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Kirche am Nullpunkt bietet Chancen

Frauengemeinschaften laden zum Nachtgebet ein. In Emstek kamen knapp 100 Frauen und Männer zum Impuls.

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Zeichen setzen: Die Kerzen platzierten die Teilnehmenden nach dem Gebet auf den Stufen der Emsteker Pfarrkirche. Foto: Thomas Vorwerk

Zeichen setzen: Die Kerzen platzierten die Teilnehmenden nach dem Gebet auf den Stufen der Emsteker Pfarrkirche. Foto: Thomas Vorwerk

Mit einem Nachtgebet haben die Frauengemeinschaften aus der Gemeinde Emstek am Wochenende auf die aktuelle Situation in der Kirche aufmerksam gemacht. Knapp 100 Frauen und Männer folgten der Einladung, nahmen eine Kerze in Empfang und entzündeten sie als Zeichen, dass man bereit ist, Licht ins Dunkel zu bringen und an einer Erneuerung mitzuwirken.

"Ende Januar wurde das Gutachten über den Umgang mit sexuellem Missbrauch im Erzbistum München der Öffentlichkeit präsentiert. Selbst ein ehemaliger Papst ist darin verstrickt. Und es scheint, als sage er die Unwahrheit, wenn er vorgibt, in einem besonders schwerwiegenden Fall nichts gewusst zu haben", so die einleitenden Worte. Nun stehe also auch ein Papst vor der Öffentlichkeit als möglicher Vertuscher oder Lügner da. "Die katholische Kirche in unserem Land ist nicht erst seit (der Missbrauchsstudie aus) München in den Grundfesten erschüttert. Und ein Ende der Erschütterungen ist nicht abzusehen", so eine der Sprecherinnen, die sich am Mikrofon abwechselten.

"Zu viel Glanz und Gloria, zu viel Macht und Geld."Pfarrer Johannes Broxtermann, Lüdenscheid

Der in Lüdenscheid lebende Pfarrer Johannes Broxtermann hat zu der Lage der Kirche in Deutschland einen Psalm verfasst, der bereits anstatt einer Predigt veröffentlicht wurde und an dem Abend ebenfalls vorgetragen wurde. "Zu viel Glanz und Gloria, zu viel Macht und Geld, zu viel Behörde – ein geschlossenes System mit eigener Logik, weltfremd und immer im Recht", heißt es dort. Lange sei den Opfern nicht geglaubt worden, hätten sie kein Gesicht bekommen. Es wurde verschwiegen und vertuscht.

Die Kirche liege am Boden und werde ausgezählt wie in einem Boxring. An diesem Nullpunkt biete sich aber die Chance, den Umschwung zu starten, mit Bescheidenheit und Demut und den Verzicht auf Glanz und Selbstbeweihräucherung. Dabei gelte die Akzeptanz und Liebe auch denen "die Du, Gott, anders geschaffen hast, und die sich jetzt aus den Verstecken wagen".

Die Idee zum Nachtgebet stammt aus dem Landesverband der KFD Oldenburger Land. Petra Focke aus Vechta, die dem Leitungsteam angehört, hat den Gebetsimpuls verfasst. Neben den Gruppen aus der Emsteker Pfarrgemeinde haben sich weitere Zusammenschlüsse in Altenoythe und in Steinfeld getroffen beziehungsweise planen ein Nachtgebet in Cloppenburg sowie eine Demo in Oldenburg. Dort sollen auch Forderungen an die Kirchentür von St. Peter angeschlagen werden.

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