der Branche sind groß. Die Auswirkungen der Elektromobilität sind derzeit noch völlig ungewiss.

Nach einem kurzen "Durchhänger" im vergangenen Jahr waren die Handwerker im Gesundheitsbereich trotz Corona recht schnell wieder in der Bahn. Zwar verzögerte sich die Rückkehr der Kunden, dennoch hätten sich seine Umsätze in den vergangenen sechs Monaten wieder stabilisiert, berichtet für seinen Stand der Vareler Orthopädieschuhmachermeister Markus Ulsperger. Die Kunden kämen trotz der Corona-Auflagen wieder, hätten auch die aufgrund von Materialknappheit notwendigen Preiserhöhungen akzeptiert.

In einigen Wirtschaftsbereichen herrscht Materialmangel

Materialmangel, so Hurling, dürfte den Handwerkern und ihren Kunden in der nächsten Zeit sehr zu schaffen machen. Der derzeitige Mangel an Baustoffen oder auch Stahl auf dem Markt führe zu Preiserhöhungen durch die Materiallieferanten in kurzen Abständen. Die Betriebe aber "könnten ihrerseits höhere Preise nicht am Markt durchsetzen". Hätten die Handwerker aktuell Festpreise festgesetzt, würden sie deshalb nichts mehr verdienen. Mit Blick in die Zukunft gebe es außerdem die Frage, ob die Kunden "überhaupt noch" gewillt seien, die immer höher steigenden Preise am Bau auch zu bezahlen.

Hauptgeschäftsführer Heiko Henke bilanzierte, dass das Handwerk im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen "noch gut durch die Krise kommt". Aber "eine solche Breite im Geschäftsklimaindex von 141 am Bau bis runter nach 66 bei den personennahen Dienstleistungen – das hat es bei uns noch nie gegeben". Henke wünscht sich, dass "die Zeit mit dem doofen C-Wort" sehr bald vorbei ist. Das Virus in den Griff zu bekommen, sei auch für die Wirtschaft in der Region insgesamt notwendig. Die derzeitige Situation führe dazu, dass das Handwerk nötige Investitionen "nicht mehr stemmen könne". Zuletzt seien Verdienste und Reserven der Betriebe in die Aufrechterhaltung der laufenden Geschäfte geflossen. Wenn auf Dauer die investive Nachfrage des Handwerks ausfalle, dann wirke das fatal.

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