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"Kirche muss sich ständig erneuern": Pastor Paul Horst spricht sich für Priesterinnen aus

Diskussionen in der katholischen Kirche: Das Zölibat soll abgeschafft werden, das Priesteramt auch Frauen offen stehen und Homosexualität nicht mehr als Sünde gelten. Ein Gespräch mit Paul Horst.

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Klare Worte: Paul Horst spricht offen über den Wandel, den die katholische Kirche gerade vollzieht. Foto: Schrimper

Klare Worte: Paul Horst spricht offen über den Wandel, den die katholische Kirche gerade vollzieht. Foto: Schrimper

Steht die katholische Kirche vor einem tiefgreifenden Wandel? Aktuell wird über das Ende des Zölibats, Frauen als Priesterinnen und Homosexualität diskutiert. OM-Medien hat mit Paul Horst über diese Themen gesprochen. Er ist Pastor der Garreler Kirchengemeinde St. Johannes Baptist. Auch zum Missbrauchsskandal findet der Geistliche deutliche Worte. 

Viele Katholiken sagen, dass sie sich wegen des anhaltenden Missbrauchskandals schämen. Wie sind Ihre Gefühle diesbezüglich?
Das kann ich gut verstehen, weil es mir ähnlich geht. Ich schäme mich nicht wegen des Evangeliums. Aber wegen der Form, wie wir uns als Kirche darstellen. Wir haben uns mehr um die Institution gesorgt, als um den Menschen. Und dafür schäme ich mich. Trotzdem liebe ich die Kirche, weil in ihr das Evangelium aufbewahrt wird. Aber wir haben uns falsch verhalten.

Wie bewerten Sie die Rolle der Frau in der katholischen Kirche? Sollte Ihr das Priesteramt offenstehen?
Heute wird nicht mehr verstanden, dass die Ämter in der katholischen Kirche nicht allen in gleicher Weise offenstehen. In einer demokratisch verfassten Gesellschaft, wie wir in einer leben, ist das nicht mehr zu vermitteln.

Für die Kampagne "OutinChurch", bei der sich Mitarbeiter der katholischen Kirche als homosexuell geoutet haben, haben die Beteiligten viel Anerkennung erhalten. Vor allem wurden sie für ihren Mut gelobt. Wie sehen Sie das?
Ich finde es schade, dass man in unserer Zeit heute belobigt wird, wenn man zu seiner Meinung steht. Ich finde es außerordentlich bedauerlich, dass wir in einer kirchlichen Gesellschaft leben, in der das Mut zu benötigen scheint. Für mich ist es beschämend, dass man bei uns dafür Mut braucht. Gerade bei uns, weil wir die Liebe Gottes zu jedem Menschen zu verkünden und zu leben haben. Wir müssen uns für die Freiheit einsetzen. Vor Gott gesehen, sind wir alle Geschwister, und unter Geschwistern ist man offen und darf sein, wie man ist. Doch unterschiedlich in manchen Urteilen. Aber wir bleiben Geschwister. 

Aktuell wird auch über die Abschaffung des Zölibats diskutiert. Geht es im Prinzip nicht um die Freiheit, selbst entscheiden zu können, wie man leben will?
Ich bin nicht gezwungenermaßen ehelos, ich habe das in Freiheit gewählt. Mein Primizspruch lautet: "Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit." Ein Wort des Heiligen Paulus. Einen Zwang kann es im Glauben nicht geben. Der Priester hat nicht nur die Berufung zum kirchlichen Dienst, sondern auch zur Ehelosigkeit. Die Kirche kann klären, ob sie beide Berufungen für notwendig hält. Das Zölibat ist geschichtlich gewachsen und kann daher auch geändert werden. Jedoch sollten wir hierbei immer hinterfragen, wie wir den Willen Gottes erkennen. Wir sollten nicht danach gehen, was gerade modern oder unmodern ist. Das ist zu billig. 

Was muss sich aus Ihrer Sicht in der katholischen Kirche ändern?
Kirche muss sich ständig erneuern, damit sie die Kirche Jesu Christi bleibt. Diese Zeit heute zeigt mir, dass wir oftmals zu sehr auf die Institution, auf die äußere Form, geachtet haben als auf die Botschaft, die wir zu verkünden haben. Die Botschaft haben wir vielleicht zu sehr vernachlässigt. Wir brauchen eine Wandlung, eine Erneuerung von innen heraus, damit wir unsere Beziehung zu Gott und zum Nächsten stärken. Ich bete jeden Tag dafür, dass ich mich noch tiefer Gott und dem Menschen zuwenden kann. Was sich konkret in der Kirche ändern muss: Ich! Und wenn viele gemeinsam so denken und handeln, werden wir wieder mehr zu der Kirche Jesu Christi. 

Was ist Ihnen persönlich wichtig in dieser Zeit?
Mir wäre es sehr lieb, wenn Menschen, ob jung oder alt, mir ihre Erwartungen benennen könnten, was ihnen Freude und was ihnen Angst bereitet, damit ich dem Menschen noch mehr gerecht werden kann. Ich bin sehr dankbar für all diejenigen, die in unseren kirchlichen Räten und Gremien arbeiten und mir widerspiegeln, was die Menschen bewegt. Ich habe selber eine bestimmte Sichtweise, aber diese ist nicht maßgebend. Der Austausch ist wichtig. Dabei vertraue ich dem Wort einer talmudischen Weisheit: "Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt."

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