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Knapp 500 Schwangere aus dem Kreis Cloppenburg suchen 2021 Rat

Die Mitarbeiterinnen des Vereins "donum vitae" beraten Paare bei Fragen zu Schwangerschaft und Kinderwunsch. Jetzt haben sie ihren  Jahresbericht vorgelegt.

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Begleiten Schwangere und bieten vielfältige Hilfen an: Ines Meinerling (links) und Martina Hingst legten nun den Jahresbericht 2021 der Schwangerenberatungsstelle donum vitae vor. Foto: Landwehr

Begleiten Schwangere und bieten vielfältige Hilfen an: Ines Meinerling (links) und Martina Hingst legten nun den Jahresbericht 2021 der Schwangerenberatungsstelle donum vitae vor. Foto: Landwehr

Männer und Frauen, die Hartz IV erhalten, können im Landkreis Cloppenburg die Hälfte der Kosten für ärztlich verordnete Verhütungsmittel erstattet bekommen. Dafür hat der Landkreis Cloppenburg einen eigenen Verhütungsmittelfonds geschaffen. Das aber ist im Land Niedersachsen eher die Ausnahme. Das Land selbst übernimmt zwar die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch bei Menschen mit Sozialleistungen oder mit geringem Einkommen komplett, stellt jedoch kein Geld für Verhütungsmittel zur Verfügung – eigentlich paradox, finden Ines Meinerling und Martina Hingst, die als Mitarbeiterinnen in der Beratungsstelle des Vereins "donum vitae" in Cloppenburg und Barßel Frauen und Männer unterstützen, "Perspektiven zu finden, dem Leben eine Chance" zu geben, wie es im Jahresbericht 2021 heißt, den sie nun vorstellten.

"In der täglichen Arbeit in den Beratungsstellen haben uns im letzten Jahr neben den Beratungen zur Schwangerschaft die familiären Belastungen durch die Corona-Beschränkungen, die viele Familien hart getroffen und oft zu Konflikten in der Schwangerschaft geführt haben, immer wieder vor besondere Herausforderungen gestellt", erläutern Diplom-Pädagogin Martina Hingst und Sozialarbeiterin Ines Meinerling in ihrem Jahresbericht. "Wir hatten während der Coronazeit immer geöffnet. Viele Ratsuchende kamen dabei auch mit Problemen zu uns, weil andere Behörden oft nur online erreichbar waren. Da waren dann einige überfordert", resümieren die Beraterinnen.

"Erschreckend ist, dass die Not hin und wieder so groß ist, dass Frauen oder Paare sich mit einem Gedanken an einen Schwangerschaftsabbruch tragen."Martina Hingst, Beraterin beim Verein "donum vitae"

"Ob freudig erwartet, überraschend oder befürchtet – für viele Frauen und deren Partner ist der Beginn einer Schwangerschaft mit sehr unterschiedlichen, manchmal auch widersprüchlichen Gefühlen oder Problemen verbunden", haben Hingst und Meinerling erfahren. „Das Schwangerschaftskonfliktgesetz räumt Männern ebenso wie Frauen das Recht ein, sich in allen Fragen einer Schwangerschaft und der Familienplanung kostenlos beraten zu lassen. Das Beratungsangebot von "donum vitae" umfasst alle Aspekte und Probleme, die mit Sexualität, Partnerschaft, Familienplanung, Verhütung, Schwangerschaft und Geburt zu tun haben. Neben der Beratungsstelle der Diakonie ist der Verein "donum vitae" in Cloppenburg und Barßel eine staatlich anerkannte Schwangerenberatungsstelle, die Ratsuchenden mit ihren Angeboten zur Seite steht.

