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Kleine Klappe sorgt für großen Ärger

Seit Jahren liegt ein Rentner mit dem Landkreis Cloppenburg wegen einer selbst gebauten Kaminklappe über Kreuz. Inzwischen geht es nicht nur ums Rechthaben, sondern auch um viel Geld.

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Auslöser für den Streit: Die Kaminklappe wurde nach Ansicht des Bauamtes nicht ordnungsgemäß gesichert. Der Besitzer sieht das anders. Foto: Quell

Auslöser für den Streit: Die Kaminklappe wurde nach Ansicht des Bauamtes nicht ordnungsgemäß gesichert. Der Besitzer sieht das anders. Foto: Quell

Als Hans-Jürgen Quell im Herbst 2018 die Tür für den Bezirksschornsteinfeger öffnete, ahnte der Großenginger nicht, dass dieser Besuch ihm kein Glück ins Haus bringen sollte. Bei der Untersuchung stellte der Mann in Schwarz Mängel an Quells Schornstein fest. Dieser halte einem Rußbrand nicht mehr stand und sei somit nicht brandsicher, urteilte der Experte. Auch der Reinigungsverschluss sei zu erneuern.

Quell wohnt in einem sehr alten Haus. „Es wurde im Jahr 1862 gebaut“, berichtet der Rentner. Was der Schornsteinfeger ihm vorschlug, um die Mängel zu beseitigen, kam für den ehemaligen Handwerker nicht infrage. „Der Schornstein ist schräg gemauert und wird lediglich von einer Stützmauer gehalten. Wenn dort der alte Rahmen herausgestemmt würde, könnte das Ganze zusammenbrechen", erklärt er. Um das Problem mit der Klappe zu lösen, bohrte Quell stattdessen zwei Löcher in das Gemäuer, führte anschließend  Gewindestangen hinein und befestigte sie mit einem Spezialmörtel. Als Riegel dient ein Flacheisen. „Mit Hilfe zweier Flügelmuttern hält es die Reinigungsklappe sicher.“ Der Bezirksschornsteinfeger sah das allerdings anders. Er setzte Quell mehrere Fristen, die dieser allesamt verstreichen ließ. Aus seiner Sicht war ja alles in Ordnung. Und so wurde aus der Mücke nach und nach ein Elefant.

Landkreis droht mit Zwangsgeld

Anfang 2019 leitete der Landkreis Cloppenburg ein bauordnungsrechtliches Verfahren ein und forderte den Hausbesitzer auf, die Mängel zu beseitigen. Von der Klappensicherung Marke Eigenbau hält das Bauamt wenig. Sie stelle die Standsicherheit des Schornsteins infrage und sei zudem nicht "brandbeständig". Das sieht der Eigentümer komplett anders.

Es kam, wie es eigentlich nicht kommen sollte. Quell blieb auch dann stur, als der Landkreis mit einem Zwangsgeld in Höhe von 5000 Euro drohte. Der 68-Jährige legte vergeblich Widerspruch ein. Im September vergangenen Jahres setzte die Behörde das angedrohte Zwangsgeld fest, Quells erneuter Widerspruch wurde Mitte Februar zurückgewiesen. Der Landkreis wartet nach eigenen Angaben die Klagefrist ab und wird dann das Verfahren fortsetzen.

Den Schornsteinfeger hat Hans-Jürgen Quell seit Beginn des Streits nicht mehr im Haus gehabt. Auch deswegen hat er jetzt Ärger, denn seinen Kamin muss er laut Landkreis trotzdem kehren lassen. Quell versteht das nicht. „Er gilt doch als nicht brandsicher. Ich nutze ihn gar nicht.“ Wie der Landkreis auf Anfrage mitteilt, hat der Bezirksschornsteinfeger den Schornstein jedoch nicht stillgelegt. Und weil er daher offiziell betriebsfähig bleibe, sei Quell dazu verpflichtet, ihn regelmäßig durchchecken zu lassen.

Die Situation ist verfahren. Eigene Fehler kann der Großenginger aber nicht erkennen. Als Handwerker wisse er, wie man eine Klappe ordentlich befestige, sagt er. Schuld an der Eskalation gibt er sowohl dem Schornsteinfeger als auch dem Landkreis. Ein Gesprächsangebot der Behörde würde er jedoch nicht ausschlagen, sagt er.

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