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Kinder sollen an Fastenzeit nicht teilnehmen

Imam Syed Salman Shah räumt bei einem Empfang der Ahmadiyya-Gemeinde in Vechta mit einem Irrtum auf. Die Zielsetzung geht über den Verzicht auf Essen und Trinken ohnehin weit hinaus.

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Abendlicher Empfang in der Bait-ul-Qaadir-Moschee in Vechta: Die Vertreter der muslimischen Gemeinde nutzten das Fastenbrechen, um über ihre Arbeit auf lokaler und nationaler Ebene zu berichten sowie den Austausch mit den Gästen zu suchen. Foto: Ahmadiyya-Gemeinde

Abendlicher Empfang in der Bait-ul-Qaadir-Moschee in Vechta: Die Vertreter der muslimischen Gemeinde nutzten das Fastenbrechen, um über ihre Arbeit auf lokaler und nationaler Ebene zu berichten sowie den Austausch mit den Gästen zu suchen. Foto: Ahmadiyya-Gemeinde

Die Ahmadiyya-Gemeinde in Vechta begeht seit Anfang April, dem Auftakt des Ramadans, die muslimische Fastenzeit. Aus diesem Anlass hatten die Mitglieder nun Freunde und Interessierte zu einem gemeinsamen Fastenbrechen in die Moschee an der Gutenbergstraße eingeladen. Die Imame Syed Salman Shah und Saud Ahmad erläuterten Sinn und Zweck des Fastens – und räumten dabei mit einem Irrtum auf.

Die Imame kritisierten das Verhalten einzelner Gemeindemitglieder während des Ramadans. Manche Familien würden stolz erzählen, wenn ihre Kinder an der Fastenzeit aktiv teilnehmen. Dies widerstrebe der islamischen Lehre, sagte Shah. Neben kranken und reisenden Menschen sowie Frauen in der Schwangerschaft, Stillzeit und Periode seien auch Kinder ausdrücklich von der körperlichen Herausforderung des Fastens ausgeschlossen.

Shah, der für die Region Niedersachsen zuständig ist und somit auch die Gemeinde in Vechta betreut, versuchte bei dem abendlichen Empfang das Konzept des muslimischen Fastens zu erklären. Laut Pressemitteilung zählt der Ramadan zu den fünf Säulen des Islams und ist somit ein elementarer Bestandteil des Glaubens. Die Mitglieder nehmen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang keine Nahrung und Wasser zu sich.

„Fasten bedeutet aber mehr als nur der Verzicht auf Essen und Trinken“, erläuterte der Imam in seinem Vortrag. Vielmehr sollten alle Körperteile eines Menschen mitfasten: das Auge, das sich nichts Unmoralisches ansehe, das Ohr, welches beispielsweise keiner üblen Nachrede lausche, die Zunge, die niemanden beleidige, oder etwa auch die Hände, die niemandem Schaden zufügten.

Spirituelle Auffrischung für das ganze Jahr

Shah führte weiter aus, dass der Monat Ramadan dem Mondkalender folge und somit jedes Jahr um 10 Tage nach vorne wandere. Ein Muslim erlebe den Ramadan dadurch im Laufe seines Lebens zu den verschiedenen Jahreszeiten. Ziel sei die spirituelle Auffrischung für das ganze Jahr und die moralische Weiterzuentwickeln als Muslim. Unmittelbar mit dem Ende der Fastenzeit Eid-ul-Fitr feierten Muslime eben jenen Erfolg, so der Imam.

Theologe Saud Ahmad nutzte die Veranstaltung, um den Gästen die Gemeindearbeit der Ahmadiyya vorzustellen. Diese reiche von lokalen Aktivitäten wie „Charity Walks“ und Schulbesuchen bis hin zu nationalem Engagement, etwa in Kooperation mit der Hilfsorganisation „Humanity First“, die ganz aktuell ukrainischen Flüchtlingen in Polen hilft. Die Gemeinde sei offen, gastfreundlich und suche den Austausch mit Mitbürgern.

Diese Offenheit ist auch ganz im Sinne der Stadt Vechta. Stellvertretender Bürgermeister Sam Schaffhausen (SPD) machte mit Blick auf die Ukraine deutlich, dass Zusammenhalt und Frieden von großer Bedeutung für eine Gesellschaft seien. Dies sei durch Programme wie in der Bait-ul-Qaadir-Moschee in Vechta möglich. „Wir sind froh, dass Sie ein Teil unserer Gemeinde sind“, wird Schaffhausen in der Mitteilung zitiert.

Bundestagsabgeordnete Christina-Johanne Schröder (Grüne) hatte ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt und ließ über Parteikollegin Tanja Meyer aus Lohne eine Grußbotschaft übermitteln. Demnach müssten Werte wie Frieden, Demokratie und Zusammenhalt in Zeiten, in denen Hass und Hetze fernab von sozialen Medien wieder salonfähig würden, aktiv gelebt und verteidigt werden. Der Empfang in der Moschee trage dazu bei, dass dies mit dem sozialen Charakter der Ramadans verbunden in Vechta passiere.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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