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Kinderarzt Blömer fordert: Schulen und Kitas öffnen

Dr. Elmar Blömer aus Damme hat  an Niedersachsens Ministerpräsident Weil geschrieben. Er schreibt, er sei in Sorge um die Rechte der Kinder und ihrer geistigen, körperlichen und seelischen Gesundheit.

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Alle Schulen und Kindergärten sollten öffnen, fordert Dr. Elmar Blömer.  Foto: dpa / Murat

Alle Schulen und Kindergärten sollten öffnen, fordert Dr. Elmar Blömer.  Foto: dpa / Murat

Die sofortige Öffnung aller Kindergärten und Grundschulen sowie der Sportvereine hat der Dammer Kinderarzt Dr. Elmar Blömer in einem Schreiben an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gefordert.

Den Brief hat er nach eigenen Angaben als Kopie auch an Silvia Breher, die CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Cloppenburg/Vechta, geschickt. Eine Antwort habe er noch nicht erhalten, sagt der Mediziner. Aber er rechne sehr damit.

In dem Text heißt es, eine Aufgabenmitteilung über Computer könne einen Grundschullehrer niemals ersetzen. Auch gegen eine volle Klassenstärke gebe es nur wenig Argumente. Weiterführende Schulen sollten bis zur 10.  Klasse ebenfalls  auf Präsenzunterricht setzen. In der Oberstufe sei ein Szenario B eventuell tragbar, auch „wenn ich persönlich bei Abwägung von Vor- und Nachteilen eher kompletten Unterricht bevorzuge“.

Seelische, körperliche und geistige Gesundheit der Kinder in Gefahr

Warum sich der Mediziner so klar positioniert? Er sei in tiefer Sorge um die Rechte der Kinder. Ihre geistige, körperliche und seelische Gesundheit sei bedroht, schreibt Dr. Blömer. Nachdem bereits im Dezember ein vorzeitiger Ferienbeginn für die Schüler in Kraft trat, habe Anfang Januar die Konferenz der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin nunmehr eine weitgehende Schließung der Kindergärten und der Schulen zur Pandemiebekämpfung beschlossen. "Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie als Ministerpräsident für Niedersachsen eine teilweise Öffnung der Bildungseinrichtungen erlaubt haben, dennoch hat auch die Situation in Niedersachsen desaströse Auswirkungen für alle Kinder", erklärt Dr. Blömer.

"Haben Kinder durch Abstandsregeln, Maskentragen und Einschränkung ihrer sozialen Kontakte nicht schon genug zur Eindämmung der Erkrankung getan?"Dr. Elmar Blömer, Kinderarzt

Die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung im Kinderbereich seien ohne jeden Zweifel für die Kinder wesentlich gefährlicher als die Infektion selber. "Haben Kinder durch Abstandsregeln, Maskentragen und Einschränkung ihrer sozialen Kontakte nicht schon genug zur Eindämmung der Erkrankung getan?", fragt er. Müsse die Politik jetzt ihr Recht auf Bildung ohne echten Nutzen außer Kraft setzen?

Coronamaßnahmen für den Kinderbereich schützten Kinder nur vor einer Krankheit, mit der ihr Immunsystem meistens leicht fertig werde, erklärt Blömer. So sei es in den gesamten ersten 6 Monaten der Pandemie in ganz Niedersachsen lediglich zu 2 Krankenhausaufnahmen von Kindern wegen Coronainfektion gekommen. Wie ungefährlich die Infektion für Kinder ist, lasse sich auch anhand der Stellungnahme der Ständigen Impfkommission auf deren Homepage erkennen.

Dort stehe wörtlich: "Es ist nicht vorgesehen, Kinder und Jugendliche gegen Corona zu impfen, da sie nicht zu der Risikogruppe gehören."
Wenn also die kindliche Gesundheit nicht gefährdet sei, bleibe als Grund für Schulschließungen nur die Sorge, dass Kinder die Krankheit weiter verbreiten könnten, wie es für die Influenza nachgewiesen ist.

Kinder sind keine Treiber der Infektion

Hier ist nach Worten Dr. Blömers festzuhalten, dass Kinder keine Treiber der Infektion sind. Das habe etwa Professor Ursel Heudorf nach einem Bericht des Deutschen Ärzteblatts festgestellt. Eine Studie mit Hamburger Schülern habe ergeben, 78 Prozent der Schüler hätten sich nicht in der Schule, sondern zu Hause angesteckt.

Zudem hätten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey während einer Pressekonferenz am 18. Oktober vergangenen Jahres erklärt, Kitas seien keine Infektionsherde, und Kinder seien keine Infektionstreiber.

Das Ergebnis einer Studie zur Lebensqualität der Kinder während der Covid-19-Pandemie sei gewesen, dass die Pandemiemaßnahmen die Lebensqualität der Kinder stark beeinträchtigen und ein großes Risiko für ihre seelische Gesundheit darstellten.

Kanadische Studie bestätigt Bedenken von Blömer

In einer kanadischen Studie heiße es, dass Schulschließungen zu geistigen, schulischen, ernährungsbezogenen und sozialen Entwicklungsproblemen führen. Besonders betroffen seien sozial schwache Haushalte und Kinder mit Behinderungen.

Auch zur Verbesserung der Gefährdungslage älterer Menschen trage die Schulschließung nicht bei, da vielfach die Kinder Berufstätiger von den Großeltern betreut werden, die ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben, erklärt Dr. Blömer.

Nach seinen eigenen Untersuchungen zur Lese- und Mathematikkompetenz von Grundschülern nach der 1. Klasse habe zirka ein Drittel der Kinder das Klassenziel im vergangenen Schuljahr nicht erreicht. Gerade für diese Kinder sei die jetzige Zwangspause des Unterrichts verheerend.

Übergewicht ist für Kinder gefährlicher als Corona

Und weiter heißt es: Übergewicht und Bewegungsmangel seien für Kinder wesentlich gefährlicher als Corona. Nach seinen Untersuchungen sei aktuell von einer Adipositasepidemie der Jugendlichen auszugehen. Etwa 30 Prozent der zu den Jugendvorsorgen vorgestellten Kinder hätten Übergewicht.

Beachtet werden sollte auch die Medienabhängigkeit, die gerade bei den Jungen um sich greift. Hier seien ernsthafte Gesundheitsprobleme zu sehen, die sich nur sehr schwer wieder rückgängig machen lassen.

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