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Könige müssen für Botschaft zurückstehen

Diakon Hubert Looschen hat sich für die Krippenfiguren in der Garreler Kirche eine besondere Anordnung ausgedacht: Die heiligen drei Könige wurden an den Rand gestellt – aus einem besonderen Grund.

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Der Arrangeur inmitten der Krippenszenerie: Hubert Looschen war in diesem Jahr erstmals für die Anordnung der Figuren verantwortlich. Foto: Schrimper

Der Arrangeur inmitten der Krippenszenerie: Hubert Looschen war in diesem Jahr erstmals für die Anordnung der Figuren verantwortlich. Foto: Schrimper

Caspar, Melchior und Balthasar dürfen in diesen Tagen nur aus der Ferne auf das gerade geborene Jesuskind schauen. Zwar sind die drei Monarchen bereits im Anmarsch auf den Stall mit der Heiligen Familie – doch eben nur in der zweiten Reihe. Vorne tummeln sich bereits andere Menschen, um dem gerade Geborenen ihre Aufwartung zu machen. Es sind nicht die Hirten. Die sind bereits wieder ihrem Tagwerk nachgegangen. Stattdessen stehen dort in unmittelbarer Nähe unter anderem zwei Kinder, eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm, ein Obdachloser, ein Kriegsversehrter und ein Schäfer – als Anspielung auf das Garreler Gemeindewappen.

Diese besondere Konstellation der Krippenfiguren in der Garreler Kirche St. Peter und Paul hat Diakon Hubert Looschen ersonnen. „Ich wollte deutlich machen, wie verbunden die Menschen mit der   Verkündigung der Geburt Jesu sind und dass diese alle Menschen angeht“, sagt er. Dass etwa ein Obdachloser oder auch Kardinal von Galen in der Szenerie auftauchen, ist nichts Neues. In dieser Anordnung dürfte man die von Künstlerin Agathe Henning gestalteten Figuren in Garrel aber noch nie gesehen haben.

Ihm sei es darum gegangen, so Looschen, die Menschen in den Mittelpunkt zu rücken, die Jesus ins Herz geschlossen habe, wie die Kinder zum Beispiel. Sonst sei es Tradition gewesen, dass die Hirten in der Anordnung gemäß ihres Rangs weichen, sobald die Könige kommen, erzählt Looschen. Das ist nun nicht mehr der Fall – sie haben quasi bereits alles gesehen.

Beschwerden sind erwünscht

Nah bei Jesus stünden die normalen Menschen, die auch die realen Besucher der Krippe in der Kirche repräsentierten, so der Diakon. An ihnen liege es, die Frohe Botschaft von Jesu Geburt zu verkündigen. Alle könnten sich engagieren. „Wir müssen die Verkündigung auf unsere Fahnen schreiben“, sagt Looschen. „Wir können nicht sagen: ‚Die Kirche müsste mal...‘. Die Kirche sind wir alle“, betont er. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen der Kirche ihren Rücken kehren, habe er mit seiner Anordnung der Krippenfiguren ein Zeichen setzen wollen, so Looschen.

Der Diakon weiß, dass diese Abweichung von der traditionellen Anordnung möglicherweise nicht nur Fürsprecher findet. „Das Schönste wäre, wenn sich die Leute beschweren würden“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Dann wisse er, dass man sich Gedanken gemacht und sich mit dem Thema auseinandergesetzt habe.

Handarbeit: Die vielfältigen Krippenfiguren wurden alle von Künstlerin Agathe Henning aus Castrop-Rauxel gestaltet. Foto: SchrimperHandarbeit: Die vielfältigen Krippenfiguren wurden alle von Künstlerin Agathe Henning aus Castrop-Rauxel gestaltet. Foto: Schrimper

Wie der Diakon berichtete, soll die Krippe mindestens bis zum 24. Januar stehen bleiben. So lange haben Interessierte noch Gelegenheit, sie zu betrachten. Looschen bedauert, dass, anders als in den Vorjahren, coronabedingt kein „Krippentourismus“ stattfinden kann. Sonst hätten immer um die 20 Reisebusse die Garreler Kirche angesteuert.

Die 22 besonderen Figuren werden wieder bis zum nächsten Weihnachtsfest im Keller des Pfarrhauses eingelagert. Gesucht werde aktuell noch ein neuer Lagerplatz für die Holzkonstruktion der Krippe. „Eine Garage müsste es mindestens sein“, so Looschen.

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