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Kommunikation mit Zeichen statt mit Worten

Auf der Basis des Metacom-Systems hat die Bücherei St.-Marien Friesoythe mit dem Caritas-Verein Altenoythe ein eigenes Bücherei-Informations-System für Menschen mit Beeinträchtigungen entwickelt.

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Setzen auf Symbolsprache: In der Bücherei haben Birgit Meyer-Beylage und Markus Osterloh (von links) mit Unterstützung von Irene Block (Caritas-Verein) ein Informationssystem auf Basis der Metacom-Symbole entwickelt und umgesetzt. Foto: Stix

Setzen auf Symbolsprache: In der Bücherei haben Birgit Meyer-Beylage und Markus Osterloh (von links) mit Unterstützung von Irene Block (Caritas-Verein) ein Informationssystem auf Basis der Metacom-Symbole entwickelt und umgesetzt. Foto: Stix

Wer in eine Bücherei kommt, so möchte man meinen, kann lesen. Es müsste also doch eigentlich ausreichen, das Wegeleitsystem und alle für die Nutzer wichtigen Informationen wie etwa Hinweisschilder zur Ausleihe und Rückgabe oder für die einzelnen Themenbereiche in schriftlicher Form zur Verfügung zu stellen.

Irrtum, sagen Irene Block vom Caritas-Verein Altenoythe und Birgit Meyer-Beylage, die Leiterin der Bücherei St. Marien in Friesoythe. Die Zielgruppen einer Bücherei seien sehr viel breiter, vor allem seit man dort auch DVDs, Spiele oder Tonie-Boxen ausleihen kann. Kinder im Vorschulalter, Leseanfänger mit begrenztem Wortschatz oder Menschen mit Migrationshintergrund könnten hier genauso fündig werden wie Analphabeten und Gehörlose, unterstreicht Meyer-Beylage.

Basis ist ein Projekt des Caritas-Vereins Altenoythe

„Es geht in der Bücherei ja auch darum, allen Menschen ein Angebot zu machen und ein Treffpunkt für alle zu sein“, sagt sie. Deshalb hat sie gemeinsam mit Markus Osterloh, dem Bundesfreiwilligendienstler (Bufdi) der Bücherei, ein auf leicht verständlichen Bilder basierendes Informationssystem entwickelt und installiert.

Basis ist ein Projekt des Caritas-Vereins Altenoythe, der gemeinsam mit sieben Verbundpartnern aus dem Gebiet zwischen Papenburg und Osnabrück seit zwei Jahren daran arbeitet, ein umfassendes Konzept für eine gelingende Kommunikation über alle Barrieren hinweg zu erstellen.

„Wir wollen erreichen, dass Menschen sich nicht nur in ihrem engsten Umfeld, sondern auch außerhalb sicher fühlen.“Irene Block, Caritas-Verein Altenoythe

Neben Gebärdensprache, elektronischen Kommunikationshilfen und der leichten Sprache kommen bei diesem Konzept auch Bilder und Symbole, unter anderem aus der Symbolsammlung Metacom, zum Einsatz. Diese Symbole, von denen es inzwischen Sammlungen für die Kommunikation beim Arzt, in der Pflege und für viele andere Lebensbereiche gibt, ermöglichen es beispielsweise Menschen mit Beeinträchtigungen, über eine Bildsprache Wünsche, Bedürfnisse, Informationen oder Fragen auszudrücken beziehungsweise zu verstehen. „Wir wollen erreichen, dass Menschen sich nicht nur in ihrem engsten Umfeld, sondern auch außerhalb sicher fühlen“, sagt Block.

Bei seiner Arbeit an dem Informationssystem der Bücherei konnte Osterloh auf den Katalog der Metacom-Sammlung zurückgreifen, der rund 10.000 Symbole etwa für Eigenschaften, Interaktionen oder Emotionen, aber auch für Verben umfasst. Nicht genug, wie sich herausstellte. „Ich musste selbst kreativ werden, denn für Büchereien gibt‘s noch nicht so viel“, erzählt der Bufdi. „Man kann aber aus den bestehenden Elementen neue Symbole kreieren, wenn man wie wir eine Lizenz dafür hat“, erzählt er.

Nutzer sollen Bücherei selbst erschließen

Und so entstanden Schilder für Vorlese- und Kinderbücher, für Märchen und Fabeln oder für das erste Lesealter, aber auch für detailliertere Angaben. So können beispielsweise Kinder jetzt auch ohne ihre Eltern die Bereiche finden, in denen die Bilderbücher über Zootiere oder über Dinosaurier stehen.

„Wir haben das Projekt in allen Bereichen und Kategorien umgesetzt“, sagt Meyer-Beylage, „aber besonders gut hat es natürlich bei den Sachbüchern für Kinder und Erwachsene funktioniert.“ Ziel sei es, allen Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit zu geben, sich die Bücherei selbst zu erschließen. Interesse dafür sei vorhanden. „Zu uns kommen beispielsweise regelmäßig Gruppen aus der Förderschule St. Elisabeth“, erzählt die Büchereileiterin. „Da haben mir schon viele Lehrkräfte gesagt, dass so ein System super wäre.“

Auch die Stadtverwaltung hat Interesse

Die Bücherei St. Marien ist die erste Einrichtung in Friesoythe, die das System nutzt. Sie wird nicht die letzte sein. „Mit der Stadt haben wir schon Gespräche geführt“, sagt Block. „Im Rathaus soll das auch eingesetzt werden, damit Menschen mit Leseschwäche den Weg zu ihrem Ansprechpartner finden. Ob es schon ein Symbol für „Bürgermeister“ gibt, weiß sie nicht. Die Kanzlerin jedenfalls ist in dem Katalog bereits vertreten.

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