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Kleine Schritte und ein dickes Fell – mein Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung

Kolumne: Auf ein Wort – Zug, Bus und Fahrrad sind eine Alternative zum Dienstagwagen. Allerdings sind Fahrradwege zur Stoßzeit auch ein gefährliches Pflaster.

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Seit Februar wohne ich in einer Stadt mit einem Bahnhof, an dem Personenzüge fahren. Super finde ich das! Also habe ich mir vorgenommen, Fahrten, bei denen das Ziel an einer Bahnstrecke liegt, mit dem Zug zu machen. Besprechungen im Zentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg sind nicht selten. Meist beginnen sie um 9 Uhr morgens. Der Zug um 7.56 Uhr ist meiner. Mit dem Bus erreiche ich dann in Oldenburg den Ort des Treffens. Alles gut zu machen.

Aber: Sind Sie schon einmal morgens, kurz vor 8, mit dem Fahrrad durch Cloppenburg gefahren? Und dann auch noch auf der Hagenstraße, Richtung Bahnhof? Man muss um sein Leben fürchten! Massen von Schülerinnen und Schülern kommen einem entgegen! Zu Fuß, viele auf dem Fahrrad – trotzdem auf meiner rechten Seite. Sie kommen auch von rechts, wollen die Straße überqueren – toll, dass so viele junge Menschen morgens in unserer Stadt unterwegs sind. Doch das Chaos lebt! Auf so viele Fahrradfahrer und Fahrradfahrerinnen ist die Stadt nicht eingestellt. Anscheinend auch nicht darauf, die Regeln, die es einem ein bisschen leichter machen, einzufordern. Trotzdem wage ich mich hinein. Durch all das lass' ich mich nicht abhalten von meinem Plan, mit dem Zug zu fahren.

"Ich bin überzeugt davon, dass man große Ziele nur mit kleinen Schritten erreicht."Kreispfarrerin Martina Wittkowski

Unterwegs checke ich noch einmal die Notizen der vorhergehenden Besprechung, kann mich gut aufs Thema einstellen. Im Bus treffe ich einen ehemaligen Kollegen, den ich lange nicht gesehen habe. Und überhaupt liebe ich es, in öffentlichen Verkehrsmitteln Menschen aus ganz anderen Berufssparten zu begegnen und etwas von ihrem Alltag zu erahnen. Ich komme pünktlich und entspannt zu meinem Termin in Oldenburg. Doch dann zieht die Besprechung sich in die Länge, mehr, als mir gefällt. Um den Absprung zu schaffen, sage ich: „Ich muss gleich los zum Bus!“ „Zum Bus? Wieso das denn?“, kommt da die Frage von den Mittagenden – „Ich denke, Du hast einen Dienstwagen!“ – „Klar habe ich den,“ antworte ich, „aber etwas für die Umwelt zu tun, ist doch wohl nicht verboten?!“ Hm, überzeugen kann ich meine Kollegen wohl nicht.

Trotzdem halte ich durch. Mit dem Dienstwagen fahre ich schon genug kreuz und quer durchs Oldenburger Münsterland. Ich bin überzeugt davon, dass man große Ziele nur mit kleinen Schritten erreicht – und ein dickes Fell braucht man manchmal auch. „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Das Sprichwort aus Afrika spornt mich an. Es kommt auch auf mich an und auf meine Entschiedenheit, etwas zur Bewahrung der Schöpfung beizutragen. Und so halte ich durch. Am liebsten würde ich übrigens demnächst mit dem Schnellbus nach Vechta fahren. Und wenn Sie diesen Text lesen, bin ich wahrscheinlich gerade mit dem Zug unterwegs nach Oldenburg.


Zur Person:

  • Martina Wittkowski ist Kreispfarrerin im evangelischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland.
  • Sie erreichen die Autorin per E-Mail an redaktion@om-medien.de.

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