Im Beratungsjahr 2020 führten die beiden Beraterinnen 427 allgemeine Schwangerschaftsberatungen und 66 Konfliktberatungen durch. Überraschend für Martina Hingst war es, dass die Zahl der Konfliktberatungen in Barßel von 20 bis 30 in den beiden Pandemiejahren auf jeweils 40 gestiegen ist. "Erschreckend ist, dass die Not hin und wieder so groß ist, dass Frauen oder Paare sich mit einem Gedanken an einen Schwangerschaftsabbruch tragen", sagt Hingst. Dabei war eine der Frauen mit Beratungsbedarf unter 18 Jahre, 9 Prozent waren 18 bis 21 Jahre. 68 Prozent der Frauen, die eine Beratung wünschten, waren zwischen 22 und 34 Jahre alt und 22 Prozent älter. Die Themen beinhalteten Fragen zu sozialen Leistungen, zur Familienplanung ebenso wie zu Partnerschaftskonflikten oder zum Schwangerschaftsabbruch.

Überforderung und finanzielle Not belasten Hilfe suchende Paare

66 Frauen (40 Barßel, 26 Cloppenburg), die einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung zogen, nahmen eine Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch. „Die Gründe für einen Schwangerschaftskonflikt sind weiterhin äußerst vielschichtig“, betont Hingst. Als hauptsächliche Begründungen nannten die Schwangeren: keinen Kinderwunsch (67 Prozent), familiäre Gründe (42), Probleme in der Partnerschaft (32), finanzielle Gründe (36), abgeschlossene Familienplanung (44), die berufliche Situation (42), die Situation als Alleinerziehende (26) sowie die stark gestiegene Begründung der psychischen Überforderung (61). Dabei waren Mehrfachnennungen möglich.

"Deutlich spürbar waren Belastungen und Überforderungen durch Homeschooling der Kinder, Homeoffice der Eltern sowie finanzielle und berufliche Gründe durch die Pandemie-Beschränkungen", hatten die Beraterinnen erfahren. 333 Frauen oder Paare nutzten zudem das Angebot der Schwangerenberatung. Zu deren Aufgaben gehört auch die Vermittlung von finanziellen Hilfen zur Verringerung wirtschaftlicher Probleme, wenn sich ein (weiteres) Baby ankündigt: Im Jahr 2019 konnte der Verein donum vitae in 119 Fällen finanzielle Hilfen unterschiedlicher Stiftungen in Höhe von rund 82.200 Euro ermöglichen sowie in 28 Fällen gebrauchte Baby- und Kinderartikel weiterverschenken, berichtet Meinerling, die festgestellt hatte, dass die Not in den Familien größer geworden ist.

Der Hauptteil der Hilfen wurde möglich durch Zuwendungen der Bundesstiftung Mutter und Kind. Weitere Zuschüsse flossen von der Welker- Stiftung und Ostendorf- Stiftung. "Eine besondere Bedeutung hat in diesem Zusammenhang der Verhütungsmittelfonds des Kreises Cloppenburg. Im Oktober 2019 beschloss der Kreistag einstimmig, dass dieser Sonderfonds als freiwillige Leistung auch für die Jahre 2020 bis 2022 weiter bestehen bleibt. Wir erleben in unserer Arbeit, wie dankbar diese Unterstützung angenommen wird", weiß Hingst.

Beraterinnen begleiten Schwangere auch bei ärztlichen Untersuchungen

Im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft bietet donum vitae Frauen und Paaren auch die Möglichkeit der Beratung und Begleitung vor, während und nach pränataldiagnostischen (vorgeburtlichen) Untersuchungen an. "Vor einer Pränataldiagnostik beraten wir Schwangere über Untersuchungsmethoden, Risiken oder Folgen eines auffälligen Befundes", informiert Hingst. Nach Erhalt eines auffälligen pränataldiagnostischen Befundes begleiten und beraten die Mitarbeiterinnen. Nach der Entscheidung für das Austragen der Schwangerschaft begleiten sie die Frauen bis nach der Geburt, vermitteln eventuell finanzielle Hilfen und stellen den Kontakt zur Frühförderung, zu Behindertenverbänden oder anderen betroffenen Eltern her.

Nach der Entscheidung für einen Abbruch der Schwangerschaft geben sie Informationen zum Schwangerschaftsabbruch und unterstützen sie beim Abschiednehmen und bei der Trauerbegleitung.

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